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Argentinien Waldbrände in Patagonien – und wilde Gerüchte über die Urheber

Im Süden Argentiniens fallen grosse Flächen den Flammen zum Opfer. Die meisten Brände sind menschengemacht. Behörden sprechen von einer der schwersten Umweltkrisen in der Provinz Chubut.

Darum geht es: In der Provinz Chubut, einem Teil der Region Patagonien im Süden Argentiniens, wüten Waldbrände. Winde und Trockenheit erschweren die Löscharbeiten: Zahlreiche Bewohner und etwa 3000 Reisende mussten bereits evakuiert werden. Starke Winde fachen die Flammen immer wieder an. Dazu kommen hohe Temperaturen und ausgetrocknete Böden. Bislang sind laut offiziellen Angaben mehr als 15'000 Hektaren von den Flammen zerstört worden. Die argentinische Regierung geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Brände vorsätzlich gelegt worden sind. Die Ermittlungen in Argentinien laufen auf Hochtouren, von offizieller Seite gibt es derzeit aber nicht mehr Informationen.

Gerüchte über angebliche israelische Brandstifter: Auf Social Media kursiert ein Video, das angeblich einen israelischen Touristen zeigt, der ein Feuer gelegt haben soll. Darin wird insinuiert, Israeli wollten das Land dann kaufen, wenn es abgebrannt ist. Für die Authentizität des Videos und dieser Angaben gibt es aber keinerlei Beweise. Präsident Javier Milei sprach in diesem Zusammenhang von der «dunklen Seite Argentiniens» und warnte vor antisemitischen Verschwörungserzählungen.

SRF-Korrespondentin Delgado: Ermittlungen abwarten

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Waldbrand bei Nacht mit Feuerwehrautos im Hintergrund.
Legende: Reuters/Marcello Martinez

In Argentinien kursiert auch das Gerücht, Indigene der Mapuche hätten die Feuer gelegt. Dazu sagt SRF-Südamerika-Korrespondentin Teresa Delgado: «Es gibt tatsächlich Landkonflikte zwischen Mapuche-Gemeinschaften und Forstkonzernen, etwa wegen Plantagen für die Zellulose-Industrie.» Dabei sei es auch schon zu vereinzelten Brandanschlägen gekommen.

Doch: «Für die aktuellen Brände gibt es keinerlei Hinweise, dass Mapuche-Gemeinschaften beteiligt waren – die Feuer gingen von einem Nationalpark aus. Auch die Vorwürfe gegen Mapuche gelten bislang als unbelegt und rassistisch aufgeladen», so Delgado. Die Behörden prüften zwar auch Landkonflikte zwischen lokalen Anwohnern als möglichen Hintergrund einzelner Feuer. «Doch man muss jetzt die Ermittlungen abwarten.»

Die Gründe für die Brände sieht Delgado in der extremen Dürre, den starken Winden, hohen Temperaturen und menschlicher Unachtsamkeit – «oder auch punktueller Brandstiftung». Hinzu komme die schwache lokale Feuerwehr, die in den extrem weitläufigen Wäldern kaum etwas ausrichten könne.

Andere Theorien: Die argentinische Faktencheck-Plattform Chequeado hat drei weitere Theorien rund um Gerüchte zum Ursprung der Brände genauer unter die Lupe genommen. Demnach ist eine davon irreführend, zwei wurden als Falschmeldungen identifiziert. Die argentinischen Behörden ihrerseits betonen, dass ihre Ermittlungen noch am Laufen seien.

Was macht Chequeado?

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Chequeado ist eine argentinische Organisation, die sich auf das Überprüfen von Fakten spezialisiert hat. Sie arbeitet mit Datenanalysen und bietet auch Schulungen für Journalistinnen und Journalisten im Umgang mit Informationen an. Die Organisation gibt es offiziell seit 2010. Sie ist Teil der La Voz Pública Foundation, einer NGO, die zur Überprüfung des öffentlichen Diskurses gegründet wurde.

Theorie um Javier Milei: Eine der Theorien dreht sich um die Regierung von Javier Milei, genauer gesagt um ein Brandschutzgesetz: Eine ehemalige Kandidatin für das Parlament in Buenos Aires schreibt in einem Beitrag auf X, dass die Regierung angeblich ein Gesetz zum Umgang mit Bränden aufgehoben habe. Dieses Gesetz, das eine schnellere Nutzung von Landflächen nach Bränden ermöglichen würde, ist laut Chequeado jedoch nie in Kraft getreten. Es wurde lediglich ein Versuch unternommen, einen bestehenden Gesetzesartikel über den Umgang mit Feuer zu ändern und landwirtschaftliche Aktivitäten auf einem Grundstück zwischen 30 und 60 Jahre nach einem Brand zu verbieten. Diese Theorie ist demnach irreführend.

Gerücht um ein «Geständnis» von Matías Baez: Ebenfalls auf Social Media kursieren Posts, nach denen ein libertärer Politiker namens Matías Baez Brandstiftung und den Landverkauf an Israel gestanden haben soll. Diese Theorie entpuppt sich gemäss Chequeado als frei erfunden: Es gibt gar keinen Abgeordneten, der so heisst.

Granate: Es gibt zudem die Theorie, dass im Rahmen der Brände in Chubut eine von Israel hergestellte M26-Granate in Patagonien gefunden worden sein soll. Auch dieses Gerücht wird auf der argentinischen Faktencheck-Plattform widerlegt. Auf deren Website steht: «Das ist falsch. Bei der im Epuyén-See gefundenen Granate handelt es sich um das argentinische Modell FMK8.»

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Rendez-vous, 14.1.2026, 12:30 Uhr ; 

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