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Social-Media-Verbot Ist eine Smartphone-Pause für Jugendliche die Lösung?

Immer noch ein Video – wer Instagram oder Tiktok öffnet, ertappt sich oft dabei, mehr Zeit im Feed verbracht zu haben als geplant. Nicht nur schwierig wegzulegen sind die Apps, auch allerhand andere Auswirkungen werden den Smartphones zugeschrieben. Entsprechend werden Verbote diskutiert – für soziale Medien oder Handys in der Schule.

Guido Berger aus der SRF-Digital-Redaktion schlägt stattdessen eine einfachere Lösung vor: die Smartphone-Pause.

Guido Berger

Leiter SRF Digital-Redaktion

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Guido Berger leitet die SRF Digital-Redaktion und erklärt seit 2006 digitale Technologie und Games.

Wie könnte das Problem mit den Smartphones gelöst werden?

Ich würde regelmässige Smartphone-Pausen anstreben. Dazu müsste man die bestehende Funktion «Auszeit» der Smartphones so erweitern, dass Eltern für die Geräte ihrer Kinder beliebige Zeitfenster für Pausen definieren können – während der Schulzeit und in der Nacht beispielsweise. In dieser Zeit ist das Smartphone nur für Notfälle benutzbar, oder einzelne Apps wie eine Wikipedia sind erlaubt – aber nichts sonst, keine Messenger, Games oder Tiktok. Und schliesslich müssten die Schulen die Eltern verpflichten, diese Pausen einzurichten.

Warum eine Pause statt eines Verbots?

Ein Grossteil der Personen, die sich mit Medienbildung oder den Auswirkungen sozialer Medien auf Kinder befassen, warnen vor Schnellschüssen. Sie weisen darauf hin, dass vermutete Wirkungen alles andere als erwiesen sind. Und dass Smartphones von Jugendlichen oft auch für positive Dinge genutzt werden, dass unbedachte Verbote also Kollateralschaden anrichten könnten.

Eine Pause würde Druck aus dieser Diskussion nehmen und das Erlernen eines gesunden Umgangs betonen. Gerade wenn es um vermutete negative Auswirkungen wie ständige Ablenkung, Konzentrations­schwierigkeiten oder zu wenig Schlaf geht, würden regelmässige Pausen helfen, ohne ein Verbot notwendig zu machen.

Dass die Pause das ganze Smartphone einbezieht, würde ausserdem schwierige Definitionsfragen umgehen, was denn genau soziale Medien sind.

Wäre es nicht einfacher, das Handy in der Schule oder am Esstisch einfach abzugeben?

Das bedeutet täglichen Aufwand, für den Lehrpersonen eigentlich keine Zeit haben. Eine technische Lösung würde es automatisieren – man richtet die Pausen einmalig ein, danach muss niemand mehr aktiv etwas tun. Natürlich müssten die Schulen die Eltern einbeziehen und wohl auch anleiten – das wäre aber ohnehin sinnvoll, weil es klar macht, dass die Verantwortung nicht alleine bei den Schulen liegt.

Wenn man die Pausen-Fenster beliebig definieren könnte, liessen sie sich sehr flexibel in den konkreten Alltag einbauen. Sie wären auch in der Familie nutzbar, beispielsweise für einen Handy-freien Sonntagnachmittag.

Die Flexibilität scheint mir ausserdem wichtig, weil es gut möglich ist, dass es in der Schweiz von Kanton zu Kanton oder gar von Schule zu Schule unterschiedliche Umsetzungen geben wird.

Um diese Idee zu ermöglichen, müssten die Hersteller aber noch nachbessern?

Das ist richtig. Auf Apple-Geräten gibt es schon eine «Auszeit», aber nur eine pro Tag in der Nacht. Auf Android-Geräten können Eltern zusätzlich einen «Schulmodus» definieren, aber auch das ist noch zu wenig flexibel: Es müsste die Möglichkeit geben, nicht eine oder zwei Auszeiten, sondern beliebig viele zu definieren.

Technisch ist das eine triviale Änderung, Google und Apple sind schon nahe dran. Es wäre eine Anpassung, die in der aktuellen Verbotsdiskussion auch im Interesse der Hersteller wäre. Es ist also nicht sicher, dass sie es tun, aber auch nicht völlig unrealistisch. Und es würde ohne neue Gesetze gehen.

Radio SRF 3, 13.5.2026, 15:30 Uhr

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