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25 Jahre Tagesgespräch Daniel de Roulet: «Immer noch wütend»

Der Genfer Schriftsteller Daniel de Roulet will die Schweizer Geschichte von unten erzählen – ohne militant zu sein.

Zu oft werde Geschichte von oben erzählt, findet Daniel de Roulet. Aus der Perspektive von Generälen oder Staatslenkern. Den Westschweizer Autoren interessieren die anderen: «Ich versuche, die Geschichte von unten zu erzählen.» Aus der Perspektive von Schweizer Söldnern, mausarmen Auswanderern, unzufriedenen Anarchistinnen.

Die Literatur ist dafür in den Augen des 82-Jährigen besonders geeignet. Denn obwohl er viel in Archiven und vor Ort recherchiert, sei die Quellenlage oft dünn: Unterprivilegierte hinterlassen weniger Dokumente. Anders als ein Historiker könne er als Schriftsteller mit Fantasie ergänzen.

Daniel de Roulet – die Biografie

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Älterer Mann mit Brille und blauem Hemd steht vor dunklem Hintergrund mit mehreren horizontalen Lichtern.
Legende: KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi

Geboren 1944 in Genf, wächst Daniel de Roulet als Sohn des Pfarrers von Saint-Imier im Berner Jura auf. Bis über sein fünfzigstes Lebensjahr hinaus arbeitet er als Architekt und Informatiker. Seit er sich der Schriftstellerei verschrieben hat, hat er fast 40 Bücher geschrieben, darunter einen zehnteiligen Romanzyklus über die Atomkraft von Hiroshima bis Fukushima. De Roulets Bücher werden in zahlreiche Sprachen übersetzt – auch auf Deutsch. De Roulet lebt in Genf.

De Roulet war ursprünglich Architekt, später Informatiker. Erst mit über fünfzig hat er in den Ferien seinen ersten Roman geschrieben. Knapp vierzig Bücher sind in den dreissig Jahren seither dazugekommen. Viele drehen sich um die Schweiz und ihre Geschichte. Neben Romanen hat de Roulet auch viele Reiseberichte geschrieben – von Wanderungen quer durch die Schweiz bis zu Reisen zu sämtlichen 56 Kernreaktoren in Frankreich.

Der verärgerte Schweizer

Aufgewachsen ist de Roulet in Saint-Imier im Berner Jura. Der Vater war Pfarrer und französischsprachig, die Mutter Deutschschweizerin. Ein grosser Vorteil: Er könne sich in der Schweiz «wie in einer grossen Stadt» bewegen.

Stadtansicht mit Gebäuden vor einem bewaldeten Hügel.
Legende: Daniel de Roulet ist als Sohn des Pfarrers von Saint-Imier im Berner Jura aufgewachsen. Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Sein Verhältnis zur Schweiz ist eng, aber nicht innig. In seinen Büchern, Essays und Artikeln geht de Roulet immer wieder hart mit der Schweiz und ihrer Politik ins Gericht. Ganz besonders ärgert ihn die in seinen Augen übertrieben strenge Migrationspolitik.

Der Brandstifter

Wichtig ist ihm, dass seine Bücher keine militanten Pamphlete werden. Literatur müsse zugänglich bleiben, auch für Menschen, die anderer Meinung seien. Sein Ziel sei immer, zu unterhalten – auf intelligente Weise.

Doch Daniel de Roulet hatte auch sehr militante Seiten. 1975 zündete er das Chalet des «Bild»-Verlegers Axel Springer in Rougemont an. Jahrzehnte später, nach Ablauf der Verjährungsfrist, schrieb er ein Buch darüber («Ein Sonntag in den Bergen»). Das Buch und die Tat lösten eine heftige Kontroverse aus, vor allem in der Deutschschweiz. Hier sei der Brandanschlag immer, in Frankreich kaum je Thema.

Schneebedeckte Ruinen vor einer Berglandschaft.
Legende: Das 5-Millionen-Chalet des deutschen Verlegers Axel Springer in Rougemont bei Gstaad ist in der Nacht zum 7. Januar 1975 niedergebrannt. Die Polizei vermutete Brandstiftung, da rund um das zur Zeit des Brandes unbewohnte Ferienhaus Skispuren sichergestellt werden konnten und anonyme Briefe die Tat andeuteten. KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/STR

Wer de Roulet gegenübersitzt, vergisst leicht, dass er 82 Jahre alt ist. Scheinbar unermüdlich arbeitet er an neuen Büchern – über die Aufständischen seiner Generation, über künstliche Intelligenz, einen Schweizer Maler im Wilden Westen.

Sein Archiv hat de Roulet bereits dem Schweizerischen Literaturarchiv übergeben. Dabei sei es für ihn unwichtig, ob seine Bücher ihn überlebten. Was ihn antreibt, ist die Unzufriedenheit mit dem Hier und Jetzt: «Wenn die Welt in Ordnung wäre, würde ich gar nicht schreiben.» Einer Würdigung von sich selbst würde er diesen Titel geben: «Toujours en colère – immer noch wütend.»

Sommerserie «25 Jahre Tagesgespräch»

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In der Sommerserie «25 Jahre Tagesgespräch» kommen Persönlichkeiten zu Wort, die in all den Jahren mehrere Male zu Gast waren. Sie hören zurück in alte Sendungen und spannen den Faden in die Gegenwart: wie haben sie sich verändert, wie hat sich ihr Fachgebiet entwickelt? Die Sendungen können Sie hier nachhören: www.srf.ch/audio/tagesgespräch

Tagesgespräch, 16.7.2026, 13 Uhr;liea

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