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Die Randale hatte offenbar keinen politischen Hintergrund
Aus SRF 4 News aktuell vom 22.06.2020.
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Ausschreitungen in Stuttgart «Es geht eher um Party und Drogen als um Politik»

Die Behörden sprechen nach den massiven Ausschreitungen in Stuttgart von Samstagnacht von einer «bislang nie dagewesener Gewalt» und von einer «Herausforderung für den Rechtsstaat». Laut dem Journalisten Markus Pfalzgraf haben die Randale aber kaum politische Hintergründe, sondern sollen vor allem mit sozialen Medien und Selbstdarstellung zu tun haben.

Markus Pfalzgraf

Markus Pfalzgraf

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Der Journalist Markus Pfalzgraf, Link öffnet in einem neuen Fenster arbeitet für den Südwestdeutschen Rundfunk SWR in Stuttgart. Er ist dort Redaktor mit Fokus Landespolitik.

SRF News: Laut Polizei soll die Personenkontrolle eines 17-Jährigen zu der Gewalteskalation geführt haben, offenbar ging es um einen Drogenverdacht. Weshalb führt eine einfache Personenkontrolle zu solch einer Eskalation?

Markus Pfalzgraf: Offenbar solidarisierten sich mehrere Personen mit dem Kontrollierten und wendeten sich gegen die Polizisten. Der Aufruhr eskalierte rasch, es bildeten sich sofort mehrere kleinere Gruppen von Personen, die dann randalierend durch Stuttgart gezogen sind.

Wieso die Situation am letzten Samstag derart eskaliert ist, ist unklar.

In Stuttgart kam es in letzter Zeit mehrmals vor, dass es bei Kontrollen kleinere Auseinandersetzungen mit den Polizisten gab. Wieso die Situation am letzten Samstag aber derart eskaliert ist, ist unklar – Behörden und Polizei zeigen sich schockiert. Es scheint aber, als ob es eher um Drogen und Partys geht und weniger um politische Hintergründe.

Weshalb passiert so etwas in Stuttgart? Solche Szenen kennt man allenfalls aus Hamburg oder Berlin...

Tatsächlich geht es in Stuttgart normalerweise etwas beschaulicher zu, als in den Millionenstädten. Doch man hat früher schon Proteste erlebt, etwa gegen das Bahnprojekt «Stuttgart 21». Allerdings war das eine völlig andere Klientel als diesmal.

Es scheint um Party und soziale Medien zu gehen, mit denen man sich selbstdarstellt.

Jetzt scheint es eher um Party und soziale Medien zu gehen, mit denen man sich schnell organisiert und sich selbst darstellt – so etwas kann jetzt offenbar auch in Stuttgart vorkommen.

Demoliertes Geschäft, Personen darin und davor.
Legende: Bei den Ausschreitungen am Samstag kam es auch zu Plünderungen. Keystone

Inwiefern haben die sozialen Medien denn zu den Krawallen beigetragen?

Das ist noch recht diffus – auch wenn es scheint, dass das Ganze ein Phänomen sozialer Medien zu sein scheint. Vielleicht überschneidet es sich jetzt mit der «Black Lives Matter»-Diskussion, denn es gab solche Kundgebungen auch in Stuttgart.

Bei Antirassismus-Protesten kam es hin und wieder zu Zusammenstössen mit der Polizei.

Auch bei diesen gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt gerichteten Protesten kam es hin und wieder zu Zusammenstössen mit der Polizei. Doch das Thema scheint am Samstag nicht im Vordergrund gestanden zu haben. Allerdings ist es möglich, dass es auch in Stuttgart bei Personenkontrollen ruppiger zugeht, wenn die Kontrollierten andere Hintergründe haben als die Polizisten selbst.

Merkel verurteilt Gewalt

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat die Krawalle scharf verurteilt. Die Szenen seien laut ihrem Sprecher «abscheulich» gewesen und mit nichts zu rechtfertigen. Sie seien gegen die Stadt und ihre Bürger gerichtet gewesen.

Merkels Sprecher dankte zugleich der Polizei. Die deutsche Regierung wisse sehr wohl, was die Polizisten tagtäglich leisteten. Den Verletzten wünschte Seibert baldige Genesung.

Laut Polizei kann man die Randalierer nicht politisch verordnen. Gibt es in Stuttgart keine sozialen oder politischen Brennpunkte?

Stuttgart ist eine recht wohlhabende Stadt. Klassische Brennpunkte, wie man sie aus anderen Städten kennt, gibt es im Grunde nicht. Zwar ist der Anteil an Migranten unter den Einwohnerinnen und Einwohner mit einer der höchsten Deutschlands, aber das war bislang kaum ein Problem. Stuttgart versteht sich als Stadt, in der dies auch kein Problem sein darf.

Die Stimmungsmache der rechten Parteien hat begonnen.

Allerdings gibt es auch hier Parteien – allen voran die rechte AfD – die aus den Vorkommnissen von Samstagnacht Kapital zu schlagen versuchen. Sie sprechen von einer Vermischung von Migranten-Milieus und Linksextremisten. Das scheint so wohl nicht zu stimmen, doch die Stimmungsmache hat begonnen – auch in den sozialen Medien.

Das Gespräch führte Susanne Stöckl.

Stuttgarts Schadensbilanz

Nach den Strassenschlachten in Stuttgart geht die Polizei davon aus, dass ein Millionenschaden entstanden sein könnte. Er gehe von einem sechs- bis siebenstelligen Betrag an Sachschäden aus, sagte der Polizei-Vizepräsident in einem Interview .

In der Nacht auf Sonntag hatten hunderte Personen in der Stuttgarter Innenstadt randaliert- und teils Geschäfte geplündert. 19 Polizisten wurden verletzt. Die Polizei nahm 24 Personen fest. Sie kommen aus der Party-Szene.

Video
Gewaltausbruch gegen die Polizei in Stuttgart
Aus Tagesschau vom 21.06.2020.
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SRF 4 News aktuell vom 22.6.2020, 10.20 Uhr;

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    "Das scheint so wohl nicht zu stimmen" - der Leser darf von seriösen Medien wohl erwarten, dass so ein Satz in so einem gewichtigen Theman nicht erscheint. Es weist an mangelhafte Recherche und Vorurteile hin. @SRF steht nun in der Schuld, diesen Satz abzuklären und richtig zu stellen. Welche Kreise sind nun für die Krawalle verantwortlich?
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  • Kommentar von Jennifer Müller  (spliffstar17)
    Die "Nazikeule" hat erfolgreich dazu geführt, dass nichts mehr beim Namen genannt wird. Wenn eine Tätergruppe nicht beim Namen genannt wird, setzt das zwei falsche Zeichen. Erstens erhalten diese das Gefühl alles tun und lassen zu können. Zweitens wird der Bevölkerung wichtige Informationen vorenthalten. Damit wird das Problem unterdrückt und das Eskalationspotential wächst. Von zu weit rechts, nach zu weit links, endet wiederum rechts!
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  • Kommentar von Hubert Hansel  (Law and order)
    Vollmundig verkünden deutsche Politiker: 'Wir werden sie zur Rechenschaft ziehen'.
    Da darf man gespannt sein. Hat ja auch damals nach der Sylversternacht in Köln oder nach den G20-Krawallen in Hamburg wunderbar geklappt.
    Angriffe gegen Polizisten, (schwerer) Landfriedensbruch etc. werden kaum geahndet.
    Ob die Befürworter liberaler Einwanderungspolitik und Toleranz gegenüber linken Gewaltexzessen selbstkritisch und lernfähig sind darf bezweifelt werden.
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