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Beziehungen USA-Mexiko Mexikos Präsidentin Sheinbaum hält Trump in Zaum

Kaum im Amt hat Donald Trump in alle Richtungen ausgeteilt. Natürlich auch nach Mexiko, dem grössten Handelspartner der USA. Doch anders als in vielen Ländern hat die mexikanische Präsidentin sich nicht mit Trump überworfen. Sie griff stattdessen zum Telefonhörer.

«Was uns geholfen hat, sind mehr als 15 Telefongespräche und ein Treffen», bilanzierte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum ihre Strategie gegenüber den USA. Und so wolle sie weiterfahren. Weiterhin den Dialog suchen, das Verständnis und Lösungen finden. Wie immer spricht Claudia Sheinbaum mit ruhiger Stimme über ihr Gegenüber in den USA. Sie selbst nennt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Sie spricht von gegenseitigem Respekt und betont die gute Zusammenarbeit.

Ungleiches Paar

Als Claudia Sheinbaum und Donald Trump vor einem Jahr fast zeitgleich ihr Amt antraten, war nicht vorauszusehen, wie die beiden derart unterschiedlichen Staatschefs miteinander auskommen würden. Sie, die eloquente Physikerin mit Doktortitel, die Linke, die Feministin. Er, der am liebsten mit Grossbuchstaben auf Truth Social kommuniziert, der egozentrische Geschäftsmann, der Sexist.

Die beiden sind ein gutes Paar.
Autor: Azul Aguiar Politologin

Es sei ein Glücksfall für Mexiko, dass Claudia Sheinbaum die Präsidentin sei, meint Politologin Azul Aguiar. Gerade der Fakt, dass Claudia Sheinbaum eine gebildete und wortgewandte Frau sei, ermögliche ein gutes Verhältnis zu Donald Trump. «Sie kann Trump antworten.» Sheinbaums Vorgänger habe ja nicht einmal richtig Englisch gesprochen. Donald Trump sagt, er mag Claudia Sheinbaum, er nennt sie «terrific», «elegant», «nice».

Greift Trump in Mexiko ein?

Die grossen Themen zwischen den beiden Ländern haben sich im letzten Jahr nicht verändert: Es geht um Handel, Migration und Sicherheit. Das Thema Sicherheit steht derzeit am meisten im Fokus.

Beim letzten gemeinsamen Telefongespräch Mitte Januar habe der US-Präsident erneut gefragt, ob er sein Militär nach Mexiko schicken soll, um gegen die Kartelle vorzugehen, erläutert Claudia Sheinbaum an ihrer täglichen Pressekonferenz: «Ich sagte nein. Ich habe ihm schon oft gesagt, dass das nicht zur Debatte steht.»

Mann in Anzug spricht mit lächelnder Frau im blauen Kleid.
Legende: Dialog als Erfolgsrezept: Auch bei der Auslosung zur Fussball-WM 2026 sucht Claudia Sheinbaum den Austausch mit Donald Trump Getty Images/Mandel NGAN

Selbstverständlich werde sie weiterhin mit den USA in Sachen Sicherheit zusammenarbeiten, solange es die Souveränität Mexikos zulasse.

Mexiko ist ein freies, unabhängiges und souveränes Land.
Autor: Claudia Sheinbaum

Die Souveränität und die Unabhängigkeit Mexikos – auch diese Worte wiederholt Claudia Sheinbaum mantraartig, seit Donald Trump direkt nach seiner Vereidigung mexikanische Kartelle als Terrorgruppen einstufte. Die Angst entstand, dass dies den Boden ebnen könnte für eine militärische Intervention der USA in Mexiko. Seit dem Angriff auf Venezuela ist klar, dass Trump seine Drohungen wahrmachen kann. Und das löst in Mexiko Verunsicherung aus.

Erneut Kartellmitglieder überstellt

Um Donald Trump zu beweisen, dass sie in Sachen Sicherheit ihren Anteil beisteuere, hat die mexikanische Regierung vergangene Woche angekündigt, erneut 37 Personen, die mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung stehen, an die USA ausgeliefert zu haben.

Das ist bereits die dritte derartige Aktion, 92 zum Teil hochrangige Kartellmitglieder wurden somit im letzten Jahr in die USA überstellt. Vorauseilender Gehorsam. Auch das gehört zu Claudia Sheinbaums Strategie, um Donald Trump in Zaum zu halten.

Echo der Zeit, 20.01.2026, 18 Uhr

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