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Nach tagelangem Stromausfall Stromversorgung in Berlin wieder angelaufen

  • Nach dem tagelangen grossflächigen Stromausfall in Berlin ist die Energieversorgung für das betroffene Gebiet im Südwesten der deutschen Hauptstadt wieder angelaufen.
  • Schrittweise sollten in den nächsten Stunden sämtliche Haushalte wieder Strom haben, teilte ein Sprecher der Stromnetzgesellschaft des Bundeslandes, Stromnetz Berlin, mit.
  • Bürgermeister Kai Wegner spricht von einem «guten Tag für die vielen Betroffenen».

Im Verlauf des Vormittags wurden kritische Einrichtungen wie Kliniken und Pflegedienste informiert, dass der Strom bald wieder fliessen könne. Per Warnsystem wurden auch die Verbraucherinnen und Verbraucher aufgefordert, Notstromaggregate vom Netz zu nehmen, um Schäden zu vermeiden.

Im Laufe des Tages sollte die Versorgung in sämtlichen Haushalten stabil laufen. Die Behörden riefen die Menschen auf, unmittelbar nach der Zuschaltung zum Stromnetz keine Geräte mit starkem Stromverbrauch zu benutzen. Genannt wurden beispielsweise Waschmaschinen, Wäschetrockner, Wasserkocher, Heizlüfter oder Ladestationen für E-Fahrzeuge.

Zwei Männer in Leuchtwesten tragen Material hinter ein Zelt.
Legende: Mitarbeiter der HAN Netzbau GmbH tragen auf dem Gelände eines Umspannwerkes Material hinter ein Zelt. Keystone/DPA/Sören Stache

Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45'000 Haushalte und 2200 Unternehmen ohne Strom. Nach Angaben von Wegner waren insgesamt rund 100'000 Menschen von dem Blackout betroffen.

Bundesanwaltschaft ermittelt

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Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernahm inzwischen die Ermittlungen. Aus Sicht der obersten deutschen Strafverfolgungsbehörde besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe.

Der Stromausfall war den Angaben zufolge der längste der Nachkriegsgeschichte in der Hauptstadt. Fachleute des landeseigenen Netzbetreibers Stromnetz Berlin und von ausserhalb arbeiteten seit Samstag fieberhaft an zwei Stellen an zwei verschiedenen Varianten, um die Versorgung wiederherzustellen. Die Rede war von sehr komplizierten Arbeiten.

Grossschadenslage ausgerufen

Nach dem neuen Brandanschlag hatte Berlin am Sonntag eine sogenannte Grossschadenslage ausgerufen – auch um bei der Bewältigung der Folgen schneller Hilfe vom Bund anfordern zu können.

In Notunterkünften und anderen Anlaufstellen konnten sich Menschen aufwärmen, Handys laden, etwas trinken und essen.

Mutmassliche Täter aus linksextremem Spektrum

Die Ermittlungen zu den Tätern gehen schleppend voran. Die Polizei spricht von sehr umfangreicher Tatortarbeit. Zuvor bekannte sich die «Vulkangruppe» in einem von Berlins Innenverwaltung als authentisch eingestuften Schreiben zu dem Anschlag. Die Gruppe ist den Ermittlern bereits länger bekannt.

Laut SRF-Korrespondent Stefan Reinhart ist die sogenannte kritische Infrastruktur in Deutschland derzeit viel zu wenig geschützt. Die Regierung Merz plane zwar dieses Jahr ein verbessertes Gesetz, doch angesichts all der Bedrohungen aus dem In- und Ausland seien viele skeptisch und glaubten nicht, dass Deutschland seine Sicherheitslage bald und effektiv verbessern könne.

Inzwischen berichteten mehrere Medien über ein zweites Bekennerschreiben der mutmasslichen Täter. In dem Schreiben wurden die Spekulationen rund um eine Beteiligung ausländischer Akteure zurückgewiesen. Zuletzt kursierte in sozialen Medien die These, Russland könne hinter dem Anschlag stecken.

Politik spricht von Terrorismus

Wegner und Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) stufen den Anschlag als Terrorismus beziehungsweise als «Linksterrorismus» ein. Die Täter hätten bewusst und wissentlich in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kommen.

Tagesgespräch, 06.01.2026, 13 Uhr ; 

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