Frühmorgens, der Himmel ist schiefergrau. Antilopen stehen am Weg, eine Hyäne kehrt von der nächtlichen Tour zurück, und am Wasserloch löscht eine Elefantenfamilie ihren Durst. Ein magischer Anblick, einer von vielen im Kruger-Park, Südafrikas grösstem Park.
Drei Fahrzeuge haben auf der Strasse neben dem Wasserloch angehalten, den Motor stellt niemand ab. Als die Elefantenkühe mit ihrem Kleinen in der Mitte sich Richtung Strasse aufmachen, weicht niemand zurück. Bis sich ein Elefant mit bedrohlich ausgestellten Ohren auf ein Auto zubewegt.
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Bild 1 von 5. Der Nationalpark umfasst eine Fläche, halb so gross wie die Schweiz, zum Schutz von wilden Tieren. Bildquelle: SRF / Cristina Karrer.
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Bild 2 von 5. Der Kruger-Park ist seit hundert Jahren ein Paradies für Tiere. Auch 21 verschiedene Antilopenarten leben hier. Bildquelle: SRF / Cristina Karrer.
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Bild 3 von 5. Der Park zeichnet sich durch eine riesige Artenvielfalt aus. Auch über 500 Vogelarten sind hier zu finden. Bildquelle: SRF / Cristina Karrer.
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Bild 4 von 5. Wenn Elefanten die Strasse überqueren, gilt es, Abstand zu halten. Nicht alle halten sich daran. Bildquelle: SRF / Cristina Karrer.
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Bild 5 von 5. Owen Booysen ist ein erfahrener Safariführer. Das Verhalten einiger Tourenfahrer löst bei ihm Kopfschütteln aus. Bildquelle: SRF / Cristina Karrer.
Owen Booysen, ein Safariführer mit 15 Jahren Erfahrung, hat das Ganze beobachtet. «Als sich die Elefanten dem Auto näherten, konnte man den Schweiss an ihren Schläfen sehen, das war Stress. Sie hat ein Junges, sie hat die Ohren ausgestellt und den Schwanz ebenfalls. Damit signalisierte sie dem Fahrer, dass er zu nah ist. Doch er hat sich nicht bewegt», sagt er kopfschüttelnd. Er ist überzeugt, dass es in Zukunft zu mehr Zwischenfällen kommen wird.
Beschränkte Besucherzahl in der Hochsaison
Frühmorgens stauen sich die Autos auch in der Nebensaison vor den Eingangstoren. «Um Overtourism zu vermeiden, gibt es in der Hochsaison eine Quote von 350 bis 750 Besuchern pro Eingang und Tag. Ansonsten haben wir im Park Chaos», erzählt Parkranger Mbuso Mahlalela.
«Viele Besucher respektieren die Tiere nicht, sie lehnen sich zudem aus den Autofenstern oder verrichten ihr Geschäft im Gebüsch. Sie vergessen, dass die wilden Tiere hier frei leben und das kein Zoo ist.»
Eine Schutzzone für wilde Tiere – einst eine revolutionäre Idee
Die Idee für eine Schutzzone für wilde Tiere hatte der einstige südafrikanische Präsident Paul Kruger schon Ende des 19. Jahrhunderts. Er war selbst begeisterter Grosswildjäger und erkannte, dass es bald kein Wild mehr zu jagen geben würde, da vor allem die Elefanten wegen ihres Elfenbeins kurz vor dem Aussterben standen.
Aus seiner ersten Schutzzone entstand später der Kruger-Park, der 1926 offiziell eröffnet worden ist.
Bedrohte Nashörner, zu viele Elefanten
Abgesehen von respektlosen Touristen kämpft der Kruger-Park immer noch gegen die Nashornwilderei. Von den 10'000 im Jahr 2010 haben nur rund 2000 überlebt. Letztes Jahr wurde jeden Tag ein Nashorn gewildert.
Parkranger Mbuso Mahlalela darf sich nicht zu den Details der Wildereibekämpfung äussern. Er sagt nur, dass er trotz aller Schwierigkeiten glaubt, dass sie den Kampf gewinnen werden. «Wir wollen nicht, dass wir diese schönen Tiere eines Tages nicht mehr haben.» Dafür geht es den Elefanten gut.
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Bild 1 von 4. Die Elefanten sind im Park (zu) gut vertreten. 30'000 sind es im Kruger-Park, das sind zu viele. Bildquelle: SRF / Cristina Karrer.
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Bild 2 von 4. Elefanten fressen pro Tag bis zu 300 Kilogramm Vegetation. Bildquelle: SRF / Cristina Karrer.
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Bild 3 von 4. Parkranger Mbuso Mahlalela hofft, dass sie die Nashornwilderei in den Griff bekommen. 2025 wurde im Schnitt täglich ein Nashorn gewildert. Bildquelle: SRF / Cristina Karrer.
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Bild 4 von 4. Ein Denkmal für Paul Kruger, Gründer des Nationalparks und ehemaliger Präsident der Republik Südafrika. Bildquelle: SRF / Cristina Karrer.
Doch auch wenn der Park riesig scheint, 30'000 Elefanten sind zu viel. Safariführer Owen Booysen liebt Elefanten, doch er macht sich Sorgen. Er weist auf Bäume, die von Elefanten entrindet worden sind. «Die Elefanten werden eines Tages alles zerstört haben, denn sie hören mit dem Fressen nicht auf.»
Das gezielte Töten ganzer Elefantenherden sei aber ein grosses Tabu. Darüber würde wohl nachgedacht, aber offen rede niemand darüber. «Dass man in einem Park, der rundherum eingezäunt ist, eine Balance haben muss, überlegt sich keiner der Touristen. Um diese Balance aufrechtzuerhalten, braucht es manchmal Methoden, die einem das Herz brechen. Doch es darf nicht nur an das eine Tier, sondern es muss an alle gedacht werden.»