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250 Jahre USA «America 250»: Der Streit um die Deutung der US-Geschichte

Zum heutigen 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit ringen Konservative und Liberale um die Frage, wie die Geschichte des Landes erzählt werden soll. Zwei Anlässe zeigen, wie weit die Sichtweisen auseinandergehen.

Die Szenen wirken skurril: Soldaten in historischen Uniformen liefern sich in Philippi, im konservativen West Virginia, ein nachgestelltes Gefecht aus dem Bürgerkrieg. Währenddessen stehen Familien und Schaulustige daneben. Die Aufführung erinnert an die Schlacht bei Philippi 1861, als die Südstaaten für den Erhalt der Sklaverei kämpften.

Einiges wird schon ziemlich negativ dargestellt.
Autor: Carl Swick Laiendarsteller

Für Laiendarsteller Carl Swick, der Abraham Lincoln verkörpert, gehört auch die Vermittlung der dunklen Kapitel zur Geschichte dazu. Dennoch meint er: «Einiges wird schon ziemlich negativ dargestellt.»

Streit um Flaggen und Statuen

Nicht zu übersehen ist die Flagge der Südstaaten. Sie gilt vielerorts als Symbol für Sklaverei und Rassismus, wird hier jedoch anders bewertet.

«Gefecht von Phlippi» nachgestellt

Laiendarsteller Richard Varner spricht sich dagegen aus, historische Symbole zu entfernen: «Es passieren schlimme Dinge, aber das ist nun mal unser Erbe. Wir sollten unsere Kinder darüber aufklären. Die Biden-Regierung hat Statuen aus dem Bürgerkrieg und Bronzedenkmäler entfernt. Warum sollte man das wegmachen, nur weil es jemanden beleidigen könnte?»

Trump lässt Sklaverei-Hinweise entfernen

Die Trump-Regierung lässt derweil bundesweit Gedenktafeln entfernen, die an die Sklaverei erinnern. Grundlage ist ein Dekret, das der Präsident im März 2025 unterzeichnete.

Sengende Hitze beeinträchtigt Feierlichkeiten

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Die Vereinigten Staaten von Amerika feiern die 250-jährige Geschichte ihres Landes. An dem ohnehin traditionsreichen Feiertag werden dieses Jahr besonders grosse Feierlichkeiten erwartet: Grössere Partys sind landesweit und in Metropolen wie New York, Boston und Los Angeles angekündigt.

Der heutige Samstag ist der Höhepunkt: Am späten Abend soll es in Washington ein riesiges Feuerwerk geben, das von mehreren Standorten gezündet wird. Es soll einen Weltrekord aufstellen. 850'000 Feuerwerkskörper an zehn Standorten, unter anderem dem Reflecting Pool am Lincoln Memorial sowie in der Nähe des Flusses Potomac, sollen in rund 40 Minuten gezündet werden.

Über den Tag verteilt sollen zudem Kampfjets, Hubschrauber und die Air Force One über Washington fliegen. Nach Veranstalterangaben sind ab kurz nach 13.00 Uhr US-Ostküstenzeit (19.00 Uhr in der Schweiz) mehr als 30 Überflüge geplant. Bereits am Freitagvormittag überschattete der Lärm der Kampfjets das Innenstadtgebiet. Grund dürften letzte Proben gewesen sein.

Was die Feierlaune vieler Menschen wohl beeinträchtigt: Seit Tagen ächzt die US-Hauptstadt unter sengender Hitze um die 40 Grad. US-Präsident Donald Trump hält das nicht ab – im Gegenteil: Er will «eine richtig lange Rede halten, nur um zu zeigen, dass ich alles schaffen kann», hatte er in dieser Woche angekündigt. Sein Auftritt ist für 21.45 Uhr US-Ostküstenzeit (Sonntag, 3.45 Uhr MESZ) geplant. Für den Vormittag ist bereits eine grosse Parade in der Stadt wegen der extremen Hitze abgeblasen worden.

Die New Yorker Historikerin Amanda Bellows sieht darin einen Verlust für die Gesellschaft. Konservative stellten die US-Geschichte häufig als Erfolgsgeschichte dar und blendeten problematische Aspekte wie Sklaverei, Rassentrennung, Frauenrechte oder die Geschichte indigener Völker eher aus. Liberale wiederum rückten diese Freiheitskämpfe ins Zentrum der nationalen Debatte.

Im Jubiläumsjahr treten diese unterschiedlichen Sichtweisen besonders deutlich hervor.

Erinnern an dunkle Kapitel

Unter dem Motto «America 250» finden im ganzen Land Gedenkveranstaltungen statt. In Long Island in New York erinnert Laiendarsteller Kevin C. Chapman Jr. an schwarze Soldaten, die im Unabhängigkeitskrieg an der Seite weisser Amerikaner für die Freiheit kämpften.

Die Erfahrungen seiner heute 83-jährigen Grosstante mit der Rassentrennung in Alabama machten deutlich, wie nah diese Vergangenheit noch immer sei: «Sie erinnert sich daran, dass sie nicht aus demselben Brunnen trinken und nicht in dieselben Restaurants gehen durfte wie die Weissen. Und dass Mitglieder des Ku-Klux-Klans ihren Vater schikanierten. Uns wurde beigebracht, wachsam zu bleiben. Wir können vergeben, aber nicht vergessen. Das wäre dumm», sagt Chapman Jr.

«Benjamin Franklin wäre sehr enttäuscht»

Auch Barry Stevens, der seit über 20 Jahren Gründervater Benjamin Franklin darstellt, zieht eine Verbindung zur Gegenwart. Franklin habe betont, dass die Republik nur erhalten bleibe, wenn sich die Bürger aktiv für sie einsetzten. Stevens sieht diese Verantwortung gefährdet und kritisiert Präsident Trump scharf. Die Regierung müsse dem Volk dienen und von den Bürgern kontrolliert werden.

Wenn Franklin heute auf unser Land schauen würde, wäre er sehr enttäuscht.
Autor: Barry Stevens Laiendarsteller

Das System der gegenseitigen Kontrolle der Gewalten sei ein Grundpfeiler der amerikanischen Demokratie: «Die Macht geht vom Volk aus und nicht von einem König. Wenn Franklin heute auf unser Land schauen würde, wäre er sehr enttäuscht.»

10 vor 10, 03.07.2026, 21:50 Uhr

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