Katja Früh ist die Erfinderin der Kultserie «Lüthi und Blanc». Mit 72 Jahren hat sie sich nun einen Lebenstraum erfüllt: ihren ersten Roman. Darin verarbeitet sie eine zutiefst persönliche Erfahrung – den assistierten Suizid ihrer Mutter – und stellt unbequeme Fragen.
SRF News: Sie haben mit 72 Jahren Ihren ersten Roman geschrieben. Die Erfüllung eines Lebenstraums?
Katja Früh: Ja, ein lang ersehnter Traum. Ich habe mich lange nicht getraut. Ich habe Theaterstücke und Drehbücher geschrieben. Aber ein Roman? Das war für mich immer das Grösste, das Höchste. Irgendwann bin ich dann zur Ruhe gekommen und plötzlich ist es gegangen.
Ihr Roman «Vielleicht ist die Liebe so» beginnt damit, dass eine Mutter ihren Tod per Sterbehilfe zu einem fixen Termin ankündigt. Das haben Sie selbst erlebt.
Die Geschichte ist autobiografisch inspiriert. Den angekündigten Suizid, das habe ich in meiner Familie wirklich erlebt. Natürlich ist nicht der ganze Roman eins zu eins so passiert, aber die Grundsituation stammt aus meinem Leben.
Dass das Sterben zu einem Termin wird [...] hat auf eine Art eine makabre Komik, die mich fasziniert hat.
Was hat Sie an dieser Situation gereizt?
Die Absurdität und das Groteske daran. Dass das Sterben zu einem Termin wird, der genauso behandelt wird wie jeder andere. Um 14 Uhr der Coiffeur, um 16 Uhr der Tod. Das hat auf eine Art eine makabre Komik, die mich fasziniert hat.
Die Mutter im Roman will sterben, weil sie nicht alt werden will. Sie stellen die Frage: Darf man das?
Es ist nicht an mir, darüber zu urteilen. Es ist der freie Wille jedes Menschen. Allerdings besorgt mich die Richtung, in die es geht. Wenn ich lese, wie viele neue Mitglieder Exit hat, beunruhigt mich das. Ich habe Angst, dass Menschen diesen Schritt wählen, nicht weil sie unheilbar krank sind, sondern weil sie sich im Alter nicht mehr gebraucht und nichts mehr wert fühlen. Das ist eine beunruhigende Bewegung.
Die Mutter im Roman verlangt von ihrer Tochter, den Hund töten zu lassen, weil er ihren Tod nicht verkraften würde. Das hat auch Ihre Mutter von Ihnen gefordert. Wie haben Sie das gelöst?
Diesen Wunsch konnten wir natürlich nicht erfüllen. Wir haben sie schlicht angelogen und ihr erzählt, der Hund sei gestorben. Wir mussten ihr diese traurige Geschichte dann auch vorspielen, damit sie uns glaubte und die Lüge glaubwürdig war.
Die Sterbeszene im Buch ist mir nicht leichtgefallen.
War es schwierig, über eine so persönliche Erfahrung zu schreiben?
Die Sterbeszene im Buch ist mir nicht leichtgefallen. Ich habe sie wahnsinnig schnell geschrieben, wie in einem Tunnel. Sie hat mich auch nach all den Jahren, in denen meine Mutter schon tot ist, wieder sehr berührt.
Der Traum vom Roman ist nun erfüllt. Wie lebt es sich damit?
Es ist wunderbar, diese Anerkennung zu erfahren. Das hätte ich mir nie träumen lassen. Gleichzeitig bin ich aber immer noch ein unsicherer Mensch und denke mir manchmal, ob mein Roman und das Interesse daran nicht vielleicht ein Versehen sind.
Das Gespräch führte David Karasek.