Das mächtige KI-Modell: Es ist eine Ansage, die aufhorchen lässt: Das US-Unternehmen Anthropic teilte Anfang April mit, dass ihr neustes KI-Modell in den falschen Händen Schaden anrichten könnte. Das Modell mit dem Namen «Claude Mythos» sei besonders gut darin, Sicherheitslücken zu finden, diese zu kombinieren und auszunutzen. Daher werde das Modell nicht veröffentlicht. Anthropic stellt das Modell nur ausgewählten Partnern, Firmen und Regierungen zur Verfügung, damit diese ihre Sicherheitslücken schliessen können.
KI für manche, nicht für alle: SRF-Digitalredaktor Guido Berger sieht es als Standardpraxis, dass man den betroffenen Firmen zuerst die Chance gibt, Sicherheitslücken zu schliessen, bevor die Öffentlichkeit Zugriff auf das Modell hat. Das Problem stecke in der Frage, wer diese Möglichkeit erhält und wer nicht. «Wir nutzen nicht nur Software von Firmen, die das neue Modell nutzen können, sondern auch Software, die von anderen Leuten hergestellt wurde», so Guido Berger. Daher werden nicht alle ihre Sicherheitslücken schliessen können. Der Digitalexperte betont jedoch, dass dies ein Problem sei, das auch ohne «Mythos» existiert.
Leistung ist begrenzt: Die möglichen Sicherheitslücken stellen laut Guido Berger nur einen Grund dar, warum Anthropic das neue Modell nicht für alle zugänglich macht: «Alle grossen KI-Anbieter haben das Problem, dass sie eingeschränkte Rechenleistung zur Verfügung haben.» Daher ist die Kapazität von KI-Modellen eingeschränkt. Zwar werden nun auf der ganzen Welt sogenannte Serverfarmen gebaut, dies braucht jedoch Zeit. Daher müssen sich KI-Firmen überlegen, auf welche Kundschaft sie setzen wollen, so Berger: «Das könnte generell eine Strategie sein in Zukunft, dass man das neuste, beste Modell nur bestimmten Unternehmen zur Verfügung stellt. Wahrscheinlich denen, die am meisten zahlen.»
Mehrklassengesellschaft: Bereits jetzt sei die KI-Welt breiter aufgestellt als in einem Zweiklassensystem, so Digitalredaktor Guido Berger. Gewisse Nutzer würden KI-Modelle gratis nutzen, andere bezahlen etwas und erhalten eingeschränkten Zugang zu einem besseren Modell und eine andere Gruppe kann die schnellste Version nutzen. «Das könnte sich noch stärker ausdifferenzieren», sagt Berger. So könnten in Zukunft die besten Modelle mit den meisten Fähigkeiten und der höchsten Rechenleistung nur in den Händen von wenigen sein, die auch viel dafür zahlen.
Das Wettrennen: Der Zugang zu gewissen KI-Modellen könnte in Zukunft also stärker ungleich verteilt sein. Entscheidender sei jedoch, wer das Rennen zur Superintelligenz gewinne, so Guido Berger: «Die Hoffnung ist, dass diese Modelle irgendwann so gut sind, dass sie sich selbst verbessern.» Die Fähigkeiten der KI-Modelle würden dann explodieren, es würde eine Superintelligenz entstehen, sagt der Digitalexperte: «Wenn diese Wette aufgeht, dann ist es wirklich entscheidend, wer die Rechenleistung und die starken Modelle kontrolliert.» Je nachdem, wer dieses Wettrennen gewinne, könne das demokratiepolitische und geostrategische Auswirkungen haben. «Aber es gibt auch die gegenteilige Wette, dass es eigentlich besser ist, kleine, effiziente Modelle zu bauen, statt diese grossen Superfähigkeiten», so Berger. Wer in dieser Wette gewinnt, sei noch völlig offen.