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Junge Menschen demonstrieren gegen die irakische Regierung
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.10.2019.
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Blutige Unruhen in Irak «Die Regierung sollte nicht nur symbolische Schritte ergreifen»

In Irak protestieren seit Tagen mehrheitlich junge Männer gegen die Regierung. Immer wieder kommt es dabei zu Gewalt. Mindestens 30 Menschen sind bisher ums Leben gekommen. Am Abend meldete sich Iraks Regierungschef Adel Abdel Mahdi erstmals zu Wort. Er bezeichnete die Anliegen der Demonstranten als berechtigt, betonte aber, dass es keine Zauberformel gebe, um alle Probleme zu lösen. Inga Rogg berichtet über die Hintergründe.

Inga Rogg

Inga Rogg

Journalistin

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Inga Rogg ist NZZ-Journalistin. Sie berichtete von 2003 bis 2012 aus Bagdad. Von 2012 bis 2019 lebte sie in Istanbul und berichtete von dort aus der Region. Seit Sommer 2019 ist sie NZZ-Korrespondentin in Jerusalem.

SRF News: Wie sieht die Situation derzeit in Irak aus?

Es hat in der vergangenen Nacht weitere Proteste gegeben, aber heute Morgen ist es vergleichsweise ruhig. Die Proteste beginnen in der Regel am Nachmittag und halten bis in die Nacht hinein an.

Die aktuellen Proteste richten sich gegen die grassierende Korruption in Irak.

Iraks Regierungschef bezeichnete die Forderungen der Demonstranten als berechtigt. Er kündigte Hilfe für benachteiligte Familien an. Wird das reichen, um die Proteste in den Griff zu bekommen?

Nein, die Fernsehansprache von Adel Abdel al-Mahdi war sehr schwach, trotz dieser Versprechungen. Mahdi hat seine eigene Regierung gelobt und hat gesagt, es werde keine schnelle Lösung geben. Damit hat er natürlich recht. Aber die Protestierenden kritisieren alle politischen Lager, nicht nur seines. Er muss sich sehr viel mehr bewegen, als er das in der Fernsehansprache getan hat.

Worum geht es den Männern, die in den letzten Tagen zu Tausenden auf die Strasse gegangen sind?

Die jungen Protestierenden sind frustriert darüber, dass die Regierung nicht auf ihre Anliegen eingeht. Seit Jahren gab es immer wieder Demonstrationen und Forderungen nach Reformen, und trotzdem hat sich aus ihrer Sicht zu wenig getan. Die aktuellen Proteste richten sich gegen die grassierende Korruption in Irak. Zudem ist die Arbeitslosigkeit unter den jungen Leuten extrem hoch. Da wollen die Demonstranten eine schnelle Lösung.

Es kommt sehr viel Geld ins Land und dieses müsste in die Privatwirtschaft investiert werden.

Was sind die konkreten Vorwürfe der Demonstrierenden?

Das Problem ist, dass sehr viel Geld versickert und nicht investiert wird. Irak ist ein Ölland. Alle Ölländer haben das Problem, dass sehr wenige Arbeitskräfte gebraucht werden. Es kommt sehr viel Geld ins Land und dieses müsste in die Privatwirtschaft investiert werden, damit müssten Leitplanken geschaffen werden, und dann müsste den ausländischen Investoren, die durchaus ins Land kommen wollen, das Leben leichter gemacht werden. Es gibt so viele bürokratische Hindernisse. Die Regierung sollte nicht nur symbolische Schritte ergreifen, sondern tatsächlich auch Leute vor Gericht bringen, die sich schwerer Korruption schuldig gemacht haben.

Die Sicherheitslage im Land ist einigermassen stabil, seitdem die Terrormiliz IS vor zwei Jahren vertrieben wurde. Was ist Ihre Einschätzung?

Die Sicherheitslage ist tatsächlich relativ gut, das Land ist so stabil wie seit vielen Jahren nicht mehr. Diejenigen, die jetzt demonstrieren, sind junge Schiiten in Bagdad und im Süden des Landes, die vom Krieg gegen den IS nicht betroffen waren. Die Proteste zeigen, dass die Regierung dringend für diese unzufriedenen Jugendlichen etwas tun muss.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

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Anhaltende Proteste im Irak gegen Korruption und Arbeitslosigkeit
Aus Tagesschau vom 03.10.2019.
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2 Kommentare

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  • Kommentar von Drago Stanic  (drago stanic)
    Es ist Zeit, dass EUSA sich aus Irak zurückzieht und Gespräche über Reparations Zahlungen aufnimmt. Alle in Westen mussen zugeben, dass Einführung von Demokratie mit Bomben funktioniert nicht. Auch durchführung von Putsch und instalierung von Marionetten (Ukraine) funktioniert nicht. Lassen wir Völker sich angemessen ihre Kultur und Bedürfnissen entwickeln.
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  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    Korruption ist nicht selten eine Folge von zu tiefen Löhnen; wenn der Lohn nicht zum Überleben reicht, muss halt eine zusätzliche "Gebühr" erhoben werden. Trotzdem muss die Korruption bekämpft werden, das ist wie Krebs - ein Geschwür das die Gesellschaft zersetzt.
    Bei einer Fertilitätsrate von ca. 4,4 Kinder gibt es automatisch zu wenig Jobs für die Jungen. Dazu gibt es ein interessantes Interview im ZDF: "Gunnar Heinsohn - Die Jugendblase (Söhne und Weltmacht)"
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