Der russische Oppositionspolitiker Alexei Nawalny ist vor zwei Jahren nicht eines natürlichen Todes gestorben. Er wurde in einem russischen Straflager vergiftet, sagt ein neuer Bericht im Auftrag mehrerer europäischer Staaten. Demnach wurde der Kremlkritiker mit einer Substanz getötet, die in südamerikanischen Pfeilgiftfröschen zu finden ist. Der Mord sei wohl ganz oben in der Hierarchie befohlen worden, sagt SRF-Russlandkorrespondent Calum MacKenzie.
Wer hat Alexei Nawalny umgebracht?
Nawalny befand sich zur Zeit seines Todes in einem Hochsicherheitsgefängnis im hohen Norden Russlands – also unter absoluter Kontrolle des russischen Staates. Das lässt vermuten, dass er von Vertretern ebendieses russischen Staates ermordet wurde. Der russische Inlandsgeheimdienst hatte ja bereits im Jahr 2020 versucht, Nawalny zu vergiften.
Wer hat den Auftrag für den Mord gegeben?
Wir wissen es nicht. Aber die Zeichen deuten darauf hin, dass der Befehl für den Mord von ganz oben gekommen sein dürfte – oder zumindest ganz oben gebilligt wurde. Denn es scheint wieder eine Eliteeinheit des russischen Inlandsgeheimdienst in die Tötung involviert gewesen zu sein. Ausserdem war Nawalny eine derart prominente und politisch bedeutende Figur, dass man kaum ohne den Segen der Chefetage gegen ihn vorgegangen wäre. Das wahrscheinlichste Szenario ist also, dass Wladimir Putin höchstpersönlich die Ermordung Nawalnys befohlen hat.
Wie kommt das Gift eines südamerikanischen Frosches nach Russland?
Um an diesen Giftstoff zu kommen, muss man nicht zwingend in Ecuador oder in Peru Frösche gefangen haben – er lässt sich im Labor künstlich herstellen. Und da gibt es weitere Indizien, die den russischen Staat belasten: Das Froschgift wurde in jenem russischen Forschungsinstitut synthetisiert, in dem auch das Nervengift Nowitschok entwickelt wurde, mit dem Nawalny 2020 vergiftet wurde. Das haben russische Medien aus öffentlich zugänglichen Forschungsberichten erfahren. Einer der beteiligten Wissenschaftler war der stellvertretende Kommandant der Chemieschutztruppen der russischen Armee. Er ist also erwiesenermassen ein Mann, der sich mit chemischen Waffen auskennt.
Welches Mordmotiv hätte der Kreml?
Nawalny führte auch im Gefängnis die Funktion als einigende Figur in der russischen Opposition aus. Er meldete sich hin und wieder mit Statements, die er über seine Anwälte kommunizierte, etwa zum Krieg gegen die Ukraine. Allein die Tatsache, dass er lebte, hatte eine zusammenschweissende Wirkung unter den vielen verschiedenen Kritikerinnen und Kritikern des Kremls. Er war der einzige in der liberalen Opposition, der wie eine realistische Alternative zu Putin wirkte – wie ein realistischer Präsidentschaftskandidat. Also könnte die Logik hinter seiner Ermordung gewesen sein, dass die russische Opposition mit seinem Tod kopflos wird und im Chaos versinkt. Das ist seit Nawalnys Tod denn auch tatsächlich mit der Opposition geschehen.