Die Szenen wirken skurril: Soldaten in historischen Uniformen liefern sich in Philippi, im konservativen West Virginia, ein nachgestelltes Gefecht aus dem Bürgerkrieg. Währenddessen stehen Familien und Schaulustige daneben. Die Aufführung erinnert an die Schlacht bei Philippi 1861, als die Südstaaten für den Erhalt der Sklaverei kämpften.
Einiges wird schon ziemlich negativ dargestellt.
Für Laiendarsteller Carl Swick, der Abraham Lincoln verkörpert, gehört auch die Vermittlung der dunklen Kapitel zur Geschichte dazu. Dennoch meint er: «Einiges wird schon ziemlich negativ dargestellt.»
Streit um Flaggen und Statuen
Nicht zu übersehen ist die Flagge der Südstaaten. Sie gilt vielerorts als Symbol für Sklaverei und Rassismus, wird hier jedoch anders bewertet.
«Gefecht von Phlippi» nachgestellt
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Bild 1 von 4. Ende Mai wurde in Philippi in West Virginia das «Gefecht von Philippi» vom 3. Juni 1861 nachgestellt. Bildquelle: SRF / Roger Aebli.
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Bild 2 von 4. Unionssoldaten treffen dabei auf die zahlenmässig unterlegenen und schlecht ausgerüsteten Südstaatler. Bildquelle: SRF / Roger Aebli.
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Bild 3 von 4. Diese werden letztlich in die Flucht geschlagen. Bildquelle: SRF / Roger Aebli.
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Bild 4 von 4. Die blau gekleideten Unions-Soldaten stehen neben den Zuschauerinnen und Zuschauern, die teils auf Campingstühlen und mit Kinderwagen dem Geschehen beiwohnen. Bildquelle: SRF / Roger Aebli.
Laiendarsteller Richard Varner spricht sich dagegen aus, historische Symbole zu entfernen: «Es passieren schlimme Dinge, aber das ist nun mal unser Erbe. Wir sollten unsere Kinder darüber aufklären. Die Biden-Regierung hat Statuen aus dem Bürgerkrieg und Bronzedenkmäler entfernt. Warum sollte man das wegmachen, nur weil es jemanden beleidigen könnte?»
Trump lässt Sklaverei-Hinweise entfernen
Die Trump-Regierung lässt derweil bundesweit Gedenktafeln entfernen, die an die Sklaverei erinnern. Grundlage ist ein Dekret, das der Präsident im März 2025 unterzeichnete.
Die New Yorker Historikerin Amanda Bellows sieht darin einen Verlust für die Gesellschaft. Konservative stellten die US-Geschichte häufig als Erfolgsgeschichte dar und blendeten problematische Aspekte wie Sklaverei, Rassentrennung, Frauenrechte oder die Geschichte indigener Völker eher aus. Liberale wiederum rückten diese Freiheitskämpfe ins Zentrum der nationalen Debatte.
Im Jubiläumsjahr treten diese unterschiedlichen Sichtweisen besonders deutlich hervor.
Erinnern an dunkle Kapitel
Unter dem Motto «America 250» finden im ganzen Land Gedenkveranstaltungen statt. In Long Island in New York erinnert Laiendarsteller Kevin C. Chapman Jr. an schwarze Soldaten, die im Unabhängigkeitskrieg an der Seite weisser Amerikaner für die Freiheit kämpften.
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Bild 1 von 5. Der Anlass in Long Island war ein offizieller Anlass von «America 250», einer überparteilichen Organisation, die mit den Feierlichkeiten zum Jahrestag betraut wurde. Bildquelle: SRF / Roger Aebli.
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Bild 2 von 5. In Long Island haben Laiendarsteller ... Bildquelle: SRF / Roger Aebli.
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Bild 3 von 5. ... die vier New Yorker Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung dargestellt. Bildquelle: SRF / Roger Aebli.
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Bild 4 von 5. Ausserdem wurde in verschiedenen Darbietungen auf die Rolle von Indigenen ... Bildquelle: SRF / Roger Aebli.
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Bild 5 von 5. … und von afrikanischer Sklaven im Unabhängigkeitskrieg aufmerksam gemacht. Bildquelle: SRF / Roger Aebli.
Die Erfahrungen seiner heute 83-jährigen Grosstante mit der Rassentrennung in Alabama machten deutlich, wie nah diese Vergangenheit noch immer sei: «Sie erinnert sich daran, dass sie nicht aus demselben Brunnen trinken und nicht in dieselben Restaurants gehen durfte wie die Weissen. Und dass Mitglieder des Ku-Klux-Klans ihren Vater schikanierten. Uns wurde beigebracht, wachsam zu bleiben. Wir können vergeben, aber nicht vergessen. Das wäre dumm», sagt Chapman Jr.
«Benjamin Franklin wäre sehr enttäuscht»
Auch Barry Stevens, der seit über 20 Jahren Gründervater Benjamin Franklin darstellt, zieht eine Verbindung zur Gegenwart. Franklin habe betont, dass die Republik nur erhalten bleibe, wenn sich die Bürger aktiv für sie einsetzten. Stevens sieht diese Verantwortung gefährdet und kritisiert Präsident Trump scharf. Die Regierung müsse dem Volk dienen und von den Bürgern kontrolliert werden.
Wenn Franklin heute auf unser Land schauen würde, wäre er sehr enttäuscht.
Das System der gegenseitigen Kontrolle der Gewalten sei ein Grundpfeiler der amerikanischen Demokratie: «Die Macht geht vom Volk aus und nicht von einem König. Wenn Franklin heute auf unser Land schauen würde, wäre er sehr enttäuscht.»