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Wachsende Armut Mehr Menschen im Tessin kämpfen mit Geldproblemen

Auch im Tessin wächst die Zahl der Menschen, die wegen Geldproblemen Hilfe suchen. Zunehmend trifft es auch den Mittelstand.

Die jüngsten Statistiken des Bundes zeichnen ein besorgniserregendes Bild: 16 Prozent der Bevölkerung, das sind 1.4 Millionen Menschen, leben in Armut oder sind von Armut bedroht. Die Hälfte von ihnen gilt offiziell als arm.

Vor wenigen Tagen warnte Caritas Schweiz vor der zunehmenden Armut. Laut dem Hilfswerk wird die Belastung für ärmere Haushalte in der Schweiz 2026 weiter zunehmen. Auch im Tessin wächst die Zahl derer, die Hilfe suchen. Das bestätigt die Tessiner Geschäftsstelle von Caritas Schweiz gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI). Es kämen Menschen jeden Alters, von 18 bis 65 Jahren. Grund für die finanziellen Schwierigkeiten seien oft Schulden.

Jede und jeder komme mit der eigenen Geschichte, dem eigenen Erlebten, mit unterschiedlichen Schwierigkeiten. Bei der Unterstützung gehe es als Erstes darum, sich der Einsamkeit der Betroffenen anzunehmen, sagt Chiara Pirovano vom Caritas-Sozialdienst. «Ihrer Geschichte zuhören, vor allem Aufmerksamkeit schenken und dadurch auch Ruhe geben. Danach beginnt der Weg», erklärt sie.

Viele suchen spät Hilfe

Ein gemeinsamer Nenner bei Menschen in Schwierigkeiten sei die Tendenz, erst dann Hilfe zu suchen, wenn die Schuldensituation bereits gravierend ist und sich über Jahre zugespitzt hat.

Tessiner Caritas-Mitarbeiterinnen erzählen (dt. Untertitel):

Caritas-Beraterin Alessia Sahin rät dringend davon ab, neue Kredite aufzunehmen, um bestehende Schulden zu begleichen, wegen der hohen Zinssätze. «Wir empfehlen eine Beratung bei uns, um zu prüfen, ob es nicht andere Lösungen gibt», sagt sie.

Stabilität des Mittelstandes «erodiert»

Ständig steigende Fixkosten wie Mieten und Krankenkassenprämien bei stagnierenden Löhnen verschärfen die Lage. Das trifft zunehmend auch Menschen aus der Mittelschicht, die zudem oft keinen Anspruch auf Subventionen hätten, sagt Caritas-Beraterin Chiara Pirovano: «Wir stellen fest, dass die Stabilität, die der Mittelstand bisher hatte, nach und nach erodiert.»

Der Weg aus der Schuldenspirale ist lang und dauert oft mehrere Monate bis Jahre. Die Betroffenen müssen sich des Problems bewusst werden und zu Veränderungen bereit sein.

Es kann alle treffen

Das Ziel einer Schuldenberatung ist ein umsichtiger und ausgewogener Umgang mit dem eigenen Budget. Ausserdem versucht man, Vereinbarungen mit den Gläubigern zu treffen, um Betreibungen zu vermeiden.

Das Fazit, das die Tessiner Caritas-Beraterinnen aus ihrer Arbeit ziehen: Niemand sollte sich immun fühlen gegen finanzielle Schwierigkeiten. Denn das Leben ist unvorhersehbar: plötzlicher Jobverlust, eine Krankheit oder andere unerwartete Ereignisse. Es kann alle treffen.

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SRF 4 News, 8.1.2026, 11 Uhr

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