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Absturz von Lion-Air-Maschine «Indonesische Billig-Airlines geben sich Mühe bei der Sicherheit»

Legende: Audio Agius: «Die Gefahr ist sicher nicht grösser oder kleiner als bei anderen Fluggesellschaften» abspielen. Laufzeit 04:25 Minuten.
04:25 min, aus SRF 4 News aktuell vom 30.10.2018.

Die Billig-Fluggesellschaften stehen wieder im Fokus – diesmal vor allem jene in Asien. Grund ist der Absturz eines Flugzeugs der Billig-Airline Lion Air in Indonesien mit mehr als 180 Menschen an Bord. Das weckt Ängste. Zu Unrecht, sagt Aviatik-Experte William Agius.

William Agius

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Agius ist stellvertretender Leiter des Zentrums für Aviatik an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

SRF News: Der Markt der Billigflieger in Indonesien ist hart umkämpft. Wird dabei die Sicherheit der Airlines vernachlässigt?

William Agius: Die Billig-Fluggesellschaften sind sich der Tatsache bewusst, dass es Bedenken gibt. Deshalb geben sie sich Mühe bei der Sicherheit. Man kann das deshalb sicher nicht so verallgemeinernd beantworten.

Die Gefahr ist sicher nicht grösser oder kleiner als bei anderen Fluggesellschaften.

Die Fluggesellschaft Lion Air gibt es seit fast zwanzig Jahren. Sie besitzt rund hundert Maschinen. Sie ist stark gewachsen, die Gewinnmarge ist klein. Besteht da nicht die Gefahr, dass die Sicherheit darunter leidet?

Die Gefahr ist sicher nicht grösser oder kleiner als bei anderen Fluggesellschaften. Sie haben aber recht, Lion Air ist in den letzten Jahren sehr schnell, sehr stark gewachsen. Das führt sicher sehr häufig zu operationellen Engpässen, die auch Verspätungen verursachen – aber nicht, weil die Flugzeuge nicht sicher sind. Sondern einfach, weil zeitweise vielleicht nicht genügend Flugzeuge oder Besatzungen vorhanden sind, um den Flugplan einzuhalten.

Lion Air ist eine der indonesischen Airlines, die von der Europäischen Union 2007 auf eine Schwarze Liste gesetzt wurde. Heisst: Sie durfte nicht mehr nach Europa fliegen. Heisst das nicht, dass mindestens die EU Sicherheitsbedenken gehabt hat?

Man muss hier präzisieren. Es ist tatsächlich so, dass Indonesien 2007 auf der Schwarzen Liste der EU gelandet ist. Man muss aber auch sagen, dass es nicht einzelne Airlines waren, sondern es waren alle Fluggesellschaften Indonesiens. Es wurde als ganzes Land auf die Schwarze Liste gesetzt. Die EU gab Sicherheitsbedenken an, die nicht angemessen adressiert wurden.

Man hat beschlossen, ganz Indonesien auf die Schwarze Liste zu setzen.

Welche Sicherheitsbedenken hatte die EU?

Das wurde nicht weiter präzisiert und stützte sich mehr auf verschiedene Vorfälle und Aussagen, die es vor 2007 gegeben hat. Daraufhin hat man beschlossen, ganz Indonesien auf diese Schwarze Liste zu setzen.

Ab 2016 wurde Lion Air und weitere indonesische Fluggesellschaften wieder von der Liste gestrichen. Wurden Sie denn auch tatsächlich sicherer?

Dabei muss man bedenken, dass die EU ein Land oder eine Fluggesellschaft auf die Schwarze Liste setzt, wenn man Bedenken hat, dass diese Fluggesellschaft oder das Flugzeug aus diesem Land die Sicherheit der europäischen Bevölkerung gefährden könnte. Tatsächlich ist es so, dass Indonesien mittlerweile nicht mehr auf der Schwarzen Liste der EU ist.

Aus Indonesien hat im Moment eigentlich nur eine Fluggesellschaft die Kapazität, um überhaupt nach Europa fliegen zu können. Das heisst, der Entscheid, Indonesien von der Schwarzen Liste zu entfernen, basiert eigentlich auf der Feststellung, dass die nationale Fluggesellschaft Garuda für Flüge nach Europa sicher genug sei. Man hat aber nicht jede Fluggesellschaft einzeln untersucht.

Das heisst, die anderen Fluggesellschaften wurden einfach gestrichen, weil sie gar nicht nach Europa fliegen können?

Die Tatsache, dass sie von der Schwarzen Liste der EU entfernt wurden, sagt nur aus, dass sie aus Sicht der EU kein Sicherheitsrisiko für die europäische Bevölkerung darstellen. Wenn das darauf beruht, sie keine Flugzeuge haben, die nach Europa fliegen könen, dann ist das aus Sicht der EU als Grund ausreichend.

Das Gespräch führte Noemi Ackermann.

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