Was ist Glück? Es gibt verschiedene Definitionen von Glück, erklärt Psychologin Judith Mangelsdorf. «Häufig wird Glück mit Lebenszufriedenheit gleichgesetzt, aber Glück ist auch ein Überbegriff für so etwas wie die Anwesenheit positiver und negativer Emotionen oder auch das Sinnerleben im Leben», sagt die Glücksforscherin. «Das heisst, es gibt sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie man Glück messen kann.»
Die Skala von 0 bis 10: Der Weltglücksbericht 2026 misst Glück über eine einfache Frage: Wie bewerten Sie Ihr Leben auf einer Skala von 0 bis 10 gerade heute? Null steht dann für das schlechtmöglichste Leben und zehn für das bestmöglichste. Das sei subjektiv – und relativ grob, sagt Psychologin Judith Mangelsdorf. Bei so grossen Umfragen entstehen dennoch stabile Durchschnittswerte, die vergleichbar sind.
Die Grenzen dieser Skala: Es gebe auch langfristigere Studien, erklärt der Glücksforscher Bernhard Sollberger, bei der Menschen über einen längeren Zeitraum via App über die Befindlichkeit befragt werden, wie gut oder schlecht sie sich fühlen, wie traurig oder wütend oder dankbar sie gerade sind. «Ich denke, eine solche Messung ist genauer und aussagekräftiger, als wenn man Menschen einfach nur auf einer Skala von 0 bis 10 fragt, wie glücklich sie sich jetzt gerade einschätzen.» Er stellt fest: Die glücklichsten Menschen haben viele positive Emotionen, aber «ein gewisses Mass an Leiden lässt sich nicht vermeiden».
Kann ich mein Glück beeinflussen? Glück hängt von verschiedenen Dingen ab: von Lebensbedingungen wie Wohlstand oder Sicherheit, das zeigt sich auch bei den Ländern an der Spitze des Weltglücksberichts. Aber Glück hängt auch von der eigenen Einstellung ab, so Sollberger. Die Forschung zeigt: Glück ist teilweise lernbar. Besonders wirksam sind soziale Beziehungen, Dankbarkeit und bewusstes freundliches Verhalten. «Der zentrale Faktor, der Menschen glücklich macht, ist die Liebe», sagt Sollberger. Oder, wie Mangelsdorf es formuliert: «Tiefe menschliche Verbindung» sei einer der stärksten Einflussfaktoren.
Kann ich Glücklichsein üben? «Ja, auf jeden Fall», sagt Bernhard Sollberger. Glück sei eng mit Dankbarkeit verknüpft. «In Studien konnte man zeigen, dass Leute, die Dankbarkeitstagebücher führen, glücklicher sind, als andere. Und sie haben auch weniger körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen.» Auch Freunden regelmässig zu helfen oder einfach schlicht freundlich zu sein gegenüber Mitmenschen helfe beim eigenen Glücklichsein. Doch entscheidend sei, sich selbst gut zu kennen und zu wissen, was einem denn fehlt zum Glück. «Was will ich im Leben erreichen? Wer das weiss, kann dann auch entsprechende Schritte unternehmen.»
Welche Rolle spielt Social Media? Auch soziale Medien spielen im Weltglücksbericht 2026 eine Rolle. Ihr Einfluss auf das Wohlbefinden wird zunehmend untersucht – mit gemischten Ergebnissen. «Man kann nicht per se sagen, Social Media ist schlecht», sagt Mangelsdorff. Entscheidend seien Dauer, Art der Nutzung und das soziale Umfeld. Moderate Nutzung könne verbinden, exzessives, passives Scrollen dagegen eher belasten.