Tausende von Paletten stapeln sich im Warenlager der Carletto AG in Brunnen. Über 20 Meter hoch sind die Regale. Von Gesellschaftsspielen, über Puppen und Puzzles: Die Carletto AG ist auf den Handel mit Spielwaren spezialisiert.
Irgendwo in diesem riesigen Lager liegen auch Pokémon-Sammelkarten. Denn die Carletto AG ist das einzige Distributionszentrum in der Schweiz, das diese begehrten Karten an Verkaufsstellen im ganzen Land liefert.
Ein Geschäft wie kein anderes
Vor 30 Jahren erblickten die kleinen Taschenmonster das Licht der Welt (Pokémon ist ursprünglich abgeleitet vom Englischen Pocket Monster).
Beinahe genauso lange ist die Carletto AG im Pokémon-Geschäft aktiv. Die Erfahrung ist laut Geschäftsführer Peter Gygax essenziell, denn Pokémon sei logistisch anspruchsvoller als jedes andere Spiel. Die Ware kommt aus den USA, Tschechien und Belgien. In Brunnen werden die Lieferungen gebündelt und dafür gesorgt, dass neue Pokémon-Serien zum festgelegten Erscheinungstermin pünktlich im Schweizer Handel sind.
Pokémon-Karten können zwar auch im Ausland bestellt werden, doch weil die rechtzeitige Lieferung entscheidend und die Nachfrage gross sei, würden viele Händler auf die Expertise der Carletto AG setzen.
Das Timing ist entscheidend, denn wenn ein neues Pokémon-Set erscheint, stehen die Fans bereits in den Startlöchern. «Die meisten Karten werden gesammelt, nur mit 15 bis 20 Prozent wird tatsächlich gespielt», sagt Peter Gygax. Denn schon ein geöffnetes Päckchen oder eine beschädigte Karte mindert ihren Wert.
Pokémon ist längst mehr als ein Hobby – es ist ein Investitions- und Spekulationsobjekt. Eindrücklich zeigt dies die Versteigerung einer «Pikachu Illustrator»-Karte im Februar: Für über 12 Millionen Franken wechselte die Karte ihren Besitzer – und gilt damit als die teuerste, jemals auf einer Auktion verkaufte Sammelkarte.
Es geht rauf und runter wie an der Börse
Die Nachfrage nach Pokémon ist gross. Damit die Karten fair auf Händler und Sprachregionen in der Schweiz verteilt werden, setzt man bei der Carletto AG auf ein vierköpfiges Expertinnenteam.
Eine von ihnen ist Evelyne Sidler. Seit über zehn Jahren beschäftigt sie sich beruflich mit Pokémon. Das Geschäft sei oft unberechenbar: «Es ist wie ein Blick in die Glaskugel». Denn wie begehrt ein neues Pokémon-Set bei den Fans sein würde, lasse sich im Vorfeld kaum abschätzen. Bestellen muss die Carletto AG jedoch bereits neun Monate im Voraus.
Das Expertinnenteam spürt auch den Druck aus dem Detailhandel. Einige Händler würden ihren Kundinnen und Kunden bereits Karten vorverkaufen – selbst wenn noch nicht klar sei, wie viel Ware die Carletto AG tatsächlich liefern könne.
Erschwerend kommt hinzu: Wie an der Börse gehe die Nachfrage nach Pokémon mal hoch und wieder runter. «In der Vergangenheit hat es auch schon Täler gegeben, wo nicht sicher war, ob die Marke überhaupt überlebt», so Peter Gygax. Mittlerweile mache er sich diesbezüglich jedoch keine Sorgen mehr. Pokémon gehöre schliesslich zur Spiellandschaft hinzu, wie ein «Eile mit Weile».