Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Nach Kritik Wallis lässt umstrittene Sexclub-Plakate entfernen

Plakate eines Waadtländer Erotikclubs sorgten im Wallis für eine Kontroverse. Nun wurden sie entfernt.

«Das Verlangen fragt nicht um Erlaubnis», stand in gelben Grossbuchstaben auf violettem Hintergrund, darunter in kleinerer Schrift: «Ein einziges ‚Ja‘ genügt.»

Diese Sätze konnte man auf mehreren Plakaten lesen, die Ende April entlang der Walliser Strassen auftauchten.

Die Werbung für einen Waadtländer Erotikclub, in dem unter anderem sexuelle Dienstleistungen gegen Geld angeboten werden, schockierte mehrere Personen.

Diese äusserten ihre Empörung sowohl in sozialen Netzwerken als auch gegenüber dem Feministischen Kollektiv Wallis, das nach eigenen Angaben zahlreiche Meldungen erhielt. Das Feministische Kollektiv kritisiert die Botschaft der Plakate scharf, da sie den Eindruck erwecke, den Kunden sei alles erlaubt.

Frau in schwarzen Stiefeln in rot beleuchtetem Raum.
Legende: Eine Sexarbeiterin in einem Studio in Oldenburg, Niedersachsen, am 6. November 2022. (Symbolbild) KEYSTONE – HAUKE-CHRISTIAN DITTRICH

«Es geht nicht darum, solche Orte oder die Sexarbeitenden an den Pranger zu stellen. Hier haben wir es mit einer Aufforderung zur Vergewaltigung zu tun», sagte Maude Louviot vom Feministischen Kollektiv gegenüber der Schweizer Zeitung «24Heures».

Louviot zufolge «vermittelt diese Botschaft, dass man sich einfach bedienen könne, unabhängig davon, ob die betroffene Person einverstanden ist oder nicht».

Unterschiedliche Interpretationen

Nach mehreren Interventionen, insbesondere seitens der Stadt Siders, entfernte die Werbefirma die Werbung aus eigener Initiative. Auch in Martigny wurden die Plakate entfernt.

«Eine Bürgerin hat uns darauf aufmerksam gemacht, noch bevor die Debatte vom Feministischen Kollektiv angestossen wurde», erklärt Sittens Stadtpräsidentin Anne-Laure Couchepin Vouilloz gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).

Das Gespräch mit Stadtpräsidentin Couchepin Vouilloz:

«Sie kontaktierte uns und sagte, dass sie sich verletzt fühle. Durch sie wurde mir klar, dass manche Menschen dies als eine Aufforderung zur Vergewaltigung verstehen könnten. Das war bei mir nicht der Fall, aber wir haben den Club sofort kontaktiert», erklärt Couchepin Vouilloz.

In einer reifen Gesellschaft sollte man darüber sprechen können, ohne daraus ein Drama zu machen.
Autor: Anne-Laure Couchepin Vouilloz Stadtpräsidentin Sitten

«Ich wollte daraus keine grosse Affäre machen», sagt sie. «Manche Menschen sind schockiert, andere nicht. Aber ich wollte sicherstellen, dass dem Club bewusst ist, was dies bei gewissen Personen auslösen kann.»

Auf die Frage, ob es sinnvoll wäre, im Kanton ein Gesetz gegen sexistische Werbung einzuführen – ähnlich wie es bereits im Kanton Waadt existiert –, meint sie, dies würde nichts lösen. «Denn es gäbe einen grossen Interpretationsspielraum», sagt sie. Es bleibe immer eine Unschärfe bestehen.

Interessant finde sie, dass trotz unterschiedlicher Meinungen relativ einfach eine zufriedenstellende Lösung gefunden wurde: «Sie machen ihre Werbung jetzt auf eine andere Weise, ohne dass man Gerichte einschalten oder die Dinge noch stärker moralisieren muss. Das ist für mich als Stadtpräsidentin sehr ermutigend», sagt Couchepin Vouilloz. «Für mich ist es ein Irrglaube, zu denken, dass man durch Gesetzgebung solchen Diskussionen entkommen könne. In einer reifen Gesellschaft sollte man darüber sprechen können, ohne daraus ein Drama zu machen.»

RTS Forum, 6.5.2026, 18 Uhr;weds

Meistgelesene Artikel