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Legende: Video Bergung der verlorenen Container wird Monate dauern abspielen. Laufzeit 03:56 Minuten.
Aus 10vor10 vom 07.01.2019.
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281 Container der MSC Zoe Milliardenwerte an Frachtgut gehen jährlich über Bord

Der Hochseefrachter MSC Zoe hat im Sturm Container verloren. Dies ist kein Einzelfall.

Am 2. Januar hat der Frachter MSC Zoe einer Schweizer Reederei im niederländischen Wattenmeer nach einem Sturm 281 Container verloren. Dieser Unfall zeigt die andere Seite des globalen Handels. Und die MSC Zoe ist kein Einzelfall. In den vergangenen fünf Jahren wurde Frachtgut auf Containerschiffen im Wert von sieben Milliarden Franken vernichtet.

Ein Hochseefrachter wie die MSC Zoe kann mit seiner Länge von fast 400 Metern 19’200 Container laden. Anfang Jahr brachten fünf Meter hohe Wellen den Frachter in Schwierigkeiten. Während des Sturms fielen 281 Container ins Wattenmeer und wurden vor der Insel Terschelling angeschwemmt.

Immer wieder Verluste

Hochsee-Container werden auf den Frachtern aufeinandergesetzt und an den Ecken mit sogenannten «Twist Locks» verriegelt. Ab dem Hafen Rotterdam, für den Transport auf hoher See, werden die Container dann noch zusätzlich mit Querverstrebungen gesichert.

Heinz Amacker, Chef der Speditions-Firma Danser, bestätigt, dass das Beladen von Hochsee-Frachtern oft unter grossem Zeitdruck erfolgt. Bei der MSC Zoe könne es durchaus sein, dass vielleicht eine Sicherung nicht sauber gemacht worden sei. «Aber in der Regel fahren tausende Container-Schiffe auf den Weltmeeren und auch in schwerer See, wo eigentlich nie oder fast keine Container verloren gehen», sagt Amacker.

Sieben Milliarden Franken Frachtverlust

Andere Zahlen kennt die internationale Frachtschiffindustrie: Rund 6000 Schiffe fahren pro Jahr mit 130 Millionen Containern um die Welt. Davon stürzen rund 1600 Container ins Meer. Für verlorene und zerstörte Container und Fracht bezahlten Versicherungen in den vergangenen fünf Jahren sieben Milliarden Franken.

Die Gründe lägen zuerst bei der Grösse der Schiffe, die heute gebaut würden, sagt René Kobelt, Chef Schadenversicherung der Allianz Global: «Alle Konsumenten wollen so billig wie möglich einkaufen. Das heisst, auf so einem Container-Schiff will man so viel Container wie möglich laden, damit die Fracht pro Container billiger wird. Das bedeutet, diese Schiffe sind so gross wie technisch nur irgendwie möglich. Und deshalb kann auch ein entsprechend grosser Schaden passieren.»

Zerstörter Container.
Legende: 281 Container hat der Frachters MSC Zoe im niederländischen Wattenmeer verloren. SRF

Gravierende Umweltverschmutzungen

Kommt es zu Unfällen mit Frachtschiffen, sind die Auswirkungen auf die Umwelt massiv. 2011 fuhr der Frachter Rhina vor Neuseeland auf ein Riff und sank. Zwei Jahre später brach der Super-Frachter MLO Comfort im Indischen Ozean mit 4300 Containern entzwei.

Die Umweltorganisation Greenpeace fordert darum, dass die Weltöffentlichkeit auf das Problem aufmerksam wird. Denn jeden dritten Tag laufe irgendwo auf der Welt ein Frachtschiff auf Grund, sagt Yves Zenger, Umweltexperte bei Greenpeace: «Da fliessen riesige Mengen Öl ins Meer. Container gehen verloren, die zum Teil hochgiftige Chemikalien enthalten.»

Die Reedereien müssten viel mehr zur Verantwortung gezogen werden, etwa, indem sie Peilsender an ihre Container anbringen müssten, so Zenger.

Für Reedereien kommt eine Ausrüstung der rund 30 Millionen zirkulierenden Schiffscontainer mit GPS-Tracker nicht in Frage. Die betroffene Reederei MSC nahm zum Unglück nur schriftlich Stellung. Das Unternehmen beteuert, dass es die Strände der niederländischen und deutschen Inseln im Wattenmeer restlos vom Strandgut säubern wolle.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Stephanie von Walterskirchen (SVW)
    ist SRF sich sicher dass es nur 16.000 Containerschiffe sind? laut "umweltnetz-schweit " sind es rund 90 000. Offenbar breche jeder 3. TAg ein Schiff entzwei. Wiso? Diese Dieselmotore seine die dreckigsten ,verbrennen hoch giftiges Schweröl wo keiner es sehen kann? Ausserdem was ist die Wirkung auf die Meeresbewohner? Invasive Arten, Vergiftungen, Schallwellen? Wie gross ist nun effektiv der Umweltschaden? Gibt es saubere Containerschiffe? Wie sieht die Zukunft aus? Wer kümmert sich darum?
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    1. Antwort von Henriette Rub (ehb)
      @SVW, sogar die meisten der blendendweissen Kreuzfahrtschiffe verbrennen noch Schweröl. Eine saubere Sache für den nächsten Urlaub?
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    2. Antwort von jean-claude albert heusser (jeani)
      Fakt ist die Hochseeschiffahrt ist das "dreckigste und umweltzerrstöriste Verkehrsmittel"! Und was da zum Teil so alles im Meer entsorgt wird "stink zum Himmel" und wissen darf es auch niemand!
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Es ist enttäuschend wie sorglos und unverantwortlich die Reedereien mit den verloren Frachten im Meer umgehen, besonders wenn Öl und hochgiftige Chemikalien auf dem Meer verloren gehen. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind massiv. Je mehr das geschieht umso mehr wird das Ökosystem strapaziert, mitunter die Meeresbewohner, Korallen, Fische etc. Der Mensch macht so lange weiter bis es zum Kollaps auf dem blauen Planeten kommt. Wer wird dann verantwortlich sein? Alle die davon profitierten!
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  • Kommentar von Ueli Lang (Wochenaufenthalter)
    Im Jahr schippern so ca. 130 Mio Container durch die Weltgegenden. Davon stürzen ca. 1600 ins Meer. Das sind faktisch Promille von Promillen ... Vor uns haben wir kein Problem, sondern ein Miniproblemchen .... Ist so ähnlich mit der Plastikhysterie, auch da bewirtschaften bestimmte Kreise die herbeigeredete Krise. Dafür verbietet dann die EU die Trinkhalme, das bringt dann sehr viel, vor allem, weil ungebildete Menschen in Drittweltländern einfach ihren Plastik im Fluss zum Meer entsorgen.
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    1. Antwort von Stefan Huwiler (huwist)
      Die ungebildeten Menschen sind nicht nur in Drittweltländern zu finden. Es gibt auch hier Leute, die glauben es gäbe keine Klimaerwärmung oder die längst katastrophale Plastikschwemme in den Meeren als erfundene Plastikhysterie bezeichnen.
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    2. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      U.Lang, Drittweltländer? Siehe Ufer unserer Flüsse, Bäche, Seen, Grasstreifen an Autobahnen und Siedlungen, Wälder und Pärke, wo auch immer, solch unerzogene, gleichgültige, skrupellose Schweinigel finden sie zumindest genauso unter "gebildeten" Leuten unserer Erstweltländer. Ca 70-100'000m3/Jahr über Bord geworfener Müll von Passagierschiffen und Frachtern, verteilen sich allein in der Nordsee (SRF 22.9.15). Ein solches Schiff schluckt min 50t Billigschweröl/Tg, Sondermüll, auf See verbrannt.
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