Hanspeter Bäni hat für seine Arbeit viele Gefahren auf sich genommen. Einmal drohte ihm ein afrikanischer Prinz mit einer Machete den Kopf abzutrennen und einmal sah er sich in Nicaragua mit der realen Gefahr einer Gefängnisstrafe konfrontiert. In seinem Buch «Der Reporter. Geschichten jenseits der Dreharbeiten» berichtet er nun von seiner Arbeit, seinen Erlebnissen und auch von seinen Gedanken zu veröffentlichten Filmen.
Ein gefährlicher Job
Doch auch in der scheinbar sicheren Schweiz wurde es für den gelernten Tiefbauzeichner mitunter schwer: Gerichtsverfahren, wüste Beschimpfungen und sogar Morddrohungen erntete er fast genauso viel wie Auszeichnungen und Preise für seine Arbeit.
Hanspeter Bäni hat für seine Arbeit die Welt bereist
-
Bild 1 von 5. 2005 in einer Favela Brasiliens mit Kindern, die in einem schwierigen Umfeld gross werden. Bildquelle: zvg / Hanspeter Bäni.
-
Bild 2 von 5. 2012 reiste Bäni für Dreharbeiten nach Albanien. Bildquelle: zvg / Barbara Hausammann.
-
Bild 3 von 5. Hanspeter Bäni und Angehörige des Turkana-Volkes 2017 in Kenia. Bildquelle: zvg / Rolf Gloor.
-
Bild 4 von 5. 2019 in Burkina Faso – die Einheimischen versicherten ihm, dass die Krokodile keine Bestien, sondern die Seelen Verstorbener seien. Bildquelle: zvg / Robin Bäni.
-
Bild 5 von 5. In Burkina Faso erlebte Bäni grosse Gastfreundschaft trotz karger Umstände. Bildquelle: zvg / Robin Bäni.
Werke wie «Das Leben eines Betrügers», «Weisse Königin – schwarzer Prinz» oder auch «Der Jugendanwalt» mit dem jungen Straftäter Brian Keller alias «Carlos» lösten schweizweite Debatten aus. Bänis Filme sind oft langjährige Projekte – für seinen Dokumentarfilm «Schicksal einer Bergbauernfamilie» begleitete er eine Familie beispielsweise 20 Jahre lang mit der Kamera.
Manchmal war Bäni auch am Puls des politischen und wirtschaftlichen Weltgeschehens: Er berichtete 2000 während des Sturzes von Slobodan Milošević in Belgrad, dokumentierte 2001 den Staatsbankrott in Argentinien und filmte 2010 mitten in den Unruhen der Rothemden-Bewegung in Thailand.
Der Fall «Carlos» wird zum Medienskandal
Ein Fall beschäftigte Hanspeter Bäni besonders weit über die Dreharbeiten hinaus. Mit dem Film «Der Jugendanwalt» löste er 2013 einen regelrechten Medienskandal aus. Im Rahmen dieser Arbeit kam der junge Straftäter Brian Keller vor. Bäni gab ihm das Pseudonym «Carlos». Der junge Mann war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits über 30 Mal aufgrund verschiedener Delikte verurteilt worden. Die Reportage zeigte die sozialpädagogische Betreuung, die Keller damals genoss – und was dieses Sondersetting den Staat pro Monat kostete: 30'000 Franken.
Der Fall hat Diskussionen über den Aufwand der von Straftätern sowie über die Überforderung der Schweizer Justiz mit aussergewöhnlich gewaltbereiten Inhaftierten angestossen.
Die Reportage hätte anders gestaltet werden müssen.
Im Buch reflektiert Hanspeter Bäni den Film. Auch wenn er selbst kein nachhaltiges therapeutisches Konzept in den teuren Massnahmen erkennen konnte, haderte Bäni nach den ausgelösten Reaktionen mit sich selbst. Er beschreibt seine Zweifel im Buch wie folgt:
«Wäre der minderjährige Gesetzesbrecher ohne den Film ein unauffälliges, gut integriertes Mitglied der Gesellschaft geworden? Führte die Darstellung des kostenintensiven Sondersettings zu mehr Verständnis für die Resozialisierung jugendlicher Straftäter oder bewirkte sie genau das Gegenteil? (...) vor allem aber kam ich zum Schluss, dass die Reportage anders hätte gestaltet werden müssen.»
Hanspeter hat ein Flair, Menschen zu entdecken, die spannend sind.
Das Vorwort im Buch stammt von Moderator Röbi Koller. Die beiden sind befreundet. Für Koller ist es die Geduld, die die Arbeit von Hanspeter Bäni ausmacht. Gegenüber SRF sagt er: «Hanspeter hat ein Flair, Menschen zu entdecken, die spannend sind. Es ist sein Blick, gepaart mit seiner Geduld, die ihn auszeichnen.»