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Ägypten und die drohende Militäroffensive in Libyen
Aus Echo der Zeit vom 25.07.2020.
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Ägyptens Einsatz in Libyen «Natürlich könnte die Lage nun eskalieren»

Ägypten leidet unter der Corona-Pandemie. Das Tourismus-Land ist wirtschaftlich stark angeschlagen, weil in den letzten Wochen und Monaten die Gäste aus dem Ausland weggeblieben sind, und sie auch jetzt bloss vereinzelt anreisen.

Nun hat das Land auch aussenpolitisch einigen Ärger am Hals. Da ist der Streit mit Äthiopien um ein Staudamm-Projekt am Nil. Vor allem aber ist da der Krieg im Nachbarland Libyen, der immer näher an die ägyptische Grenze rückt. Diese Woche hat das Parlament in Kairo einstimmig einen ägyptischen Militäreinsatz in Libyen genehmigt. Karim El-Gawhary über die Intentionen des ägyptischen Militäreinsatzes.

Karim El-Gawhary

Karim El-Gawhary

Journalist

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Der Sohn eines Ägypters und einer Deutschen ist freischaffender Journalist und arbeitet in Kairo.

SRF News: Warum die Militärpläne in Ägypten?

Karim El-Gawhary: Ägypten sieht, dass nur jene auswärtigen Mächte, die in Libyen militärisch selbst präsent sind – wie z.B. die Türkei auf Seiten der Miliz und der Regierung in Tripolis oder eben Russland aufseiten General Haftars im Osten des Landes – auch später am Verhandlungstisch etwas mitzureden haben. Aber sie müssen eben militärisch präsent sein.

Wie würde so ein Einsatz aussehen, wenn er erfolgen würde?

Man geht davon aus, dass es zu Beginn kein riesiger Militäreinsatz sein wird, sondern eher ein Einsatz der ägyptischen Luftwaffe oder der ägyptischen Marine.

Das Kalkül ist, am Ende selbst mit am Verhandlungstisch zu sitzen, wenn es um die Zukunft Libyens geht.

Möglich ist auch, dass ägyptische Truppen über die Grenze gehen und sich 50 Kilometer innerhalb libyschen Bodens bewegen. Das wäre aber ganz weit weg vom jetzigen Kriegsgebiet.

Der Krieg in Libyen dauert seit Jahren, eigentlich seit dem Ende des Gaddafi-Regimes. Warum kommen die Kriegspläne Ägyptens gerade jetzt?

Das Ganze ist für die Ägypter eine Frage der nationalen Sicherheit. Libyen ist ihr unmittelbares Nachbarland und sie machen sich Sorgen. Was geschieht, wenn dort weiter Chaos ausbricht? Wenn z.B. dort Muslimbrüder an der Macht sitzen, sozusagen die grossen Rivalen des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi. All das macht Ägypten Sorgen.

Karte.
Legende: Aktuell mischen in Libyen viele Mächte mit. liveuamap

Das Kalkül ist, am Ende selbst mit am Verhandlungstisch zu sitzen, wenn es um die Zukunft Libyens geht. Jeder weiss, dass sich dieser Konflikt am Ende nicht militärisch lösen wird. Natürlich ist es für Ägypten auch ein Spiel mit dem Feuer. Das Land könnte mit seiner Armee in einen Abnutzungskrieg in Libyen verwickelt werden.

Sie haben es erwähnt: Die Türkei ist involviert, Russland und andere Mächte ebenfalls. Könnte die Lage nun eskalieren?

Ja, natürlich. Es gibt in Libyen sehr viele Köche, welche von aussen sozusagen mitmischen. Wir haben auf der einen Seite die Türkei, welche Tripolis unterstützt.

Auf der anderen Seite sind Ägypten, Russland, aber auch die Arabischen Emirate, die auf Seiten Generals Haftars mitmischen und welche immer wieder neues Material, neue Waffen und neue Söldner in diesen Konflikt schicken und ihn eskalieren lassen.

Libyen ist eine weitere grosse Baustelle in der ägyptischen Aussenpolitik. Wie kommt das bei den Ägypterinnen und Ägyptern an?

Die haben ihre eigenen Probleme. Aktuell dominiert das Problem mit Covid-19 und den wirtschaftlichen Auswirkungen. Wir dürfen nicht vergessen, dass nach den letzten offiziellen Statistiken ein Drittel der ägyptischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze von 1.30 Euro am Tag lebt. Staatliche Medien versuchen nun den Einsatz in Libyen zu pushen. Aber in Wirklichkeit ist es nicht eines der Hauptprobleme der Menschen in Ägypten. Das Hauptproblem sind wirtschaftliche und soziale Fragen.

Das Gespräch führte Beat Soltermann.

Echo der Zeit, 25.7.2020, 18:00 Uhr;

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    @Schlaepfer genau so
    Ist es, Kriege anzetteln, in der ganzen Welt, Waffen liefern und sich maßlos überheblich fühlen. Habe letzthin mit einer Person sprechen können welche über 30 in USA unterrichte
    wie sprachen auch über Russland, die Frau war ganz erstaunt dass hier in Europa nicht jedermann/Frau über Russland und Putin
    Schimpft.richtiges Machtspiel
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  • Kommentar von Christian Szabo  (C. Szabo)
    Die USA hat immer einen Plan. Der angebliche Krieg gegen den Terror ist ein Krieg mittels Terror. Betrachtet man alle Konflikte der letzten Jahrzehnte mit dieser Hypothese, ist fast alles logisch. Die USA agiert und macht Europa immer erpressbarer. Afrika un der Nahe Osten werden immer mehr destabilisiert. Ähnliches passiert nun im Pazisfischen Raum. Und wem nützen alle diese Konflikte mehrheitlich. Das ist Freiheit wie sie die USA der Welt verkaufen. Widerlich und paranoid.
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      C.Szabo, die USA können Kriege anzetteln, Bombardieren, Waffen liefern, Sanktionieren usw. Aber, sie sind die GUTEN die dürfen das, weil sie alle Anderen schlecht machen sind sie die guten Freunde.
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    2. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Wie konsequent dieser Plan ist, zeigt die simple Tatsache, dass immer nur bekannt ist, wen man stürzen muss aber nie, wer denn genau die Regierung übernehmen soll.
      Das Ziel ist nicht Regime-Change sondern Chaos. Es ist einfacher und billiger ein paar wenige Warlords zu bezahlen, als eine ganz Regierung zu bestechen.
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    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Also hier sind jetzt offenbar primär Russland, die Türkei und weitere Staaten aus dem Arabischen Raum aktiv. Aber für Hr. Szabo spielt das keine Rolle, es sind imer die USA die Schuld sind.
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    4. Antwort von Christian Szabo  (C. Szabo)
      @Reuteler: Wer hat Gaddafi zum Abschuss freigegeben? Und damit Libyen in Chaos gestürzt. Ganz bestimmt nicht, um dem libyschen Volk zu helfen. Russland, China, ein europäisches Land...oder ?
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  • Kommentar von Dominique Klein  (DomKe)
    Immer wieder erschreckend zu sehen, wie wenig sich Europa um die Probleme im Vorgarten kümmert.
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Dominique Klein, natürlich kümmert sich Europa. Schliesslich nehmen wir jede Menge Migranten auf.
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    2. Antwort von Peter Zuber  (Hä nuuh)
      Noch mal Blödsinn. Frankreich und Italien mischen mit. Ohne die EU gefragt zu haben. Das ist der eigentliche Skandal.
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    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Naja, Frankreich hat diesen Schlamassel ursprünglich losgetreten. Was meinen Sie übrigens mit kümmern? Noch mehr Waffen dorthin senden, oder was?.
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    4. Antwort von René Baron  (René Baron)
      @Beuteler:
      2018 Hatten allein die USA 195 Millionen Dollar Militärhilfe an Ägypten überwiesen.
      Zitat Human Rights Watch: Im Rahmen des Kontrollverfahrens (Universal Periodic Review) durch den UN-Menschenrechtsrat im November 2019:
      „Die USA leisten weiterhin umfangreiche Militärhilfe an Ägypten und üben äußerst selten Kritik an der Menschenrechtslage. Berichten zufolge soll Präsident Donald Trump sogar al-Sisi bei einem Treffen im August als seinen ‚Lieblingsdiktator‘ gelobt haben“
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