Eine Woche nach dem WM-Final meldet sich Gianni Infantino mit einer langen Abrechnung zu Wort. In einem 15-teiligen Instagram-Beitrag weist der Fifa-Präsident die Kritik am Turnier zurück – und greift Medien und andere Kritiker scharf an.
«Unsere Welt braucht Liebe, keinen Hass. Toleranz, keine Spaltung», schreibt Infantino. Während Kritiker «Hass und falsche Gerüchte» verbreiteten, habe die Fifa gemeinsam mit Kanada, Mexiko und den USA das «grösste Ereignis der Welt» organisiert. Die WM sei die «herausragendste Fifa-Weltmeisterschaft» gewesen.
Infantino stellt der Kritik seine eigene Bilanz gegenüber: Nach Fifa-Angaben besuchten rund sieben Millionen Menschen aus mehr als 200 Ländern die Spiele in 16 Städten. Milliarden hätten das Turnier weltweit verfolgt. Es habe «keine Zwischenfälle, keine Feindseligkeiten, keine Gewalt» gegeben, schreibt Infantino.
Als Beleg für die verbindende Kraft des Fussballs nennt Infantino die Einreise der iranischen Nationalmannschaft in die USA trotz der politischen Spannungen zwischen beiden Ländern sowie die Erteilung von Visa an Millionen Fans. «Im Fussball geht es um Zusammenhalt, nicht um Spaltung.»
Auch umstrittene Schiedsrichter- und Disziplinarentscheide verteidigt der 56-Jährige. Fehler bei Karten oder spätere Korrekturen von Sperren gebe es auch in den grössten Fussballligen der Welt und würden dort akzeptiert. Es sei deshalb «merkwürdig», wenn Vertreter solcher Länder die Fifa kritisierten.
«Meditieren oder beten»
Zum Schluss richtet Infantino einen persönlichen Rat an seine Kritiker. Sie sollten sich Zeit nehmen, «zu meditieren, zu beten oder ein Fussballspiel zu schauen», statt ihre Energie mit Hass zu verschwenden. Die WM habe aus seiner Sicht «das Beste der Menschheit» gezeigt.
Der Rundumschlag fällt in eine Phase, in der Infantinos Amtsführung auch in der Schweiz wieder diskutiert wird. Der Schweizerische Fussballverband hatte seine Unterstützung für seine Wiederwahl bereits zugesichert. Nach den WM-Kontroversen will er diese Haltung nochmals prüfen und das Gespräch mit Infantino suchen.
Auch andere Verbände hatten während des Turniers Kritik geäussert – der Deutsche Fussball-Bund stellte kein Unterstützungsschreiben für Infantinos Wiederwahl aus.