In kaum einer Musikrichtung spiegelt sich ein verklärteres Bild der USA, voll von Cowboyhüten und Sehnsucht nach einem Wilden Westen, in dem die Welt noch in Ordnung war. Entsprechend zieht die Musik in den USA grösstenteils ein traditionelles, republikanisches Publikum an – mit einem gefestigten Bild auch von Country Musikerinnen und Musikern.
Doch in die Szene ist Bewegung gekommen. Vor allem seit R'n'B-Superstar Beyoncé 2024 das Country Album «Cowboy Carter» veröffentlicht hat. Für Puristen ein No-Go, für eine junge Generation von Countrymusikerinnen ein Türöffner. Zum Beispiel die Band «The Boykinz», vier junge afroamerikanische Schwestern aus Atlanta im Bundesstaat Georgia.
Beyoncé hat viel dazu beigetragen, dass wir jetzt frei sind, das zu tun was wir lieben.
«Beyoncés Album ‹Cowboy Carter› war ein Geschenk, es hat auch in der Musikindustrie viele Leute zu einem Umdenken bewogen, die in Schubladen und Stereotypen feststeckten», sagt Sängerin Anale Boykin. «Sie hat sehr viel dazu beigetragen, dass wir jetzt frei sind, das zu tun was wir lieben.»
The Boykinz spielen am «Albi's Country Festival». Die Zürcher Traditionsveranstaltung, organisiert seit 40 Jahren von Albert «Albi» Matter, findet zum Jubiläum erstmals im Hallenstadion statt. Und hier, auf neutralem Schweizer Territorium, treffen verschiedene Stile und Ansichten innerhalb des Country aufeinander. Das Gegenstück zu «The Boykinz» ist die dreiköpfige Frauenkombo «Runaway June», verwurzelt im traditionellen, weiss geprägten Nashville Stil.
Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, was traditionellen Country ausmacht.
Sängerin Jennifer Wayne, Enkelin des legendären Western-Schauspielers John Wayne, sieht den traditionellen Stil eher in Bedrängnis: «Beyoncé hat ein neues Publikum zum Country gebracht. Aber es ist auch wichtig, sich daran zu erinnern, was traditionellen Country ausmacht. Traditioneller Country hat auch seinen Platz am Radio verdient, und dieser wird kleiner.»
Und dann ist da noch der Elefant im Raum: Donald Trump und seine «Make America Great Again» Bewegung, die ebenfalls auf traditionelle Werte pocht. Auf politische Äste hinauslassen will sich unter den Country-Musikerinnen niemand. «Ich hoffe wir können dazu beitragen, die Leute zu vereinen, bei allem was in der politischen Welt passiert», sagt Boykinz-Sängerin Alona Boykin.
Politisch zurückhaltend
Ähnlich klingt es bei Jennifer Wayne: «Ein grosser Teil der Welt ist heute gespalten. Und die Aufgabe der Musik ist es, Leute wieder zusammenzubringen. Das ist ein wichtiger Grund, warum wir Politik nicht auf die Bühne tragen. In dieser gespaltenen Welt willst du einfach Musik hören und nicht über Politik nachdenken. Das ist das Schöne an der Musik, sie ist eine einigende, universale Sprache.»
Künstler sind oft eher gegen Trump, die Fans eher pro.
Für den Schweizer Countrymusiker Florian Fox, der die amerikanische Szene quasi von aussen betrachten kann, macht die politische Zurückhaltung Sinn: «Das Interessante ist, dass Künstler oft eher gegen Trump sind, und Fans eher pro. Zumindest wenn man in den Südstaaten unterwegs ist. Ich glaube das merkt man auch in den Songs: Es gibt sehr wenige politisch-kritische Songs.»