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Legende: Audio Grosses Aufräumen auf der Watteninsel Schiermonnikoog abspielen. Laufzeit 05:12 Minuten.
05:12 min, aus Echo der Zeit vom 06.01.2019.
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Aufräumen auf den Watteninseln Verlorene Container verschmutzen die Umwelt

Die Greifzange ist schon auf der Fähre zur Insel Schiermonnikoog bereit zum Einsatz. Tausende freiwillige Helferinnen und Helfer haben in den letzten Tagen beim Säubern der verschmutzten Strände der vier betroffenen Watteninseln mitgeholfen. Ein Frachter der Schweizer Reederei MSC hatte letzte Woche in einem Sturm 277 Container verloren. Der Inhalt eines Teils dieser «Megadosen» überschwemmt nun die Strände der Watteninseln.

Bauern bringen die Freiwilligen an den Strand.
Legende: SRF/Elsbeth Gugger

Wie der Rest der Bevölkerung helfen die Bauern tatkräftig mit. Pausenlos füllen sie ihre Anhänger: wenn sie aus dem Dorf kommen mit Müllsammlern, und auf dem Rückweg mit dem zusammengetragenen Unrat, der an einer zentralen Stelle in der Nähe des Dorfes gestapelt wird.

Denzel, Freiwillige Feuerwehr
Legende: SRF/Elsbeth Gugger

Der 21-jährige Denzel ist Mitglied der freiwilligen Feuerwehr im 200 Kilometer entfernten IJsselstein. Für ihn und seine Truppe sei es Ehrensache, den Inselbewohnern zu helfen, sagt er. Deshalb fasste auch er beim Aufgang zum Strand einen blauen Kehrichtsack. Tatsächlich ist die Solidarität enorm. Viele Freiwillige kommen regelmässig auf «Schier», wie die Insel im Volksmund heisst, in die Ferien. Sie fühlen sich quasi verpflichtet «ihre» Insel zu säubern. Aber auch die Transportgesellschaften machen mit: So ist der Bus-Transport von den Bahnhöfen zur Schiffsanlegestelle gratis. Und die Fähre kostet für Aufräumer nur die Hälfte.

Gerda
Legende: SRF/Elsbeth Gugger

Gerda (45) ist zwar auf Schiermonnikoog aufgewachsen, aber sie lebt seit langem auf dem Festland. «Es hat hier soviel Unrat, du weisst gar nicht, wo du mit Aufräumen beginnen musst», seufzt sie. Und fügt mit einem Blick auf die Unmengen an Plastik-Seifenspender: «Wer braucht denn so etwas?»

Arjen
Legende: SRF/Elsbeth Gugger

Arjen ist ein echter Schiermonnikooger und seit Mittwoch früh im Einsatz. Zuerst, als er Autopneus und Gartenstühle am Strand fand, ging es ihm ums «Jutten», um die unter Insulanern sehr beliebte Tätigkeit des Strandgutsammelns. Aus dem Spass wurde aber bald ernst: «Als ich am Morgen den ganzen Gerümpel auf dem Strand sah, schossen mir die Tränen in die Augen», sagt der 35-Jährige. Ein solcher Anblick sind sich die gut 900 Einwohnerinnen und Einwohner der östlichsten der fünf (bewohnten) niederländischen Watteninseln nicht gewohnt – schliesslich ist Schiermonnikoog ein Nationalpark.

Container
Legende: SRF/Elsbeth Gugger

Die angeschwemmten Container sind häufig beschädigt. Eines dieser «Wattenmahnmale» hat eine lädierte Türe. Bei einer Inspektion stellten die Behörden fest, dass sich darin eine ganze Ladung OP-Kleidung befindet. Wann das Ungetüm geborgen wird, steht noch nicht fest. Die Insel-Bürgermeisterin wartet auf die Schweizer Reederei MSC, die die Verantwortung für das Unglück trägt. MSC hat erklärt, für die Räumungskosten aufzukommen.

Soldaten am Strand von Schiermonnikoog.
Legende: SRF/Elsbeth Gugger

Um dem angeschwemmten Gerümpel Herr zu werden, rief die Gemeinde die Armee zu Hilfe, die bis Sonntagabend mit 100 Mann beim Aufräumen am Strand half.

Der Kehrichtberg nach einem Tag.
Legende: SRF/Elsbeth Gugger

Der Kehrichtberg nach einem Tag.

Zahlreiche Menschen und ein Bagger sammeln Müll am Strand der Watteninsel Schiermonnikoog.
Legende: SRF/Elsbeth Gugger

Alt und Jung sammelt mit vereinten Kräften.

Mehrere Personen sitzen an Tisch mit einem gefundenen Schemel darauf.
Legende: SRF/Elsbeth Guggger

Müde, aber zufrieden kehren die Aufräumer nach getaner Arbeit mit der Fähre zurück. Manche haben sich auch als «Jutter» betätigt und als Erinnerung einen Schemel vom Strand mitgenommen. «Er ist hässlich, aber er wird uns immer an diese Tage erinnern», sagt eine Frau.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Leo Degelo (Leo Degelo)
    Schön konnten wir dank der Tiefsteuerpolitik so wertvolle Firmen wie MSC und Glencore bei uns ansiedeln. Sie tragen die Werte der Schweiz die in die ganze Welt! :(
    Ironie off: Ich schäme mich!! Was haben wir für ein System?
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  • Kommentar von Lisa Kaufmann (Li.sa)
    Die Herkunft der Reederei spielt eigentlich keine Rolle, die Schande ist, dass offensichtlich schlecht gearbeitet wird und die Reederei nicht Hilfe leistet vor Ort. Ein grosser Dank den freiwilligen Helfer/innen! Es bleibt zu hoffen, dass die Natur nicht nachhaltig Schaden nimmt. Wir alle können unser Konsumverhalten überdenken und wo nötig anpassen.
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  • Kommentar von Ursula Jost (Uschi)
    Die Reederei ist ursprünglich italienisch, hat aber ihren Sitz nach Genf verlegt. So kommen wir Schweizer in den zweifelhaften "Genuss" uns wegen der Havarie und der Verschmutzung der Watteninseln anfreunden zu lassen. Wie für Italien üblich, bleibt man gerne aussen vor...
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    1. Antwort von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
      Das ist ein kleiner Preis den die Schweiz dafür bezahlen muss, dass sie mit Steuererleichterungen 1000ende Firmen ins Land holt. Viele davon Briefkastenfirmen die noch nicht einmal Arbeitsplätze generieren. Da wird noch vieles in diesem Stil auf die Schweiz zu kommen.
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