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Ex-Berater Cummings schiesst gegen Johnson
Aus Echo der Zeit vom 26.04.2021.
abspielen. Laufzeit 03:56 Minuten.
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Aufruhr um Indiskretionen Ex-Chefberater Cummings bringt Boris Johnson in Bedrängnis

Um den britischen Premier braut sich ein Sturm zusammen: Verantwortlich dafür ist sein umstrittener früherer Stratege. Für Johnson könnte er gefährlich werden.

Ist es ein Hauskrach? Oder gar ein kleiner Krieg? Wenn man den britischen Zeitungen glauben kann, läuft es in Downing Street gerade nicht so rund. In den vergangenen Wochen kam es immer wieder zu seltsamen Indiskretionen.

So sickerten vertrauliche Textnachrichten von Premierminister Boris Johnson an die Öffentlichkeit durch. Beispielsweise die Anfrage eines Unternehmers, der sich höflich nach Möglichkeiten der Steuervermeidung erkundigte und dem Johnson offenbar zugesichert hat, sich um das Problem zu kümmern.

Cummings schiesst umgehend zurück

Solche Gefälligkeiten werden von der Öffentlichkeit nicht goutiert. Die Verwaltung machte sich deshalb eiligst auf die Suche nach dem Leck und kam zum Schluss, dass die Quelle der Indiskretionen Johnsons früherer Chefberater Dominic Cummings sei. Diesen öffentlich an den Pranger zu stellen, erwies sich jedoch nicht als gute Idee.

Johnson mit der Hand am Kopf.
Legende: Eigentlich läuft es gut für Johnson – wenn da bloss nicht Cummings' Enthüllungen wären. Reuters

Der Mann, der für seine wenig zimperlichen Methoden berüchtigt ist, schoss sofort zurück: Er sei erstens nicht die Quelle der Indiskretionen, teilte Cummings mit. Zudem sei er erschüttert, wie inkompetent der Premierminister regiere. Auch habe er alle vertraulichen SMS und Mails, die er je von Johnson erhalten habe, durchgesehen. Die gesuchten Indiskretionen seien nicht darunter.

Cummings hat noch haufenweise Munition

Was wie eine Beruhigung klingt, ist eine versteckte Drohung: Der Chefideologe des Brexits sitzt auf einem ganzen Berg von Munition, die für den Premierminister brandgefährlich werden könnte. Als kleine Kostprobe erwähnt Cummings die «dumme und unethische Finanzierung» der Renovation von Johnsons Dienstwohnung in Downing Street.

Diese soll gemäss britischen Zeitungen umgerechnet knapp 80'000 Franken gekostet haben und sei von Sponsoren aus der Regierungspartei berappt worden. Etwas, was durchaus als verkappte Parteispende bezeichnet werden könnte.

Umgehend betonte die konservative Partei am Wochenende, Johnson habe die Renovation selber bezahlt. Die Opposition möchte das nun aber genauer wissen und fordert eine Untersuchung.

Pietätlose Äusserung? Noch mehr Ärger für Johnson

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Der Druck auf Boris Johnson wegen einer angeblich pietätlosen Äusserung zu Toten in der Corona-Pandemie wächst. Der Regierungschef, der heute Dienstag eine Kabinettssitzung leitete, soll im vergangenen Herbst gesagt haben, er nehme lieber in Kauf, dass sich «die Leichen zu Tausenden auftürmen» als einen zweiten Lockdown zu verhängen. Das berichtete unter anderen die BBC unter Berufung auf mehrere Insider-Quellen.

Der Premier und mehrere seiner Kabinettskollegen weisen die Berichte vehement zurück. Doch es steht Aussage gegen Aussage und angesichts einer Bilanz von 150'000 Todesfällen, die mit Covid-19 in Verbindung gebracht werden, wiegen die Vorwürfe schwer. Johnson wird seit Langem angelastet, er habe während der zweiten Pandemiewelle im vergangenen Jahr zu lange mit einem Lockdown gewartet.

Kreativität wird nicht immer goutiert

Nonkonformes Handeln kann gelegentlich selbst für eine Regierung angebracht sein. Während der Pandemie hat sich die Kreativität des Premiers für Grossbritannien als Glücksfall erwiesen: Früh hat Johnson unbürokratisch Expertinnen und Experten aus der Privatwirtschaft und Wissenschaft mit der Beschaffung von Impfdosen beauftragt und diese mit allen Vollmachten und Ressourcen ausgestattet. Das hat sich bewährt und wurde geschätzt.

Bei der Vergabe von Aufträgen, dem Gewähren von Steuererleichterungen oder der Renovation von Dienstwohnungen hingegen kommt solch freihändiges Gebaren nicht gut an. Wie viel Munition Cummings noch abschiesst, wird sich zeigen.

Eine Lektion hat er seinem ehemaligen Chef bereits erteilt: Boris Johnson, der als Kind «König der Welt» werden wollte, hat es zwar zum Premierminister eines Königreichs gebracht. Doch Downing Street ist ein Regierungssitz und kein Königspalast einer Feudalherrschaft.

SRF 4 News, Echo der Zeit vom 26.4.2021, 18.00 Uhr

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    @ Félix Delahaye (Delahaye)

    "Wenn die EU mit GB keine bilateralen Verträge abschliessen kann, die den Handel erleichtern, dann wird es auch keine Rosinen für die EU aus GB geben."

    GB will keine bilateralen Verträge (so wie die Schweiz) mit der EU abschliessen.
    GB will einen Zugang zum Markt, aber dafür keine Gegenleistungen/Anpassungen erbringen.
    Wer sich nicht an die (Spiel-) Regeln halten will, sollte sich nicht wundern, wenn er nicht "mitspielen" kann.
  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Gewähltes Bild und Story sagen mehr als 1000 Worte über mediale Voreingenommenheit gegen erfolgreichen Brexit Umsetzer B. Johnson.
    1. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Zeiner: Zum Glück gibt es noch Medien, die bereit sind, kritisch bezüglich solcher grossmauliger Rechtspopulisten zu berichten, zu Gunsten eines Restes von Menschlichkeit.
    2. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      @uvk: Auch ich erwarte von einem mit Steuergeldern finanzierten Medium eine neutrale Berichterstattung. Bei nicht bewiesenen Behauptungen bereits von Enthüllungen zu reden ist nicht seriös!
      Boris Johnson ist demokratisch gewählt worden und stellt wohl das Gegenstück der grossmäuligen Linkspopulisten dar.
      Erklären Sie mir aber bitte, wo BJ Unmenschlichkeit an den Tag gelegt hat. Danke.
  • Kommentar von Detlef Brügge  (Useful)
    @Delahaye
    Ich meine gar nichts u. was Sie hinein interpretieren, ist wohl ihr Problem. Ich für meinen Teil beende jetzt aber die Diskussion mit Ihnen, weil ich bei Verstand bin.