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Mit Sturmgewehr im Stadtzentrum: Impressionen aus Richmond
Aus News-Clip vom 21.01.2020.
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Aufmarsch der Waffenfreunde Eine amerikanische Revolution

Wehrhaft und wütend: In Richmond proben Milizionäre den Aufstand – in Kriegsmontur und mit Sturmgewehr.

Das Polizeiaufgebot war massiv – alle in Virginia erinnern sich an die blutigen Ausschreitungen in Charlottesville vor zweieinhalb Jahren:

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Gewalteskalation in Charlottesville (12.08.2017)
Aus SRF News vom 13.08.2017.
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Doch der Protest in Richmond verlief friedlich. Auch wenn die Demonstranten alles unternahmen, um bedrohlich zu wirken. Und Camouflage, Totenkopfmasken und fette Munitionsgürtel trugen. Jerry, angereist aus Missouri, präsentiert stolz sein Sturmgewehr. Die halbautomatische AR-15 ist sehr beliebt unter Waffennarren in den USA, auch viele Amokläufer benützen sie, etwa bei den Attentaten in El Paso oder Las Vegas.

Gouverneur ruft Notstand aus

Gouverneur ruft Notstand aus
Legende:Isabelle Jacobi/SRF

Über 20'000 Waffen-Fans und Milizen strömten am Montag nach Richmond, die Hauptstadt des US-Bundesstaats Virginia. Viele hatten ihre Waffen dabei: Sturmgewehre, Magazine voller Patronen. Ihr Protest richtet sich gegen strengere Waffengesetze, welche die Demokraten in diesen Tagen verabschieden wollen. Aus Angst vor Ausschreitungen hatte der Gouverneur von Virginia zuvor den Notstand ausgerufen.

Der Verkauf von Sturmgewehren in Virginia soll bald verboten werden, auch soll es strengere Bestimmungen geben für Waffenbesitz. Für die Waffen-Protestler in Richmond ein Angriff auf ihre fundamentalen Grundrechte.

Die Demonstranten schwenken die Betsy Ross Flagge
Legende: Die Demonstranten schwenken die Betsy Ross Flagge: Die dreizehn Sterne stehen für die dreizehn Kolonien, die sich im Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) dem britischen Mutterland entgegenstellten. Isabelle Jacobi/SRF

«Das ist der Anfang, um alle unsere Waffen zu beschlagnahmen, in den ganzen USA», sagt Christine aus Georgia. Diese Theorie wird von der Waffen-Lobby NRA schon lange verbreitet.

Zeit, um aufzustehen

Was würde es für Christine denn bedeuten, wenn man ihre Waffen wegnehmen würde? «Ich will nicht sagen, dass es so wäre, wie wenn ich einen Arm oder ein Bein verlieren würde. Aber es wäre ein Stich mitten ins Herz», sagt die Armee-Veteranin.

Meine Waffen lagen 15 Jahre lang im Schrank, jetzt sind sie geputzt und geladen.
Autor: CharlesTeilnehmer der Demo in Richmond

Auch Charles entsetzen die Pläne der Demokraten. Und er ist bereit aufzustehen. «Meine Waffen lagen 15 Jahre lang im Schrank, jetzt sind sie geputzt und geladen, ich habe mir eine kugelsichere Weste gekauft, um mich zu schützen», sagt der Mann aus Virginia. Und wappnet sich für einen Bürgerkrieg, den er nahe wähnt: «Schau dich doch um», sagt er. «Alle wollen dasselbe, lasst uns in Ruhe!»

Demonstrant in Richmond
Legende: «Die Amerikanische Revolution brach wegen weniger aus»: Rigidere Waffengesetze sind für Demonstrant Charles ein Angriff auf die Verfassung – und damit die DNA der Vereinigten Staaten. Isabelle Jacobi/SRF

Der Waffen-Lobbyist und Organisator des bewaffneten Protests, Philip van Cleave, steht in Anzug und Krawatte hinter Sicherheitsabsperrungen. Der Präsident von der «Virginia Citizens Defense League» spricht von einer Vervierfachung der Mitgliederzahlen, seit die Demokraten letzten November die Mehrheit in beiden Parlamentskammern von Virginia gewannen.

«Ich erreiche nun die Leute», sagt Van Cleave. Er hat am jährlichen Tag der offenen Türe im Parlament von Virginia zum Protest aufgerufen.

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Van Cleave: «Genau so begann die amerikanische Revolution»
Aus News-Clip vom 21.01.2020.
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Im nahen Pocahontas-Gebäude stehen die Büros der Abgeordneten offen. Und dort, quasi in Deckung, finden sich junge Anti-Waffen-Aktivisten. Sie hätten aus Sicherheitsgründen schon die Nacht im Gebäude verbracht, sagt die Aktivistin Nupol Kiazolu von der Bürgerrechts-Organisation «Black Lives Matter»: «Wir wagen uns im Moment nicht raus auf die Strasse.»

Nupol Kiazolu
Legende: Angst um die eigene Sicherheit: Die Aktivisten um Nupol Kiazolu haben sich verschanzt. Den direkten Kontakt zu den Waffen-Enthusiasten wollen sie vermeiden. Isabelle Jacobi/SRF

Michael McCabe von der Anti-Waffen-Gruppe «March for Our Lives» hält die Milizen zwar für bedrohlich, aber politisch nicht relevant. Diese kleine, wenn auch laute Minderheit stehe strikteren Waffenkontrollen nicht im Weg, weder in Virginia noch den USA, ist er überzeugt.

Bereit für den Kampf

Draussen auf der Strasse herrschen andere Töne und Sitten. Ein republikanischer Abgeordneter klopft sich wie ein Gorilla in Kampfpose auf die Brust und brüllt der Menge zu. Die republikanische Senatorin Amanda Chase ruft etwas artikulierter zum Widerstand auf.

«Wir wollen, dass die Abgeordneten und der Gouverneur verstehen, dass die Leute nicht glücklich sind – und was geschieht, wenn man Patrioten ihre Rechte und Freiheiten wegnimmt», sagt die prononcierte Rechts-Politikerin, mit handgemachter USA-Ledertasche am Arm.

Die republikanische Senatorin Amanda Chase
Legende: Vereint im Widerstand gegen das liberale Amerika: Die Demokraten haben das Sagen im Südstaat und verabschieden dieser Tage strengere Waffengesetze. Die republikanische Senatorin Amanda Chase wehrt sich lautstark gegen die Pläne. Isabelle Jacobi/SRF

Über hundert Gemeinden in Virginia haben angedroht, strengere Waffengesetze nicht zu befolgen. Der Senat von Virginia hat sie bereits verabschiedet, das Repräsentantenhaus wird in diesen Tagen darüber abstimmen – und wahrscheinlich zustimmen. Die Menge in Richmond zeigt sich bereit für den Kampf.

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Tausende Waffenbefürworter protestieren in Virginia
Aus Tagesschau vom 20.01.2020.
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17 Kommentare

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  • Kommentar von mahmut alane  (holundder)
    Was bringt das waffendisplay? Angst ohne Waffen nicht ernst genommen zu werden weil ihre Argumente nicht standhalten? Schon traurig. Das sind die tfg's. Too far gone. Fakten und Logik prallen an denen ab wie ein Gummiball.
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  • Kommentar von Martin Tanner  (mikado5034)
    In Amerika gibt's jährlich 50'000 Tote durch Waffengewalt. Das ist nahe dran an der Operzahl amerikanischer Soldaten im Vietnamkrieg. Aber das war ein mit allen Mitteln geführter Krieg. Unter den 50'000 Toten im Inland sind nicht nur Gang-Mitglieder, die sich gegenseitig killen. Es sind auch Nachbarn, die nachts besoffen versuchen, beim falschen Haus den Hausschlüssel zu drehen oder Kleinkinder, die von ihren kleinen Geschwistern im Spiel erschossen werden. Freie Bürger+Waffenfetischisten eben.
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    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Drogenkriegstote sind aber die ganz grosse Mehrheit, man kann es drehen und wenden wie man will.
      Dies ist auch der Grund weshalb sehr viele Affroamerikaner und Mexikander unter den Toten sind.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Eine Politik, welche sich prioritär um Eigeninteressen-Verfolgung kümmert (Wählerstimmenfang - die Waffen-Lobby ist riesig), disqualifiziert sich mit dieser Haltung selber! Allerdings müsste das auch die Bevölkerung sehen/bemerken!?
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    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Die NRA hat 6mio Mitglieder von 325mio Einwohner der USA
      und ein Budget von etwa 60 mio. Dollar. Sie schätzen die Lage gewaltig falsch ein.
      Wenn die Menschen aber keine Verschärfungen wollen die Mehrheit zumindest müssen wir hier in Europa dies einfach zu Kenntnis nehmen.
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    2. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Sie schätzen die Lage gewaltig falsch ein, wenn Sie sagen die Menschen wollen keine Verschärfungen. Die Mehrheit der Amerikaner sind schon lange fuer haertere Massnahmen. Aber Eine (noch-) Mehrheit der Politiker wollen haben kein Gehoer fuer die Volksmehrheit. Die Lobby ist zwar klein, aber maechtig. Ihre Position ist auch so einfach und simple, dass man praktisch ohne viel Geld einen einzigen simplen Punkt in die Gehirne der Leute waschen kann.
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