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Neue Flaggen-Verordnung in Grossbritannien
Aus Rendez-vous vom 07.04.2021.
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Beflaggung bei den Briten Flaggen-Pflicht sorgt für Unmut im Königreich

Neu soll die britische Flagge das ganze Jahr über täglich gehisst werden. Das stösst den Schotten wie auch den Iren auf.

Der Wunsch nach Unabhängigkeit im Vereinigten Königreich ist gewachsen. Aus diesem Grund will die britische Regierung künftig buchstäblich mehr Flagge zeigen. Die Änderung trägt den harmlosen Titel: «Revision der Verordnung über die Beflaggung von Regierungsgebäuden».

Bisher war die Regel recht einfach: Der Union Jack wird an nationalen Feier- und Gedenktagen gehisst, sonst bleibt die britische Flagge im Schrank. Neu sollen die Gebäude im Land nun aber täglich dekoriert werden, schreibt der Kulturminister Oliver Dowden: «Die britische Flagge vereint uns als Nation.»

Die Bürgerinnen und Bürger würden aus diesem Grund zu Recht erwarten, dass sie auf allen Gebäuden der britischen Regierung weht, so Dowden. «Der Union Jack soll deshalb künftig jeden Tag gehisst werden, als stolze Erinnerung an unsere Geschichte und die Banden, die uns verbinden.»

Bei mehr als drei Masten wirds kompliziert

Wie das geschehen soll, wird mit bürokratischer Liebe zum Detail ebenfalls ausgeführt: Wenn ein Regierungsgebäude nur über einen Flaggenmast verfügt, sollte die britische Fahne täglich gehisst werden. Wenn das Gebäude über mehr als einen Flaggenmast verfügt und zwei Flaggen gehisst werden, muss die britische Flagge immer in der höheren Position gehisst werden.

Dies ist entweder:

  • der höchste Flaggenmast
  • der mittlere Flaggenmast, wenn es eine ungerade Anzahl von Masten mit gleicher Höhe gibt, oder;
  • der linke mittlere Flaggenmast von der Vorderseite des Gebäudes aus gesehen, wenn es eine gerade Anzahl von Masten mit gleicher Höhe gibt.

Die ministerielle Instruktion könnte den einen oder anderen britischen Hausabwart wahrscheinlich noch ins Grübeln bringen. Rundum glücklich macht sie dagegen Sir John Hayes, einen konservativen Abgeordneten.

John Hayes
Legende: Der Abgeordnete John Hayes war ein harter Verfechter des Austritts Grossbritanniens aus der EU. Reuters

«Der Zweck der ganzjährigen Beflaggung ist es, die Menschen zu vereinen, ein Zeichen für unsere gemeinsame nationale Identität zu setzen», so Hayes.

Dieses Gemeinschaftsgefühl sei wichtig für das harmonische Zusammenleben im Königreich. «Gerade in einem Zeitalter, in dem Gesellschaften immer mehr durch ideologische Gräben gespalten werden, muss das Verbindende betont werden. Flaggen sind das Symbol einer gemeinsamen Zugehörigkeit.»

Heikles Thema in Nordirland

Ob das klappt, ist fraglich: In Schottland, Irland und Wales sind die Banden der Zugehörigkeit nämlich längst fadenscheinig geworden. Der Brexit hat die Entfremdung von London und die damit verbundenen Unabhängigkeitsträume zusätzlich vergrössert.

Schottlands Nationalpartei SNP kommentiert die neue Verordnung denn auch kurz und deutlich: «Wenn die Tories denken, dass ein Wald von Union Jacks auf Gebäuden die Antwort sei, um den Zusammenhalt im Vereinigten Königreich zu fördern, so zeigt das lediglich, wie dünn ihre Argumente sind.» In Nordirland soll die Verordnung schon gar nicht erst gelten.

Denn dort ist das Hissen von Flaggen keine dekorative Nebensächlichkeit, sondern ein sensibles Thema, das bei Nationalisten und bei Unionisten ziemlich rasch zu unerfreulichen Reaktionen führen kann.

Die Aufforderung aus London, Flagge zu zeigen, dient deshalb wohl weniger dazu, das zerfransende Königreich zusammenzuhalten. Viel eher wird die Verordnung den Geduldsfaden der Separatisten strapazieren.

Rendez-vous, 07.04.2021, 12:30 Uhr

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Die (ausländischen) Brexitgegner sind noch immer dermassen gekränkt, dass sie dem Vereinigten Königreich nicht einmal mehr das Flaggen hissen gönnen.
    Ich denke, dass die vielgelobte EU auch ein Flaggenreglement hat – nur das dieses höchstwahrscheinlich mehr als die 3 britischen Punkte umfasst...
    Alle Brexitbefürworter haben gewiss nichts gegen dieses neue Reglement, womit dieses demokratisch legitimiert ist und somit akzeptiert werden muss. Was Ausländer darüber denken ist so etwas von egal...
  • Kommentar von willi mosimann  (willi mosimann)
    Johnson wird als Gründer des neuen little Britain in die Geschichte eingehen. GB wird zerfallen und die meisten Länder werden sich wieder der EU anschliessen. Knieschuss sagt man dem.
    1. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      Ob es so kommen wird darf bezweifelt werden. Vorher zeigen sie der Welt wie man sich vor Corona schützt, selber einen Impfstoff entwickelt und den Rest der Welt abhängt. Die beiden als Populisten verschrieenen Politiker Trump und Johnson haben jedenfalls - jeder in seinem Land - mehr erreicht als die gesamte EU. Der Knieschuss hat sich hier wieder einmal die EU selber verpasst.
    2. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Naja, Donald Trump hat die Nation gespalten und ist wegen einer verfehlten Coronapolitik nicht mehr gewählt worden. BJ wurde erst durch Schaden klug.
    3. Antwort von Thomas Schuetz  (Sürmel)
      Träumen sie weiter, Herr Mosimann. England wird der ganz große Gewinner sich sein vom Brexit.
    4. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      @Mosimann: Die EU hat bereits begonnen zu zerfallen, das UK besteht noch immer.
      Lieber ein "Little Britain" oder "Little Switzerland" (das beliebteste EU-Auswanderungsland) als eine "Big EU".
    5. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      GB wird der ganz große Gewinner sein? Der Ausstieg des Landes bedeutet für britische Firmen einen radikalen Bruch. Sie müssen sich neu aufstellen, oder das Geschäft über den Ärmelkanal ganz aufgeben. Die vielen kleinen Einbussen summieren sich zu einem volkswirtschaftlichen Schaden, der das Land laut der Bank of England langfristig vier Prozentpunkte Wachstum Kosten wird.
  • Kommentar von Walter Winteler  (Wiwa 54)
    Seit es Menschen gibt, kämpfen sie gegeneinander. Vielleicht würde es einfacher, wenn wir alle die gleiche Sprache sprechen würden. Vielleicht auch, wenn wirklich alle die gleichen Grundvoraussetzungen bei der Geburt haben. Das hat die Welt verpasst und wurdest auch weiterhin nicht geben. Die Geschichten der jeweiligen Entwicklung der Staaten in dieser Welt ist derGrund. Kaum ein Land der 20 vermögendsten Länder, wird auf die Hölfte des Bruttosozialprodukts berichten wollen. Kurz: geht gar nicht