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Begehrte Sammelkarten Ein Schwyzer Unternehmen als Drehscheibe für Pokémon

Pokémon-Sammelkarten sind Spiel und Sammelobjekt. Wie umgehen mit der grossen Nachfrage?

Tausende von Paletten stapeln sich im Warenlager der Carletto AG in Brunnen. Über 20 Meter hoch sind die Regale. Von Gesellschaftsspielen, über Puppen und Puzzles: Die Carletto AG ist auf den Handel mit Spielwaren spezialisiert.

Blick ins Warenlager. Links und rechts stapeln sich Paletten mit Kartonkisten. In der Mitte ist ein gelber Roboterlift.
Legende: Das Hochregallager der Carletto AG ist seit rund zwei Jahren vollautomatisiert. Von Brunnen im Kanton Schwyz gelangen Spielwaren in die ganze Schweiz. SRF / Jasmin Gut

Irgendwo in diesem riesigen Lager liegen auch Pokémon-Sammelkarten. Denn die Carletto AG ist das einzige Distributionszentrum in der Schweiz, das diese begehrten Karten an Verkaufsstellen im ganzen Land liefert.

Ein Geschäft wie kein anderes

Vor 30 Jahren erblickten die kleinen Taschenmonster das Licht der Welt (Pokémon ist ursprünglich abgeleitet vom Englischen Pocket Monster).

Beinahe genauso lange ist die Carletto AG im Pokémon-Geschäft aktiv. Die Erfahrung ist laut Geschäftsführer Peter Gygax essenziell, denn Pokémon sei logistisch anspruchsvoller als jedes andere Spiel. Die Ware kommt aus den USA, Tschechien und Belgien. In Brunnen werden die Lieferungen gebündelt und dafür gesorgt, dass neue Pokémon-Serien zum festgelegten Erscheinungstermin pünktlich im Schweizer Handel sind.

Mann steht vor verschiedenen Pokémon-Produkten. In der Hand hält er einen Pokémon-Ball.
Legende: Geschäftsleiter und Inhaber Peter Gygax im Showroom der Carletto AG. Hier ist ein grosser Teil ausschliesslich Pokémon-Produkten gewidmet. SRF/Jasmin Gut

Pokémon-Karten können zwar auch im Ausland bestellt werden, doch weil die rechtzeitige Lieferung entscheidend und die Nachfrage gross sei, würden viele Händler auf die Expertise der Carletto AG setzen.

Das Timing ist entscheidend, denn wenn ein neues Pokémon-Set erscheint, stehen die Fans bereits in den Startlöchern. «Die meisten Karten werden gesammelt, nur mit 15 bis 20 Prozent wird tatsächlich gespielt», sagt Peter Gygax. Denn schon ein geöffnetes Päckchen oder eine beschädigte Karte mindert ihren Wert.

Pokémon-Booster ausgestellt im Showroom der Carletto AG.
Legende: Ein Päckchen – ein sogenannter Booster – enthält jeweils zehn Pokémon-Karten. Im Handel kostet ein Booster einer aktuellen Serie normalerweise ein paar Franken. Im Laufe der Zeit können manche Pokémon-Karten, je nach Alter, Seltenheit und Zustand, jedoch hohe Summen erreichen. SRF/Jasmin Gut

Pokémon ist längst mehr als ein Hobby – es ist ein Investitions- und Spekulationsobjekt. Eindrücklich zeigt dies die Versteigerung einer «Pikachu Illustrator»-Karte im Februar: Für über 12 Millionen Franken wechselte die Karte ihren Besitzer – und gilt damit als die teuerste, jemals auf einer Auktion verkaufte Sammelkarte.

Es geht rauf und runter wie an der Börse

Die Nachfrage nach Pokémon ist gross. Damit die Karten fair auf Händler und Sprachregionen in der Schweiz verteilt werden, setzt man bei der Carletto AG auf ein vierköpfiges Expertinnenteam.

Eine von ihnen ist Evelyne Sidler. Seit über zehn Jahren beschäftigt sie sich beruflich mit Pokémon. Das Geschäft sei oft unberechenbar: «Es ist wie ein Blick in die Glaskugel». Denn wie begehrt ein neues Pokémon-Set bei den Fans sein würde, lasse sich im Vorfeld kaum abschätzen. Bestellen muss die Carletto AG jedoch bereits neun Monate im Voraus.

Pikachu Karte im Vordergrund, im Hintergrund verschwommen sieht man weitere Karten.
Legende: Pikachu ist das bekannteste der über tausend Pokémon. Pokémon-Karten gibt es in unterschiedlichen Sprachen. Die Carletto AG vertreibt Karten auf Deutsch, Französisch und Englisch. EPA/Sebastien Nogier

Das Expertinnenteam spürt auch den Druck aus dem Detailhandel. Einige Händler würden ihren Kundinnen und Kunden bereits Karten vorverkaufen – selbst wenn noch nicht klar sei, wie viel Ware die Carletto AG tatsächlich liefern könne.

Erschwerend kommt hinzu: Wie an der Börse gehe die Nachfrage nach Pokémon mal hoch und wieder runter. «In der Vergangenheit hat es auch schon Täler gegeben, wo nicht sicher war, ob die Marke überhaupt überlebt», so Peter Gygax. Mittlerweile mache er sich diesbezüglich jedoch keine Sorgen mehr. Pokémon gehöre schliesslich zur Spiellandschaft hinzu, wie ein «Eile mit Weile».

Regionaljournal Zentralschweiz, 11.5.2026, 17:30 Uhr; fise,noes

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