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Verwundbarer Alltag in den USA
Aus Echo der Zeit vom 05.04.2020.
abspielen. Laufzeit 04:27 Minuten.
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Arbeitslos wegen Coronavirus Millionen Amerikaner sind bereits in Not geraten

Lange Schlangen vor den karitativen «Food Banks»: Viele Amerikaner sind in der Corona-Krise auf Gratisessen angewiesen.

In den USA schiesst die Arbeitslosenzahl in die Höhe wie noch nie in der Geschichte des Landes: In den letzten zwei Wochen haben fast zehn Millionen Personen einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung gestellt.

Viele sind bereits in existentielle Not geraten, weil das Geld kaum mehr fürs Essen reicht. Sie sind nun auf die sogenannten Food Banks angewiesen, karitative Lebensmittel-Abgabestellen für Bedürftige. Dort müssen die Betroffenen nun stundenlang anstehen.

Plötzlich ohne Einkommen

Viele Menschen, die eben noch eine vermeintlich sichere Arbeitsstelle gehabt hätten, seien nun plötzlich ohne Einkommen, erklärt Craig Gundersen, der wissenschaftliche Berater von Feeding America, dem grössten US-Netzwerk von Food Banks.

An den Food Banks verteilen Freiwillige Lebensmittel-Pakete, die aus privaten Spenden finanziert werden. Darauf angewiesen ist zum Beispiel der Uber-Fahrer Matthew aus Arizona. Er schildert im amerikanischen Fernsehen, dass er die Miete und die Leasingrate fürs Auto bezahlt habe. Danach sei nichts mehr übrig geblieben fürs Essen. Gerade noch vier Dollar seien auf seinem Konto.

Viele Amerikaner leben von der Hand im Mund

Der Fall von Matthew ist typisch: Fast die Hälfte der US-Bevölkerung lebt von der Hand in den Mund und hat kaum Ersparnisse. Mit dem Lohn begleichen sie in der Regel die Miet- oder Hypothekarzinsen, die Kreditkartenschulden und Ratenzahlungen fürs Auto oder Haushaltsgeräte wie den Fernseher. Bleibt der Lohn plötzlich aus, geraten sie sofort in finanzielle Bedrängnis.

Der grosse Ansturm während der Corona-Pandemie stellt die privaten Food Banks vor grosse Herausforderungen. Zum einen ist es schwieriger geworden, Freiwillige zu finden für die Verteilung der Lebensmittel. Viele hätten Angst, sich dabei anzustecken, sagt Lisa Scales, die Geschäftsführerin einer Food Bank in Pittsburgh.

Food Banks stossen an ihre Grenzen

Zum anderen müssten die Food Banks ihre Beschaffung umstellen. Normalerweise könnten sie vor allem Lebensmittel abgeben, die Bürgerinnen und Bürger bei ihnen vorbeibringen. Wegen der Ausgangssperre müssten sie nun vermehrt Frischprodukte und Konserven im Grosshandel einkaufen.

Die Food Banks, die sich über Spenden finanzieren, haben deswegen höhere Ausgaben, sagt Nahrungsmittel-Ökonom Craig Gundersen von Feeding America. Erste Zahlen deuteten darauf hin, dass die Ausgaben derzeit um gut die Hälfte steigen. Und gleichzeitig dürften sich bei einzelnen Produkten Lieferengpässe noch verschärfen, wenn die Food Banks vermehrt Waren im Grosshandel beziehen.

Scheck vom Staat dürfte die Situation entschärfen

Dennoch ist Craig Gundersen zuversichtlich, dass der Ansturm auf die Abgabestellen bald wieder abnimmt. Dann nämlich, wenn die Bundesregierung in den nächsten zwei Wochen die Schecks über 1200 Dollar pro Person freigibt, die sie angesichts der Corona-Krise versprochen hat.

Echo der Zeit, 05.04.2020, 18:00 Uhr

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