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Berlins Bürgermeister tritt ab Kanzler Merz und die Märchen des Berliner Bürgermeisters

Am 3. Januar ging in Berlin das Licht aus. Bürgermeister Wegner tat zu lange zu wenig. Jetzt will er sein Amt abgeben.

Im Januar ist es in Berlin sowieso immer dunkel und kalt. An diesem 3. Januar allerdings war alles noch viel schlimmer. Linksextreme zerstörten Teile des Berliner Stromnetzes – in mehreren Stadtteilen ging das Licht ganz aus, Heizungen waren tot, Menschen froren, für viele Ältere eine grosse Gefahr für Leib und Leben. Stimmung und Wohnzimmertemperatur: unter Null.

In solchen Momenten schlägt in der Regel die Stunde der Krisenmanager, der Problemlöserinnen. Dafür zuständig in Berlin: Kai Wegner, regierender Bürgermeister der Kanzlerpartei CDU. Doch der tat zunächst mal: wenig bis nichts.

Statt die Krise zu managen, tippte Wegner SMS

So stellte sich später heraus: Statt der Bevölkerung zu helfen, Lösungen zu organisieren, ging Wegner über Mittag Tennis spielen, um «den Kopf zu lüften», wie er unter Druck zugeben musste. Wegner schlug eine Welle der Empörung entgegen. Zunächst erklärte Wegner, er habe den ganzen Tag mit Krisentelefonaten zu Hause verbracht und sich ab 08:08 Uhr pausenlos als Katastrophenmanager betätigt.

Person mit Brille und Anzug.
Legende: Wegner zieht die Konsequenzen. Bei der Wahl im September tritt er nicht mehr an. Keystone / SEBASTIAN GOLLNOW

Nun stellt sich das auch als Lüge heraus – erstmals telefonierte Wegner erst nach Mittag, um 12:45 Uhr, mit SPD-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey – kurz vor seinem Tennis-Plausch. Der Berliner «Tagesspiegel» erzwang diese Information auf dem Rechtsweg. Immerhin, sagte Wegner, habe er schon morgens «Textnachrichten» geschrieben, seine Erinnerung habe da leider ein paar Lücken gehabt.

Zuerst also das mit dem Tennis, dann die nicht geführten Telefongespräche: Zweimal sagte Wegner die Unwahrheit. Heute zog er die Konsequenzen. Bei der Wahl im September tritt er nicht mehr an.

Jetzt hat Kanzler Merz ein Problem

«Dit is Berlin», könnte man nun sagen, eine dysfunktionale Stadt, in der die Bürgerinnen und Bürger sowieso nichts mehr vom Staat erwarten. Doch die Krise könnte auch Bundeskanzler Friedrich Merz schaden. Berlin ist ein Stadtstaat, in der Länderkammer vertreten wie die grossen Bundesländer – wenn auch mit weniger Stimmkraft. Verliert Merz den Berliner Bürgermeister, bricht ihm auch bundespolitisch eine wichtige Stütze weg.

Es war schon eine riesige Überraschung, dass es die CDU in der jahrelang links regierten Stadt Berlin an die Macht schaffte – notabene nach einer Wahl, die zuerst im Chaos versank und dann wiederholt werden musste. (Berlin halt). Für die CDU geht es nun darum, für Wegner einen neuen Spitzenkandidaten zu suchen – elf Wochen dauert es noch bis zur Wahl.

Die Berliner CDU im Gefrierprozess

Wenn es für Merz und die CDU gut geht, war der Rücktritt Wegners einer in letzter Minute – in einem Moment, in dem ein neuer Kandidat oder eine neue Kandidatin noch eine Chance hat. Doch eine Persönlichkeit mit Strahlkraft ist weit und breit nicht in Sicht.

Und so ist es wahrscheinlich, dass es am 3. Januar nicht nur in Berlin kalt wurde, sondern auch in der CDU der Gefrierprozess begann. Der Kanzlerpartei wurde der Stecker gezogen – unter gütiger Mithilfe des eigenen, im Amt offenbar heillos überforderten Bürgermeisters Kai Wegner.

SRF 4 News, 10.07.2026, 17:00 Uhr; schn;noes

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