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Ausschreitungen in Paris Über 400 Festnahmen und 130 Verletzte bei «Gelbwesten»-Protesten

Legende: Video Paris nach den Ausschreitungen abspielen. Laufzeit 01:46 Minuten.
Aus Tagesschau vom 02.12.2018.
  • Bei Protesten der sogenannten «Gilets Jaunes» in Paris sind nach Polizeiangaben rund 133 Menschen verletzt worden. Darunter seien auch 23 Angehörige der Sicherheitskräfte.
  • Mindestens 412 Personen sind in Polizeigewahrsam genommen worden.
  • Präsident Emmanuel Macron suchte am Sonntag umgehend die Gewaltschauplätze auf und dankte den Einsatzkräften.

Die französische Regierung will nach den schwersten Krawallen seit Jahrzehnten auf die Demonstranten zugehen und nicht den Ausnahmezustand verhängen. Präsident Macron wies den Innenminister an, trotzdem die Sicherheitskräfte auf weitere Proteste vorzubereiten. Das teilte der Elysée-Palast am Sonntagabend mit.

Der Ministerpräsident solle zudem Gespräche mit den Parteichefs und Vertretern der Protestbewegung aufnehmen. In Emmanuel Macrons Umfeld hiess es, über den Ausnahmezustand sei nicht diskutiert worden. Ein Regierungssprecher hatte zuvor gesagt, es würden alle Optionen geprüft, um erneute Ausschreitungen zu verhindern.

Wütender Macron

Trotzdem übte Macron scharfe Kritik an den gewalttätigen Kundgebungsteilnehmern. Die Randalierer würden identifiziert und vor Gericht gestellt, warnte Präsident Emmanuel Macron.

«Ich werde niemals Gewalt akzeptieren», sagte Macron. «Kein Anliegen rechtfertigt den Angriff auf Staatsvertreter, die Plünderung von Geschäften, die Bedrohung von Passanten und Journalisten und die Besudelung des Arc du Triomphe.»

Ich werde niemals Gewalt akzeptieren.
Autor: Emmanuel MacronPräsident Frankreich

Nach seiner Rückkehr vom G20-Gipfel in Buenos Aires suchte Macron am Sonntag umgehend den Arc du Triomphe auf und verharrte am Grab des unbekannten Soldaten. Macron: «Die Verursacher dieser Gewalt wollen keine Veränderung, sie wollen keine Verbesserung, sie wollen Chaos.»

Unzählige Verletzte

Von den 133 Verletzten sind 23 Polizisten, wie die Polizeipräfektur ausführte. Den ganzen Samstag war Paris Schauplatz grosser Gewaltausbrüche.

Diese konzentrierten sich zunächst rund um den Arc de Triomphe. Die «Gilets Jaunes» errichteten Barrikaden und zündeten Autos an. Es kam auch zu Plünderungen von Geschäften.

Der historische l'Arc de Triomphe wurde durch Sprayereien beschädigt.
Legende: Der historische l'Arc de Triomphe wurde durch Sprayereien beschädigt. Reuters

Die Zusammenstösse zwischen der Polizei und den Demonstranten verlagerten sich dann ins Zentrum der französischen Hauptstadt. Rund 4600 Polizisten waren im Einsatz. Der Pariser Polizeichef Michel Delpuech sprach von einer «beispiellosen Gewalt» – ein Niveau, das in den vergangenen Jahrzehnten nicht erreicht wurde.

Legende: Video Bilder vom 01.12.18: Proteste der «Gilets Jaunes» in Paris abspielen. Laufzeit 00:37 Minuten.
Aus News-Clip vom 01.12.2018.

«Unruhespezialisten» hätten eine Strategie aufgebaut, sagte Innenminister Christophe Castaner dem Sender TF 1. Rund 3000 Personen seien identifiziert worden, erklärte der Minister weiter.

Nach Angaben von Ministerpräsident Edouard Philippe beteiligten sich insgesamt etwa 5500 Menschen an den Protesten. Unter ihnen waren auch zahlreiche Vermummte. In Frankreich ist von einem «Schwarzen Samstag» die Rede.

Heftigste Proteste von Macrons Amtszeit

Die Polizei befürchtete, dass sich Anhänger von gewaltbereiten rechts- und linksextremen Gruppen unter die Gelbwesten gemischt hätten, die seit zwei Wochen gegen steigende Spritpreise und hohe Lebenshaltungskosten demonstrieren.

Es sind die heftigsten Proteste seit Beginn der Amtszeit von Präsident
Emmanuel Macron vor 18 Monaten. Auslöser ist die Erhöhung der
Steuern auf Diesel. Die Regierung von Macron steht aber auch
wegen anderer Reformen in der Kritik.

Die «Gelben Westen» - alles gewalttätige Schläger?

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Einer Studie der Jean-Jaurès-Stiftung zufolge sind besonders unter Arbeitern und Angestellten sehr viele Anhänger der «Gelben Westen» zu finden. Die Bewegung, benannt nach den Warnwesten im Auto, ist breit und diffus. Hinter ihr steht keine Gewerkschaft und keine Partei.

Im gesamten Land gehen seit Wochen Hunderttausende auf die Strasse – in der Regel verlaufen die Aktionen ohne grössere Zwischenfälle.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondetin Alexandra Gubser abspielen. Laufzeit 01:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 02.12.2018.

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96 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Häusermann (Ebenda)
    Die Politik Macron's beschleunigt den Aufstieg des Front National, vergleichbar mit der AfD in Deutschland. Danach fragen sich alle, wie das möglich gewesen sei. Es wird Zeit, dass Macron dem Volk zuhört und die Mittelschicht entlastet.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger (Ädu)
    Der Präsident führt sich auf wie die Feudalherrschaften vor 230 Jahren. Das Ergebnis ist bekannt!
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Jetzt sollten sich die Cheminots wieder in die Aktion gegen die Neofeudalisierung einklinken. Obwohl dort im Gegensatz zu hier mit einem Rest von Treu und Glauben swoie Respekt vor dem Besitzstand nur die Neueintretenden entrechtet und enteignet werden. Mit werktaeglichen Streiks von 4 bis 8 morgens und abends. Dafuer am Wochenende mit freier Fahrt fuer Gelbjacken von Metz, Nizza, Bordeaux und Nantes nach Paris und fuer die frei Ueberlebenden zurueck an Wochenenden....
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