Zum Inhalt springen

Header

Audio
Afghanistan: IS-Terrormiliz will keinen Frieden
Aus Rendez-vous vom 19.08.2019.
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 59 Sekunden.
Inhalt

Bombenanschlag in Kabul Mit dem IS ist in Afghanistan immer noch zu rechnen

Ein Bruchteil einer Sekunde reichte, um eine Hochzeit in ein Begräbnis zu verwandeln. Der Attentäter platzierte während der Feierlichkeiten seine Bombe neben der Bühne, auf der eine Band spielte. Das Ziel: Möglichst viele Zivilisten zu töten.

Es war kein politischer Anschlag auf ausländische Truppen oder Regierungsangehörige, die in Afghanistan mit solchen Attacken rechnen müssen. Es war ein Anschlag auf einfache Bürger und Bürgerinnen. Und dennoch ist er hoch politisch. Denn die Botschaft der sunnitischen Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) ist klar: In Afghanistan ist mit uns nach wie vor zu rechnen.

Nicht mehr wie vor 9/11

Denn der Anschlag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Taliban mit den USA über einen Truppenabzug oder eine Truppenreduktion verhandeln. In letzter Zeit gab es Zeichen einer Einigung. Wie diese Einigung aussehen soll, ist allerdings nicht bekannt.

Als kleinster gemeinsamer Nenner für einen Abzug der ausländischen Truppen in Afghanistan wird erwartet, dass die Taliban versprechen, Afghanistan nicht wieder zu einem Hort des internationalen Terrorismus zu machen. Wie damals vor dem 11. September 2001, als die aus Afghanistan tätige Al Qaida unter Osama Bin Laden die Anschläge auf das World Trade Center ausführten.

Taliban national, IS international

Just von den Taliban wird dieses Versprechen verlangt, die für den Grossteil der Anschläge in Afghanistan verantwortlich sind. Doch die Taliban haben nur eine nationale Agenda, sie wollen dort wieder an die Macht. Ausser in Pakistan waren sie nicht international tätig, haben keine Angriffe im Westen durchgeführt.

Ganz anders, der Islamische Staat, der für die Taliban ebenfalls ein ausländischer Eindringling ist: Dessen Agenda ist nach aussen gerichtet. Erst seit 2015 in Afghanistan präsent, konnte sich die Terrormiliz territorial nicht ausdehnen. Sie macht durch besonders perfide, aber einfach ausführbare Attacken vor allem auf die schiitische Minderheit im Land von sich reden – wie der gestrige Anschlag bei der Hochzeitsfeier. Mit solchen Anschlägen gibt der IS zu bekennen, dass er sich bereits in Afghanistan eingenistet hat.

Nicht mehr das Problem der USA

Müssten also die Taliban ein mögliches Versprechen einlösen, das in Afghanistan kein internationaler Terrorismus mehr aufkeimen kann, wären sie verpflichtet, dezidiert gegen den IS im Land vorzugehen – militärisch. Das würde im schlimmsten Fall einen inner-afghanischen Konflikt zwischen den beiden Terrorgruppen zur Folge haben.

Weitere Attacken und weitere zivile Opfer wären die Konsequenz. Leiden würde nach wie vor die afghanische Bevölkerung. Doch das wäre dann nicht mehr das Problem der USA. Nach einem Truppenabzug wären die Afghanen auf sich allein gestellt sein.

Thomas Gutersohn

Thomas Gutersohn

Indien- und Südasien-Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Thomas Gutersohn lebt seit 2016 im indischen Mumbai und berichtet für SRF aus Indien und Südasien. Gutersohn hat in Genf Internationale Beziehungen studiert.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Mohammed Mueller  (mohmueller)
    Terrorismus hat keinen Platz im Islam. Es heisst im Koran Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne dass es einen Mord begangen oder auf der Erde Unheil gestiftet hat, so ist es, als ob er alle Menschen getötet hatte. ES heisst auch Wer sich selber tötet ( zb durch eine Bombe ) dann wird er im Feuer der Hölle schmoren. Also bitte verurteilt nicht den Islam und alle Muslime. Das sind Terroristen und keine Muslime.
    1. Antwort von Dölf Meier  (Meier Dölf)
      Lieber Mohammed, googeln sie unter "töten im Koran" mit den Suren und sie werden erstaunt sein, dass nichts von christlicher Nächstenliebe steht.
    2. Antwort von Mohammed Mueller  (mohmueller)
      Ich kenne den Koran und lese den in der originalen Sprache wie es sein muss. Man darf übersetzungen nicht lesen da genau solche gebraucht werden um Leute für den IS anzuwerben und ein Fehler wo viele machen, die lesen aus dem Kontext und nicht alles.
  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    Es braucht nur einen einzigen Psycho der ein Attentat ausübt und schon reklamiert das der IS als eigene Tat. Einfach. Und genau darin besteht das Problem. Das gilt leider auch für Europa, wie man gesehen hat.
    1. Antwort von Dölf Meier  (Meier Dölf)
      Werden solche Gräueltaten von den zustehenden Religionsverantwortlichen nicht sofort verurteilt, sind sie für mich mitverantwortlich.
  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Situation des Zauberkünstlers (USA) der die Geister die er rief (Taliban, IS) nicht mehr los wird...(siehe Brzezinski-Plan bezüglich Afghanistan und Russland).