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Legende: Audio Wie rettet man die Ozeane? abspielen. Laufzeit 04:11 Minuten.
04:11 min, aus Rendez-vous vom 05.04.2019.
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Abkommen zum Schutz der Meere Die hohe See als letztes Eldorado

2020 will die UNO ein Abkommen verabschieden, um die Ozeane zu retten. Das ist ehrgeizig – aber dringend notwendig.

Die hohe See ist ein Wilder Westen. So sieht es die Meeresbiologin Sandra Schöttner: «Jeder bedient sich, so wie er es braucht.» Sie nimmt für die Umweltorganisation Greenpeace an den UNO-Verhandlungen zum Schutz der Ozeane teil.

Sibylle Vermont vom Bundesamt für Umwelt wiederum spricht von der letzten Grenze der Menschheit. «Viele sehen die Meere als letztes Eldorado – den letzten Teil der Erde, den man noch ungehindert ausplündern oder auch zumüllen kann.» Vermont verhandelt für die Schweiz in New York.

Toter Vogel am Strand
Legende: Überfischung und Umweltverschmutzung bedrohen die Ozeane: Die Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon 2010 im Golf von Mexiko tötete unzählige Lebewesen. Keystone

Die einen gehen davon aus, dass kein Land irgendwas zu sagen hat, die andern dagegen, dass die hohe See allen gehört und alle dort tun dürfen, was sie wollen. «Das Ergebnis ist erschütternd: Die Ozeane sind akut bedroht, wie immer mehr wissenschaftliche Daten beweisen», so Vermont.

Rasches Handeln ist angesagt

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres spricht von einer ganz besonderen Beziehung zwischen Mensch und Meer. Nur dank dem Meer könnten wir leben. Doch diese besondere Beziehung sei unter Druck wie nie zuvor.

Immerhin ist nun der Schutz der Ozeane auf der internationalen Agenda nach oben gerückt. Zumindest offiziell sind sich alle UNO-Mitgliedländer einig: Man muss rasch handeln. Es braucht – genauso wie für den Klimaschutz – ein rechtsverbindliches UNO-Abkommen.

Das könnte im Ozeanabkommen stehen

  • Es sollen Schutzzonen definiert werden, in denen keine wirtschaftliche Ausbeutung erfolgt.
  • Generell sollen für jegliche Nutzung Umweltverträglichkeitsprüfungen vorgeschrieben werden.
  • Auch sollen Regeln für die Nutzung der genetischen Ressourcen geschaffen werden; diese beträfen die Ozeane, Pflanzen und Tiere, die für die Pharma- und Kosmetikindustrie wichtig sind.

Doch darüber, wie griffig, wie umfassend das Abkommen sein soll, gehen die Meinungen weit auseinander. «Einzelne Länder versuchen, den Status quo eher zu zementieren, als eine echte Lösung zu finden», sagt die Greenpeace-Vertreterin Schöttner.

Wenn die USA, China oder Russland am Tisch sitzen um dieses Abkommen zu verwässern, ist niemandem geholfen.
Autor: Sandra SchöttnerGreenpeace

Sie meint nicht zuletzt die Grossmächte: «Wenn die USA, China oder Russland am Tisch sitzen um dieses Abkommen zu verwässern, ist niemandem geholfen.» Umstritten ist etwa die Grösse der Schutzzonen: Manche Regierungen möchten sie auf zehn Prozent der Meeresfläche begrenzen, Umweltorganisationen drängen auf mindestens dreissig Prozent.

Schweiz will beim Schutz mitreden

Für ehrgeizige Ziele tritt unter anderen die Schweiz ein. Obschon Binnenland, wolle sie das Tun und Lassen auf den Weltmeeren nicht einfach den Meeresanrainerstaaten überlassen, sagt Vermont.

«Die hohe See gehört allen Ländern, die Schweiz will bei deren Nutzung und Schutz mitreden», so die Schweizer Unterhändlerin. Ja, man müsse sogar mitreden: In der Verfassung ist festgehalten, dass die Schweiz zum Schutz der natürlichen Ressourcen weltweit beiträgt.

Das Ziel der Unterhändler ist ehrgeizig: Schon nächstes Jahr soll ein UNO-Ozeanabkommen unterzeichnet werden. «In zehn, zwanzig Jahren brauchen wir es wahrscheinlich nicht mehr zu versuchen. Die Ökosysteme im Meer sind jetzt schon schwer im Stress», so Schöttner.

Wir wollen keinen Papiertiger. Wir wollen einen Tiger mit Zähnen.
Autor: Sandra SchöttnerGreenpeace

Vermont sieht zwar auch gute Fortschritte, hat aber Zweifel, ob 2020 alles unter Dach und Fach ist. Zumal manche Länder für ein solches Abkommen Einstimmigkeit fordern. Was hiesse: Es würde auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben. Es kommt aber nicht nur aufs Tempo an, sondern ebenso auf die Substanz: «Wir wollen keinen Papiertiger. Wir wollen einen Tiger mit Zähnen», so Schöttner.

Die nächsten Verhandlungsrunden werden hart sein. Die Beteiligten sind zwar zuversichtlich, doch es bleiben hohe Hürden, bevor die Rettung der Ozeane tatsächlich realistisch wird.

Legende: Video Meeressäuger mit Plastik im Bauch abspielen. Laufzeit 00:40 Minuten.
Aus SRF News vom 04.02.2019.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Treibender Plastik wird auch zur tödlichen Falle, wenn sich junge Meerestiere in Kunststoffteilen verheddern, die sie langsam erdrosseln, während sie heranwachsen. Ausgewachsene Tiere ertrinken oft elend, weil ihre Flossen durch Schnüre regelrecht gefesselt werden.Hunderttausende Delphine, Wale, Robben, Schildkröten und sogar Eisbären fallen dem Plastikmüll zum Opfer; die Zahl der verendeten Seevögel geht in die Millionen. Wann endlich fühlt der Mensch sich verantwortlich für dieses Elend?
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Die Fischerei plündert die Weltmeere. Deren Reichtum schien lange Zeit unerschöpflich, eine Illusion, denn Fisch ist nicht in unbegrenzten Mengen vorhanden. Die weltweite Überfischung und Vermüllung der Meere gilt heute als grösste Bedrohungen für die Gesundheit der Meere und das Überleben seiner Bewohner. Auf schreckliche Art verenden Meerestiere, die Plastikteile mit Nahrung verwechseln. Unverdaulicher Müll verstopft ihren Verdauungstrakt. Sie verhungern. Rettung der Ozeane bevor zu spät.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Wenn die Staatschefs und mit ihnen die Bevölkerungen jetzt immer noch nichts einsehen, dann sind sie viel Dümmer als ich vermutet habe. Dann ist es auch nicht schade, dass der Mensch von der Bildfläche verschwindet. Der ganze Reichtum wird nichts nützen. Die einzigen Menschen die überleben werden sind die Urvölker, weil diese wissen, mit der Natur zu leben.
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