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Bersets Kritik an der WM Was bedeutet die Intervention des Europarats für die Fifa?

Die Fussball-WM hat den Europarat auf den Plan gerufen. Generalsekretär Alain Berset verlangt Massnahmen gegen die politische Einflussnahme auf den Fussball-Weltverband, gegen rassistische Beleidigungen und die Ausbreitung von Sportwetten im Stadion. Inlandredaktor Philipp Schrämmli ordnet diese Forderungen ein.

Philipp Schrämmli

Inlandredaktor

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Philipp Schrämmli ist Inlandredaktor und arbeitet seit 2017 für Radio SRF. Er studierte an der Universität Basel Philosophie und Rechtswissenschaften. Seine Fachgebiete sind Gesellschaft, Justiz, Extremismus, Medien und Sportpolitik.

Was bedeutet diese Intervention?

Der Europarat, der sich sonst für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit einsetzt, hält es offenbar für nötig, die Vorgänge bei der Fifa zu kommentieren. Das ist schon bemerkenswert. Alain Berset spricht von einer «unvollendeten Weltmeisterschaft», die eine Frage nach der anderen aufgeworfen habe – etwa Trumps Intervention bei Infantino. Das alles sei viel zu weit gegangen und habe dem Fussball geschadet.

«Selektive Moral»: Trumps Anruf bei Infantino

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Die Entscheidung der Fifa, US-Stürmer Folarin Balogun trotz der Roten Karte im nächsten Spiel spielen zu lassen, löste eine Welle der Empörung aus. Donald Trump gab unumwunden zu, dass er bei Infantino deshalb interveniert habe.

Der US-Politikwissenschaftler und frühere Profifussballer Jules Boykoff sieht deshalb die Integrität der Fifa unter Infantino ernsthaft gefährdet.

Die Fifa wende ihre Moral sehr selektiv an, sagt Boykoff. Andere Länder würden bestraft, wenn sie sich politisch in den Fussball einmischen. Pakistan zum Beispiel oder Kenia. Sie hätten Strafen zahlen müssen, als sich ihre Regierungen in den Fussball einmischten. Präsident Trump jedoch nicht.

Deswegen schlägt der Europarat nun eine Art dritte Halbzeit vor. Es müsse ein internationaler Dialog stattfinden, um die Integrität des Fussballs wiederherzustellen.

Seit wann interessiert sich der Europarat für Fussball?

Laut Alain Berset hat der Europarat schon mehrfach Reformen im Sport angestossen. Beispielsweise nach der Katastrophe im Brüsseler Heysel-Stadion im Jahr 1985, als 39 Fussballfans bei einem Gedränge ihr Leben verloren. Damals hätten sich die Mitglieder des Europarats auf verbindliche Sicherheitsrichtlinien zum Schutz von Fans geeinigt. Auch als die Dopingthematik drohte, die Leichtathletik zu vergiften, hätten die Mitglieder ein gemeinsames Dopingabkommen unterzeichnet. Der Europarat meldet sich immer dann, wenn der Sport in einer grossen Krise steckt. Und offenbar wähnt er nun den Fussball in einer solchen Krise.

Wie fallen die Reaktionen aus?

Der Schweizerische Fussballverband SFV möchte sich dazu noch nicht äussern. Man sei eben erst von der Weltmeisterschaft zurückgekehrt und wolle sich noch mit anderen Fussballverbänden absprechen, sagt der Verband auf Anfrage. Klar ist aber, dass die Intervention Trumps für den SFV das Überschreiten einer roten Linie war. Dass ein Staatsoberhaupt Einfluss auf die Sperre eines Spielers nehmen könne, sei völlig unverständlich, liess der SFV verlauten.

Noch deutlichere Stimmen hört man aus der Politik. SP-Nationalrätin Andrea Zryd sagt, sie halte das Eingreifen des Europarats für richtig. Sie fordert auch den Bundesrat dazu auf, das Gespräch mit der Fifa zu suchen. Immerhin habe der Weltfussballverband seinen Sitz in der Schweiz. Etwas skeptischer dagegen ist SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel. Er warnt vor Selbstinszenierung und Schnellschüssen seitens der Politik. Veränderungen müssten in erster Linie aus den Reihen der Sportverbände selbst kommen.

Wie realistisch ist eine Veränderung im System Fifa?

Die Fifa hat ein System geschaffen, in dem die einzelnen Landesverbände von ihr finanziell abhängig sind. Mit der WM in den USA hat die Fifa schätzungsweise 12 Milliarden Franken eingenommen. Dieses Geld verteilt sie nun sukzessive an alle Verbände. Auch der Schweizer Fussballverband bekommt so jedes Jahr einen Betrag von mehreren Millionen Franken in die Kasse gespült. Dieses Geld überdeckt deshalb so manche Kritik. Zudem gab es öffentliche Kritik an der Fifa in der Vergangenheit fast nur in Westeuropa – in Deutschland, in der Schweiz, teilweise in England und in den skandinavischen Ländern.

Die nächsten Präsidentschaftswahlen der Fifa sind bereits im Frühjahr 2027. Vielleicht gelingt es den Kritikern, eine Gegenkandidatur zu Gianni Infantino zu finden. Aber Stand heute ist so eine Dynamik nicht absehbar.

Zwei Männer im Anzug betrachten eine Medaille.
Legende: Fifa-Präsident Gianni Infantino und Präsident Donald Trump haben den spanischen Spielern gemeinsam zum WM-Sieg gratuliert. Keystone/JACQUELYN MARTIN

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Echo der Zeit, 20.7.2026, 18 Uhr ; 

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