Er gehört zu den prägenden Stimmen der Schweizer Comedy-Szene. Im Gespräch erzählt Charles Nguela von seinen Anfängen, vom Aufwachsen auf zwei Kontinenten und davon, wie Familie und Alltag seinen Humor verändern.
SRF: Sie hatten 2011 in Zürich Ihren ersten Auftritt. Was zeichnete diesen Moment aus?
Charles Nguela: Freunde hatten mich damals nach einer Trennung einfach für einen Auftritt angemeldet und ich war sofort fasziniert. Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedenster Hintergründe haben gemeinsam gelacht und das hat mich begeistert. Ab diesem Moment bin ich immer wieder auf die Bühne gegangen.
Sie wollten ursprünglich Schauspieler werden. Was hat Sie an Comedy so gepackt?
Als Kind habe ich im Kongo Sketch-Comedy geschaut. Alltagsszenen, die ins Absurde kippen. Das habe ich geliebt. Dann auf der Bühne zu stehen und zu merken, wie Menschen gemeinsam lachen, hat mich nicht mehr losgelassen.
Sie haben Ihren Vater früh verloren. Wie haben Sie das erlebt?
Eine wichtige Bezugsperson fehlt. Das spürst du erst richtig, wenn andere erzählen, was sie zum Beispiel am Wochenende mit ihren Vätern erlebt haben, und du selbst nichts zum Teilen hast. Wir hatten zwar eine grosse Familie in Südafrika, aber gewisse Momente fehlen einfach.
Mit 13 sind Sie aus Südafrika in die Schweiz gekommen. Wie haben Sie dieses ankommen erlebt?
Folgendes Beispiel kann den Kultur-Clash vielleicht etwas näher bringen: Sporttag – in Südafrika eine todernste Angelegenheit, in der Schweiz – weniger. Selbstverständlich gab ich alles und gewann mit mehr als doppelt so vielen Punkten wie der zweitplatzierte.
Kinder können wahnsinnig brutal sein – sind Sie in der Schule mit Vorurteilen konfrontiert worden?
Es gab Fragen, die weh taten oder einfach naiv waren. Zum Beispiel wollten sie ernsthaft von mir wissen, ob ich Lasagne kenne.
Seit ich den Schweizer Pass habe, habe ich das ersten Mal ein echtes Heimatgefühl.
Ich habe lernen müssen, wo ich eine klare Linie haben muss und wo Gelassenheit angebrachter ist.
Comedy arbeitet oft mit Vorurteilen. So werden auch immer wieder aufs neue Klischees gefestigt. Wie gehen Sie mit dieser Thematik um?
Man muss sich bewusst sein, dass man, egal was man sagt, jemandem auf die Füsse tritt. Ich spiegle jedoch mein Programm mit meinem Co-Autoren und auch mit betroffenen Personen oder Gruppen.
Sie sind zweifacher Vater. Wie hat Sie das verändert?
Ich bin viel geduldiger und weicher geworden. Gleichzeitig mache ich mir mehr Gedanken über die Welt. Früher bin ich auf der Bühne mit meinen Jokes mehr Risiken eingegangen. Heute denke ich manchmal: Irgendwann könnten meine Kinder das sehen.
Comedy bedeutet auch ein unsicherer Alltag – schwankende Auftritte, Tour-Pausen, Zeiten ohne Einkommen. Wie gehen Sie mit dieser Unberechenbarkeit um?
Während Corona hatte ich diesbezüglich Panikattacken. Nach zwei Monaten zu Hause kam die Frage: Wie komme ich zurück?
Ich möchte weiterhin Menschen unterhalten.
Und später als ich bei einem Unfall mit einem Glas meine Hand stark verletzte und acht Monate lang nicht auftreten konnte, hat auch das Ängste ausgelöst.
Seit einem Jahr haben Sie den Schweizer Pass. Was bedeutet er Ihnen?
Zum ersten Mal habe ich ein echtes Heimatgefühl. Vorher nie – weder im Kongo, noch in Südafrika, noch in der Schweiz. Und jetzt kann ich endlich abstimmen. Das fühlt sich richtig gut an.
Was kommt als Nächstes?
Ich möchte weiterhin Menschen unterhalten. Vielleicht einmal ein Podcast oder eine eigene Sendung. Und ich baue parallel meine Agentur auf und drehe Videos für andere. Das ist mein Plan B neben der Bühne.
Das Gespräch führte Stefan Büsser.