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Neue alte Heimat in Ghana
Aus Echo der Zeit vom 06.05.2021.
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Auswanderer aus den USA Die Sehnsucht nach einem besseren Leben in Afrika

Ghana wirbt um schwarze US-Amerikaner. Diese kommen auf der Suche nach ihren Wurzeln – und einige bleiben für immer.

Tiffany Howard steht in der Küche und es fliesst kein Wasser aus dem Hahn. «Die Infrastruktur ist die grösste Herausforderung in Ghana», sagt die 35-jährige US-Amerikanerin. Doch auch kulturell ist vieles anders auf afrikanischem Boden: «Einmal ging ich in einem sehr engen Kleid aus. Alle starrten mich an, eine Bekannte grüsste mich nicht einmal mehr.» Unterdessen kleidet sich Tiffany dezenter. «Eigentlich bin ich nicht so konservativ, doch ich passe mich an.»

Ghanas Jahr der Rückkehr

Afrika faszinierte Tiffany schon immer. In einem Chatroom einer ghanaischen Radiostation lernte sie einen Ghanaer aus Deutschland kennen, er zog zu ihr nach Philadelphia und die beiden heirateten. 2010 beschlossen sie, nach Ghana zu ziehen.

Tiffany Howard.
Legende: Viele schwarze Amerikaner suchen ihre Wurzeln auf Reisen in Afrika. Doch manche Afroamerikanerinnen verlassen die USA gleich ganz – in der Hoffnung auf ein besseres Leben, auf weniger Diskriminierung. Eine von ihnen ist Tiffany Howard. Samuel Burri/SRF

Die ghanaische Regierung hat die Sehnsucht der Afroamerikaner nach ihren Wurzeln erkannt und ruft diese nun in Kampagnen offiziell zur «Rückkehr» auf. Vor zwei Jahren wurde gar das «Year of return» für Nachkommen afrikanischer Sklaven ausgerufen. Das kurbelte den Tourismus an. Doch die Rückkehrer sind auch als Einwanderer und Investoren willkommen.

Für schwarze Amerikaner ist alles schwieriger: Bankgeschäfte, Kredite, Autokauf... Alltägliche Sachen sind in den USA mühsam – nur weil wir schwarz sind.
Autor: Asha BoakyeUS-Emigrantin in Ghana

Einige der Touristen sind inzwischen dauerhaft nach Ghana gezogen. Die Kampagne der Regierung geht weiter – offizielle Zahlen dazu gibt es aber nicht.

Das Leben in Westafrika sei weniger stressig, sagt Asha Boakye. Die Freundin von Tiffany ist auch eine US-Emigrantin. Etwa bei Begegnungen mit der Polizei: «Ich habe hier keine Panikattacken mehr, wenn ich einen Polizisten sehe. Das gibt mir mehr Lebensqualität.» Asha lebt seit sieben Jahren in Ghana und führt eine Lastwagenvermietung. Das wäre in ihrer Heimat nicht möglich gewesen, sagt sie: «Für schwarze Amerikaner ist alles schwieriger: Bankgeschäfte, Kredite, Autokauf... Alltägliche Sachen sind in den USA mühsam – nur weil wir schwarz sind.»

Medienwirksame Einbürgerung

Auch Tiffany erzählt davon, wie die Polizeigewalt in den USA sie noch immer beschäftigt – ihr Bruder lebt in den USA. Ihre Mutter ist Tiffany mittlerweile nach Accra nachgefolgt. Hier ist das Leben zwar weniger komfortabel als in den USA, dafür um einiges günstiger. Tiffany hält ihre Familie mit der Arbeit als freischaffende Texterin für US-Unternehmen über Wasser.

Tiffany Howard
Legende: Neben Tiffany Howard (hier mit ihrer Tochter auf dem Markt) zieht es auch andere Afroamerikanerinnen und -amerikaner in die Heimat ihrer Ahnen. Diesen Trend hat Ghanas Regierung erkannt und wirbt nun aktiv um Rückkehrer. Samuel Burri/SRF

Ghana ist für Tiffany zur neuen Heimat geworden. «Ich habe einen neuen Teil meiner Identität entdeckt», erklärt sie. Vor eineinhalb Jahren wurde Tiffany in Ghana eingebürgert, in einer medienwirksamen Zeremonie zusammen mit über hundert anderen Amerikanern. «Das war aufregend, ich durfte dem Präsidenten die Hand schütteln.»

Wie Tiffany haben viele schwarze Amerikaner auf der anderen Seite des Atlantiks ein neues Zuhause gefunden.

Ghana und die Nachkommen der Sklaven

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Ghana war lange der grösste Sklavenumschlagplatz Afrikas. Bis heute erinnern mächtige Burgen an Ghanas Küste an die dunkle Epoche der Sklaverei. Viele Afroamerikaner, die mittels Gentests ihre Herkunft ermitteln, finden heraus, dass ihre Wurzeln in Ghana liegen.

Ghanas Regierung versucht, das Potential der Schwarzen in den USA zu nutzen. Bereits seit 20 Jahren haben darum Afroamerikaner in Ghana das Niederlassungsrecht. Mit den «Return»-Kampagnen ab 2019 spricht Ghana gezielt Afroamerikaner an – unter den Touristen fanden sich auch Prominente wie Naomi Campbell oder Idris Elba.

Die Zahl der Ghana-Reisenden nahm 2019 auf über eine Million zu – ob dank der «Return»-Kampagne, ist unklar. Seit 2020 ist der Tourismus wegen der Corona-Krise massiv eingebrochen.

Echo der Zeit, 06.05.2021, 18:00 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Afrika ist zweifelsohne ein faszinierender und mit zahllosen Naturwundern gesegneter Kontinent. Allerdings habe ich auch nie und nirgends derat krassen und direkten Rassimus und Sexismus erlebt, wie in versch. Ländern Afrikas. Und zwar von den afrikanischen Nationalitäten und Stämmen untereinander, o. gegen Weisse. Zusammen mit patriarchalem Clan- u. Stammesdenken eine explosive Mischung. Ruanda noch ein Begriff, oder die Situation von Nigerianern oder weissen Farmern in Südafrika? Super woke.
  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    Naja, vielleicht sollte in dem Zusammenhang auch über das Reich der Ashanti geredet werden. Grosser Wohlstand, faszinierende Geschichte. Ghanaer erklärten mir aber auch offen und ehrlich, dass unterlegene Völker versklavt wurden und an den Barbareskenstaat und später an den weissen Mann verkauft wurden. Ich bewerte dies nicht, ist einfach Fakt und zeigt die facettenreiche u. in Europa kaum betrachtete Geschichte Ghanas.
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Frau Mathys, ich denke wir in Europa haben allgemein keine grossen geschichtlichen Kenntnisse der afrikanischen Völker. Denn auch diese sind dermassen unterschiedlich wie die europäischen.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Zitat„Für schwarze Amerikaner ist alles schwieriger: Bankgeschäfte, Kredite, Autokauf... Alltägliche Sachen sind in den USA mühsam – nur weil wir schwarz sind.“- Ja, das ist doch offensichtlich, dass es diesen Rassismus und Diskriminierung in den USA gibt - immer noch nach hunderten von Jahren, schändlicherweise. Dann gibt es sogar Leute in der Schweiz (Rechtsnationalisten), die diesen Rassismus leugnen und nicht ablehnen. -So ist diesen nach Ghana Rückkehrenden viel Glück zu wünschen.
    1. Antwort von Marc Blaser  (PrCh)
      Sie werden auch nie ein Land vorfinden, wo kein Rassismus vorkommt. Vorallem nicht in Zeiten der Globalisierung. Selbst in Afrika sind Schwarze gegenüber noch dunkleren rassistisch.
      Das ist leider eine Tatsache, welche die Menschheit wohl für immer begleiten wird. Wie z.B. auch Kriege...
    2. Antwort von Andreas Meier  (Epikur)
      Zur Zeit der Ottomanen, Berber, der muslimischen Expansion nach Europa bis vor Wien und danach während des Korasaren-Terrors im Mittelmeer wurden auch Millionen Weisse versklavt und in den Orient verschleppt und verkauft. Und das ist nur die jüngere Geschichte, interessiert aber keinen, weil es ja nicht dem Narrativ des bösen weissen Unterdrückers dient. Ich bin für ungeschönte historische Objektivität, für alle, nicht nur die "richtige" Hautfarbe, sonst passieren die gleichen Fehler wieder.