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Boris Johnson: Unberechenbarkeit als System
Aus Rendez-vous vom 23.07.2019.
abspielen. Laufzeit 07:54 Minuten.
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Boris Johnson wird Premier Vereinigtes Königreich steuert in turbulente Gewässer

Mit Boris Johnson in der Downing Street Nummer 10 steuert das Vereinigte Königreich in turbulente Gewässer. Eine Zweidrittelmehrheit der knapp 160'000 Mitglieder der Konservativen Partei gab Johnson den Vorzug über Jeremy Hunt, den amtierenden Aussenminister. Morgen wird Johnson die Amtsgeschäfte von Theresa May übernehmen und sein Kabinett bilden.

Ultimatum bis 31. Oktober

Bezüglich des britischen Austritts aus der Europäischen Union hat Johnson kompromisslose und widersprüchliche Positionen bezogen: Er wolle eine gütliche Einigung, aber ohne die bereits vereinbarten Regelungen zur irischen Grenze, die vom Unterhaus schon dreimal verworfen worden sind.

Die Grenzfragen sollten dann während der Übergangsperiode, also nach dem formellen Austritt am 31. Oktober, geregelt werden. Doch die EU und Irland werden das nicht zulassen: Ohne ein gültiges Scheidungsabkommen – mitsamt dem «Backstop» zur irischen Grenze – gibt es keine Übergangsfrist.

Aber Johnson lässt sich nicht beirren: Er will auf jeden Fall Ende Oktober raus, auch ohne eine Einigung.

Option «No Deal»-Brexit

So wird der Absturz in den vertragslosen Zustand plötzlich zur ernstzunehmenden Option. Johnson meint, wenn sich das Königreich glaubwürdig darauf vorbereite, werde die EU schon einlenken.

Wahrscheinlicher bleibt indessen, dass das Unterhaus diesen Sprung über die Klippen unterbinden wird. Sei es mit einem neuerlichen Aufschub, sei es mit einem Widerruf des Austritts, sei es mit Neuwahlen oder einem zweiten Referendum. Sicher ist nur eines: Es wird turbulent.

Boris, der Unberechenbare

Alle bisher erwähnten Szenarien beruhen darauf, dass man Johnsons Aussagen ernst nimmt. Das tut aber in Grossbritannien kaum jemand. Der frühere Londoner Bürgermeister und Aussenminister ist schon mehrfach beim Lügen ertappt worden, er hat auch seine Ehefrauen seriell betrogen.

Dann macht er einen charmanten Witz und grinst schelmisch: Was Boris tut, ist gut für Boris. Und: Er will dabei geliebt werden. Das ist zwar kein Regierungsprogramm, aber es gibt einen besseren Leitfaden für die Zukunft ab als die Versprechungen des angehenden Premierministers.

Martin Alioth

Martin Alioth

Ehemaliger Grossbritannien- und Irland-Korrespondent, SRF

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Der ehemalige Grossbritannien- und Irland-Korrespondent von Radio SRF lebt seit 1984 in Irland. Er hat in Basel und Salzburg Geschichte und Wirtschaft studiert.

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97 Kommentare

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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Fakt ist in einer Demokratie muss die Regierung das Volk und auch die Minderheiten überzeugen was für sie das Beste ist, aber anscheinend bringt das in GB niemand zu stande?
  • Kommentar von Norbert Zehner  (ZeN)
    Allein Tatsache wie Boris Johnson von Journalisten in Leitmedien in kritischem bis negativem oder abwertendem Unterton behandelt wird, lässt viel Hoffnung aufkommen, dass er in der Sache nachhaltig GB voranbringen wird. Schaut man historisch in Weltgeschichte zurück, haben sich solche Umstände schon derart viel in diese Richtung bestätigt, dass man von einer Regel sprechen kann.
  • Kommentar von Diego Zürcher  (Diego Zürcher)
    "...ist schon mehrfach beim Lügen ertappt worden, er hat auch seine Ehefrauen seriell betrogen." Bitte Niveau bewahren; auch wenn ihr den Boris nicht mögt.
    1. Antwort von M. Fretz  (MFretz)
      Warum stören den Fakten?