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Anfangs wegen höherer Preise Proteste im Iran den sechsten Tag in Folge – nun droht Trump

Im Iran gehen zahlreiche Menschen auf die Strasse. Der Staat geht hart gegen sie vor. Nun schaltet sich Trump ein.

Den sechsten Tag in Folge gehen im Iran wieder Menschen auf die Strasse, anfangs wegen der steigenden Preise unter anderem für Lebensmittel. Der Staat ging vor allem in den Provinzen mit absoluter Härte dagegen vor.

Augenzeugen berichteten über ein massives Aufgebot von Sicherheitskräften, die in den Metropolen einrückten und an wichtigen Verkehrsknoten Stellung bezogen.

Trump schaltet sich ein und droht dem Iran

Vor allem in den ländlichen Regionen kam es seit Mittwochabend zu dramatischen Szenen und Strassenschlachten zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Mindestens sieben Menschen kamen bei den Konfrontationen ums Leben.

Nun hat sich US-Präsident Donald Trump in die laufenden Proteste im Iran eingeschaltet und mit einem Eingreifen gedroht. Wenn der Iran friedliche Demonstranten töte, «werden die Vereinigten Staaten von Amerika ihnen zu Hilfe kommen», schrieb der Republikaner auf Truth Social. Was er konkret vorhat, liess der US-Präsident offen.

Trump sollte wissen, dass eine Einmischung der USA in diese innere Angelegenheit die gesamte Region destabilisieren würde.
Autor: Ali Laridschani Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats

Eine harsche Reaktion aus dem Iran folgte prompt. Ali Schamchani, ein ranghoher Berater der Staatsführung, warnte auf X mit drastischen Worten: Jede eingreifende Hand, die sich unter dem Vorwand der Sicherheit nähere, werde abgeschnitten.

Und auch der Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, Ali Laridschani, warnte den US-Präsidenten auf X: «Trump sollte wissen, dass eine Einmischung der USA in diese innere Angelegenheit die gesamte Region destabilisieren würde.»

Grösste Protestwelle seit drei Jahren

Ausgelöst wurden die aktuellen Proteste durch einen plötzlichen Einbruch der Devisenkurse am vergangenen Sonntag. Spontan zogen vor allem Händler in der Hauptstadt Teheran auf die Strasse.

Inzwischen erfassten die Demonstrationen auch andere Landesteile und Bevölkerungsschichten. Die Unzufriedenheit im Land wächst seit Jahren – befeuert durch fehlende Perspektiven, wirtschaftliche Not, Klimakrise und politische Repression.

Auch Kriegssorgen beeinflussen Währungskurs

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Auch die Sorgen vor einem neuen Krieg haben Unruhen am Devisenmarkt ausgelöst. Anfang der Woche sagte Trump, er unterstütze israelische Angriffe auf den Iran, sollte das Land sein Atomprogramm wieder instand setzen und weiter ballistische Raketen bauen. Irans Präsident Massud Peseschkian entgegnete auf X, jede Antwort der Islamischen Republik auf einen ungerechten Angriff werde hart sein und Reue erzeugen.

Israel hatte im Juni zwölf Tage lang Krieg gegen den Iran geführt und gemeinsam mit den USA zentrale Atomanlagen bombardiert. Der Grundkonflikt der Erzfeinde besteht trotz einer Waffenruhe fort.

Es ist die grösste Protestwelle seit den landesweiten Aufständen nach dem Tod von Jina Mahsa Amini unter dem Motto «Frau, Leben, Freiheit» vor rund drei Jahren. Noch ist offen, wie sich die Proteste weiter entwickeln und wie viele Menschen sich den Demonstrationen in dem Land mit knapp 90 Millionen Einwohnern anschliessen.

Aktuelle Proteste wie «Feuer unter der Asche»

Die aktuellen Unruhen seien «wie Feuer unter der Asche», beschreibt es ein iranischer Professor, der gegenüber der Nachrichtenagentur DPA anonym bleiben möchte. «Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie ausbrechen.»

Seiner Ansicht nach handelt es sich längst nicht mehr um reine Wirtschaftsproteste. Es gehe um eine grundlegende Kritik an der Politik der Staatsführung.

Wie sich die Proteste weiterentwickeln, ist Beobachterinnen und Beobachtern zufolge weitgehend unklar.

Zukunftssorgen und Hoffnungslosigkeit in der Hauptstadt

In der wuseligen Hauptstadt Teheran, dem politischen und wirtschaftlichen Zentrum des Landes, sorgen sich viele Bewohnerinnen und Bewohner seit Jahren um ihre Zukunft.

«Ich selbst habe die Proteste aus nächster Nähe gesehen. Viele waren Menschen aus der Generation Z – junge Leute, die weder Hoffnung noch Motivation haben», sagt Mortesa (37), ein Fitnesstrainer. «Das Land hat eigentlich genügend Einnahmen, aber sie kommen nicht bei den Menschen an.»

SRF 4 News, 02.01.2026, 13:00 Uhr ; 

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