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Angriff auf Assad-Treue Die Strategie der USA in Syrien ist völlig unklar

Die USA mischen sich wieder stärker ein in den Bürgerkrieg in Syrien. Was steckt dahinter? Eine Einschätzung.

Legende: Audio USA bombardieren Assad-Treue abspielen. Laufzeit 01:43 Minuten.
01:43 min, aus HeuteMorgen vom 09.02.2018.

Bisher haben sich die USA in Syrien weitgehend auf die Bekämpfung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) konzentriert. Ein Raketenangriff auf eine syrische Luftwaffenbasis vor knapp einem Jahr war in erster Linie eine symbolische Aktion, um die Assad-Regierung für ihre Giftgaseinsätze zu bestrafen. Eine klare Absicht, das von Russland und Iran gestützte syrische Regime aktiv zu bekämpfen, stand nicht dahinter.

Doch nun scheinen sich die USA stärker einzumischen in den wieder an vielen Fronten aufflammenden Bürgerkrieg. Sie bombardierten mit Damaskus verbündete Milizen – unter denen sich möglicherweise auch einzelne russische Söldner befanden – und töteten dabei rund 100 Assad-Anhänger. Es handelt sich um den bisher bei Weitem schwersten Zusammenstoss zwischen amerikanischen und syrischen Kräften.

«Massaker» oder «defensiver Akt»?

Washington bestätigt den Angriff, bezeichnet ihn aber als «defensiven Akt». Denn die Regime-nahen Milizen hätten zuvor Stellungen der von den USA unterstützten und stark von den Kurden geprägten Syrischen Demokratischen Kräfte attackiert. Dort sollen sich auch US-Militärberater aufgehalten haben.

Die syrische Regierung hingegen spricht von einem «Massaker» und fordert eine Verurteilung der USA durch den UNO-Sicherheitsrat. Russland seinerseits weist auf die illegalen militärischen US-Aktivitäten in Syrien hin und kritisiert, Washington entferne sich damit definitiv vom selbstgesetzten Ziel, in Syrien einzig den IS zu bekämpfen.

Welches Ziel verfolgen die US-Soldaten?

Zwar ist noch immer nicht einmal in Ansätzen erkennbar, welche Strategie die Amerikaner fortan in Syrien verfolgen und ob sie tatsächlich bereit sind zur direkten Konfrontation mit dem syrischen Regime. Tatsache ist aber, dass sie inzwischen nach eigenen Angaben bereits 2000 Soldaten im Land haben, nach Meinung von Experten dürften es gar rund 5000 sein. Bloss: Zu welchem Zweck ist vorläufig unklar.

Fredy Gsteiger

Portrait von Fredy Gsteiger

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er u.a. Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Luzius Brotbeck (LuziBrot)
    "Auch die zunehmende Eskalation durch die USA ist äußerst besorgniserregend. Die jüngsten US-Angriffe in Syrien sind ein schwerer Verstoß gegen das Völkerrecht. Die Angriffe bergen zudem die Gefahr einer weiteren Eskalation. Die UN sind jetzt gefordert, auch die mutmaßlichen Kriegsverbrechen der USA in Syrien zu untersuchen." „Mit diesem massiven US-Luftangriff mit mehr als 150 Toten und Verletzten hat die US-Intervention eine neue Qualität der Eskalation erreicht." die LINKE
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  • Kommentar von Sebastian Mallmann (mallmann)
    "Strategie der USA in Syrien ist völlig unklar." Der Titel ist symptomatisch die Mainstream-Medienlandschaft. Wer nicht an den Lippen der offiziellen US-Verlautbarungen klebt, hat doch schon längst begriffen, dass es den USA um Destabilisierung und Erhaltung ihrer Macht geht (und auch um Erweiterung von Einfluss, Unterstützung der Verbündeten in der Region, Ressourcen). Was haben die USA in Syrien überhaupt zu suchen, Herr Gsteiger? Ihre militärische Präsenz dort ist gegen das Völkerrecht!
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Traurig genug, dass tausende Menschen sterben müssen für nichts und wieder nichts, wird man später sagen. Es geht nur um die Macht, Dabei waren die Syierer und auch die Türken sehr freundlich und nett und die Landschaften und Städte wunderbar. Jetzt herrscht nur noch Not und Elend. Furchtbar dass die Menschen nicht in Frieden miteinander leben können.
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