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Angriff auf den Champs-Elysées Beeinflusst der Anschlag in Paris die Wahlen?

Nur drei Tage vor der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen kommt es in Paris zu einer tödlichen Attacke auf Polizisten. Doch kein Kandidat wird davon profitieren können, sagt SRF-Korrespondent Charles Liebherr.

Legende: Audio Einschätzung von Frankreich-Korrespondent Charles Liebherr abspielen. Laufzeit 04:36 Minuten.
04:36 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.04.2017.

SRF News: Charles Liebherr, was bedeutet dieser Anschlag für die Wahlen?

Charles Liebherr: Dieser hat natürlich eine Auswirkung auf den Wahlgang am Sonntag. Wahrscheinlich wird es die Wählenden zusätzlich mobilisieren. Die bisherigen Wahlumfragen zeigten, dass eine ungewöhnlich hohe Zahl an Bürgern sich noch nicht sicher war, ob sie stimmen gehen und wem sie ihre Stimme geben soll. Nach diesem Anschlag würde es mich nicht überraschen, wenn die Wahlbeteiligung wieder etwa gleich hoch sein wird wie bei früheren Wahlen. Das heisst, dass dann rund 80 Prozent der Französinnen und Franzosen teilnehmen werden.

Gibt es Kandidaten, denen dieser Anschlag in die Hände spielt?

Ich glaube nicht, dass es Kandidatinnen und Kandidaten gibt, die von diesem Anschlag profitieren können. In den letzten Wochen und Monaten gab es ja mehrere gezielte Attacken auf Sicherheitskräfte in Frankreich, etwa am Flughafen in Orly, im Louvre oder auch anderswo. Solche Anschläge sind in Frankreich leider nichts Aussergewöhnliches mehr. Weil das eine triste Realität geworden ist, sprechen auch alle Kandidaten in dieser Frage fast die gleiche Sprache. Alle sind sich einig, dass Militär und Polizei mehr Mittel erhalten sollen. Die Budgets für die Geheimdienste wurden bereits massiv erhöht. Darum kann sich nicht eine Kandidatin oder ein Kandidat besonders profilieren.

Solche Anschläge sind in Frankreich leider nichts Aussergewöhnliches mehr.

Sie denken nicht, dass das der Nationalistin Marine Le Pen Aufwind gibt?

Man kann das natürlich nie im Voraus sagen, aber die heutigen Wahlkampfveranstaltungen wurden von allen Kandidaten abgesagt. Das heisst, die Kampagne geht nun einen Tag früher zu Ende als geplant. Es ist schwer, in diesem Umfeld Prognosen zu wagen, ob und welche Auswirkungen das hat.

Als der Anschlag am Abend geschah, traten die Kandidaten gerade im Fernsehen auf. Was für Reaktionen gab es?

Legende: Video Die Kandidaten äussern sich live abspielen. Laufzeit 01:54 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 21.04.2017.

Erst gegen Ende der Sendung konnten die Kandidaten überhaupt auf den Anschlag reagieren. Man hat beobachten können, was ich beschrieben habe: Man ist sich weitgehend einig, dass der Terrorismus mit mehr Mitteln und zusätzlichen Kompetenzen für Sicherheitsbehörden bekämpft werden soll. Und natürlich haben auch alle Kandidaten das Publikum zu beruhigen versucht. Sie haben betont, dass sie grösstes Vertrauen haben in Polizei und Justiz, und dass die Sicherheit, insbesondere am kommenden Wahltag, gewährleistet bleibe. Das grösstmögliche Aufgebot wird dann im Einsatz sein. Mehr als 50'000 Polizisten sollen diesen Wahltag sicher machen.

Mehr als 50'000 Polizisten sollen diesen Wahltag sicher machen.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

Charles Liebherr

Charles Liebherr

Seit 2014 ist Charles Liebherr Frankreich-Korrespondent von Radio SRF. Er studierte in Basel und Lausanne Geschichte, Deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft sowie Politologie. Davor war er beim Schweizer Radio unter anderem als Wirtschaftsredaktor tätig.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Beutler (Peter Beutler)
    Weder LePen noch die anderen Kandidaten werden davon profitieren. Dass die rechten Hassprediger_innen es gleich als Wahlkampfmunition einsetzen, liegt auf der Hand. Das haben sie in Deutschland im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund auch getan.Der Täter war ein gewöhnlicher Krimineller! Beim Anschlag in Paris, könnte das auch zutreffen Jedenfalls: Auch nach diesem Vorfall hat LePen nicht die geringsten Chancen auf das französische Präsidentenamt.
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  • Kommentar von Armin Hug (Hugi)
    In anderen Medien werden Abstammung und Vorstrafen des Täters erwähnt. Ich denke schon, dass Marine Le Pen davon profitieren wird.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      ...eben, in anderen Medien wird offenbar noch alles berichtet....! Es fraegt sich nur noch wie lange, bis auch da das Verscheigende und Zensurierende zuschlägt.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Es stimmt, was fettgedruckt im Artikel-Vorspann steht: Kein "Kandidat" kann von diesem Anschlag auf einen Polizisten profitieren! Aber eine "Kandidatin" ganz sicher! Ich bin überzeugt: Eine Mehrheit der Franzosen(innen) hat längst genug von dieser gefährlichen, unübersichtlich und brutal gewordenen "Multikulti-Gesellschaft" in Frankreich und wählt halt Marine Le Pen! Hätten die etablierten "alten" Parteien schon lange auf die Stimmung im Land gehört und gehandelt, hätte Le Pen keine Chance!
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