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International Autonomierechte für die Krim als Lösung?

Zerreissprobe in der Ukraine: Auf der Krim droht eine blutige Konfrontation zwischen prorussischen und prowestlichen Extremisten, Russland provoziert mit Militärmanövern. Der Moskauer Publizist Alexander Sambuk glaubt aber nicht an ein militärisches Eingreifen Russlands.

SRF: Wie gefährlich schätzen Sie die Lage zurzeit auf der Krim ein?

Alexander Sambuk: Die Lage ist sehr gefährlich. Während in Kiew eine neue Regierung gebildet werden soll, zeigt sich die Krim mit jeder Stunde militanter gegenüber den neuen Machthabern in Kiew.

Russland hat seine Schwarzmeerflotte sowie Truppen auf der Krim stationiert. Glauben Sie an ein militärisches Eingreifen der Russen in der Ukraine?

Ich persönlich und auch viele Beobachter hier in Moskau gehen nicht davon aus. Dafür gibt es ganz pragmatische Gründe: Durch einen militärischen Angriff würde Moskau viel Ansehen in der internationalen Arena verlieren. Zudem würde es für Russland fast unmöglich, die Ukraine in seiner Umlaufbahn zu halten. Denn ein Eingreifen der Russen würde viele jetzt untereinander zerstrittene Oppositionsgruppen in der Ukraine einigen gegenüber der russischen Gefahr.

Kann der aktuelle Konflikt auf der Krim die Ukraine als Staat spalten in einen russischen Osten und einen europäischen Westen?

Theoretisch ja. Vieles hängt davon ab, welchen Kurs die neuen Machthaber gegenüber dem Osten und der Krim einschlagen werden. Ich glaube das beste Rezept, um die Probleme zu entschärfen, wäre die Suche nach einem Konsens – zumindest bis zu den Präsidentenwahlen im Mai. Die Krim müsste mehr reale Autonomierechte erhalten – etwa, dass die Bürger von Sewastopol einen Bürgermeister selber wählen können und für den Posten nicht ein Gesandter aus Kiew eingesetzt wird.

Demonstration in Simferopol vom 26.Februar - viele ukrainische Flaggen im Hintergrund, im Vordergrund streckt ein Demonstrant ein russisches Fähnchen in die Höhe.
Legende: Auf der Krim steht die nächste Zerreissprobe an. Reuters

Hat die Übergangsregierung unter dem designierten Übergangspräsidenten Arseni Jazenjuk überhaupt die Kraft, die Ukraine zu einigen und alle die gewaltigen Probleme zu lösen?

Die Regierung ist überfordert, wenn man von ihr alleine die Lösung der politischen und der grossen Wirtschafts- und Finanzprobleme erwartet. Andere Politiker, wie etwa Übergangspräsident Olexander Turtschinow, müssen ihr einen Teil der Last abnehmen und politische Verhandlungen mit potenziellen Abspaltregionen wie der Krim in ihre Hände nehmen.

Das Interview führte Daniel Hofer.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Ob sich die EU bewusst ist, welche wohlbekannte Geister nun geweckt wurden. Ich glaube nicht. Ich bin lediglich froh, das wir Schweizer nicht Teil dieser EU ist. Das da wird nicht nur als "militärisches Säbelrasseln" sein und bleiben, da wurde klar eine "rote Linie" klar aufgezeigt. Die EU und USA tun gut daran, dies sehr ernst zu nehmen und jegliche weitere Ausdehnung ihrer Einfluss-Zone(n) nach Osten zu unterlassen. Das gibt nur Zoff !
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  • Kommentar von R.Anderegg, Zürich
    Wiederholt sich Jugoslawien in der Ukraine/Krim?? Was ist mit Schottland, Flandern, Katalonien und dem Baskenland??
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      R.Anderegg, Zürich - Es kann eher mit den sog. Krimkriegen vor rund 100 Jahren verglichen werden. Damals versuchten die Europäer die Russen zurückzudrängen. Heute jedenfalls ist diese Region für Russland seit jeher auch ein ur-vitaler Interessen-Hinterhof. Da ist mit allerhand zu rechnen. NB: Die Schwarzmeerflotte der Russen darf nicht unterschätzt werden.
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    1) Die "Die Presse" (Österreich) hat den Fraktionsvorsitzenden der ehemaligen Regierungspartei Alexander Jewremow interviewt. Dieser berichtete von "politischen Druck" gegenüber seiner Partei und sagte auch: " Die Angst geht um. Ehefrauen und Kinder werden eingeschüchtert. Eigentum zerstört".
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