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800'000 US-Beamte ohne Lohn Wen der Verwaltungsstillstand wirklich trifft

Das Seilziehen zwischen US-Präsident Trump und dem Kongress geht weiter. Das bringt einfache Angestellte in arge Nöte.

Legende: Audio USA: Ausbleibender Lohn bringt viele in Bedrängnis abspielen. Laufzeit 03:45 Minuten.
03:45 min, aus Rendez-vous vom 03.01.2019.

In den USA steht seit 13 Tagen ein Teil der Verwaltung still. Denn im Streit um eine Grenzmauer zu Mexiko konnten sich Präsident Donald Trump und der Kongress noch immer nicht auf eine Finanzierungsvorlage einigen.

Für die rund 800'000 Beamten, die derzeit keinen Lohn erhalten, wird die Situation immer ungemütlicher. Denn viele wissen nicht, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen. Betroffen vom Verwaltungsstillstand sind aber noch weitere Personen.

Appell an den Präsidenten

Viele Angestellte in den USA leben von der Hand in den Mund. Meist dient der vierzehntägliche Lohn dazu, die Schulden der letzten zwei Wochen zu begleichen. Zum Beispiel bei Kelly Garcia, die neben ihrem Studium bei der Küstenwache arbeitet. «Ich bin Vollzeitstudentin und lebe von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck», erklärt sie ihre Situation.

Tanger LeGraves, Therapeutin in einer Strafanstalt in Williamsburg wandte sich auf CNN denn auch gegen Präsident Trump: «Er muss realisieren, dass die Beamten auch Familien haben, die auf ihre Löhne angewiesen sind.» Es sei stossend, dass die Entscheidungsträger bezahlt würden, während sie ohne Lohn arbeiten müssten.

Der Ehemann von Angela Cabana arbeitet bei der Flugsicherung. Der Lohn-Scheck von Ende Dezember ist ausgeblieben. Angela erhoffte sich von der Kreditkartenfirma einen Aufschub beim Schuldenabzahlen.

Der Lohn kommt – aber oft zu spät

Die US-Beamten werden ihre ausgebliebenen Löhne nach dem Ende des Verwaltungsstillstands aller Voraussicht nach zwar ausbezahlt bekommen. Aber die Kreditkartenfirma lehnte einen Zahlungsaufschub ab, schilderte Angela Cabena einem ABC-Journalisten.

Ich habe mir sogar überlegt, ob ich meine Weihnachtsgeschenke verkaufen soll.
Autor: Lori McCannBeamtin beim Arbeitsministerium

Lori McCann, Beamtin beim Arbeitsministerium, steht vor schwierigen Entscheidungen. Kürzlich wurde ihr ein künstliches Kniegelenk eingesetzt. Nun benötigt sie Physiotherapie. Aber dafür reicht das Geld nun nicht mehr, da der Lohn ausbleibt, sagte sie in einem Fernseh-Interview: «Ich habe mir sogar überlegt, ob ich meine Weihnachtsgeschenke verkaufen soll.»

Die «Contractors» trifft es besonders hart

Noch aussichtsloser ist die Situation für viele sogenannte «Contractors», das heisst: Firmen und Einzelpersonen, die Arbeiten für den Staat ausführen. Auch sie erhalten kein Geld mehr und dürfen auch nicht hoffen, nachträglich entschädigt zu werden.

Jaime Contreras, Vizepräsident der Contractors-Gewerkschaft SEIU, erklärte auf dem Radiosender NPR, welche Konsequenzen der Verwaltungsstillstand für seine Mitglieder hat: «Einige müssen Geld bei Verwandten leihen, bei der Bank einen Zahlungsaufschub beantragen – aber dies führt zu Strafgebühren und Verzugszinsen.»

Getroffen werden vor allem diejenigen, die schon in normalen Zeiten kaum über die Runden kommen.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Soltermann (ps)
    Die 800'000 Beamten sind gewiss nur die Spitze des Eisberges aller Betroffenen, denn diese Leute haben ja etwas produziert was zum funktionieren eines Landes von groesster Bedeutung ist. Wenn ein Land aber nicht funktioniert, wozu dient dann ueberhaupt eine Regierung welche genau dazu da ist um das oeffentliche Leben sicher zu stellen? Mit dem Kopf durch die Wand gehen zu wollen ist einem Praesidenten hoechst unwuerdig.
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  • Kommentar von Marianne Berger (Marianne)
    Gute Idee unterstütze ich voll !
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  • Kommentar von Peter Holzer (Peter Holzer)
    Der Herr Präsident machte erhobenen Hauptes ein Wahlversprechen, dass die US Bürger keinen Cent für die Mauer berappen werden müssen. Jetzt sperrt er ihnen sogar den Lohn, damit sie gezwungen werden die Mauer zu bezahlen. Was für ein krankes System!
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Vorschnelle Verurteilung Ihrerseits: kann nämlich gut sein, dass Trump die Kosten auf anderem Wege wieder einspielt (Zölle, Kosteneinsparungen durch weniger illegale Einwanderer usw.). Die Geschichte ist weder für Trump noch für seine Gegner vorteilhaft. Nur bzw. v.a. Trump zu kritisieren greift hier zu kurz.
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