Das ist passiert: Das Walliser Zwangsmassnahmengericht hatte am Freitag die Untersuchungshaft gegen Moretti aufgehoben. Das Gericht setzte die Kaution auf 200’000 Franken fest – «ein Betrag, der von der Staatsanwaltschaft beantragt und vom Gericht als angemessen und abschreckend beurteilt wurde», teilte das Zwangsmassnahmengericht am Abend mit. Die Summe sei noch am selben Tag auf das Konto der Staatsanwaltschaft überwiesen worden. Moretti muss dafür seine Ausweis- und Aufenthaltsdokumente bei der Staatsanwaltschaft hinterlegen, darf nicht ausreisen, und muss sich täglich bei einer Polizeidienststelle melden.
Italien reagiert erbost: Italiens Regierung protestiert gegen den Entscheid. Sie beorderte den italienischen Botschafter in der Schweiz nach Rom zurück. Der Entscheid des Gerichts stelle eine schwere Beleidigung und einen weiteren Schmerz für die Familien der Opfer dar, heisst es in einer Mitteilung der Regierung. Man sei über den Vorgang zutiefst empört.
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Aussenminister Antonio Tajani hätten deshalb den Botschafter Gian Lorenzo Cornado nach Rom zurückgerufen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. «Die Ministerpräsidentin und ich sind zutiefst empört. Nicht nur als Vertreter der italienischen Regierung, sondern auch als Eltern und ich zudem als Grossvater», so Tajani vor den Medien in Rom.
Das sagt der Bundesrat: Auch der Bundesrat hat sich zu Wort gemeldet. Bundespräsident Guy Parmelin äussert sich an der SVP-Delegiertenversammlung im Kanton Glarus zum Thema: «Ich kann die Empörung verstehen. Ich glaube, Italien betrachtet das Schweizer Vorgehen durch die Brille des italienischen Rechts und Vorgehens.» Die Schweiz habe ein anderes Vorgehen, aber die Justiz müsse ihre Rolle spielen, und den Job transparent und effizient erledigen. «Wenn Fehler geschehen sind, dann müssen Sanktionen ergriffen werden.» In Hinblick auf die Familien der Brandopfer sagt er, dass alles getan werden müsse, um sie zu begleiten.
Auch Aussenminister Cassis meldet sich zu Wort
Aussenminister Ignazi Cassis hat sich auf X zu Wort gemeldet. Man verfolge aufmerksam die Arbeit der Justiz des Kantons Wallis. «Ich habe heute mit meinem Kollegen Antonio Tajani darüber gesprochen, und wir haben den Willen der Schweiz und Italiens bekräftigt, sich gegenseitig in dieser gemeinsamen Tragödie zu unterstützen».
Das sagt die Staatsanwaltschaft: Die Walliser Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud hat bestätigt, dass sie am Samstagvormittag vom italienischen Botschafter in der Schweiz kontaktiert worden sei. Sie habe ihn informiert, dass der Entscheid zur Freilassung des Barbesitzers nicht von der Staatsanwaltschaft angeordnet worden sei. «Ich möchte nicht für einen diplomatischen Zwischenfall zwischen unseren beiden Ländern verantwortlich sein», teilte die Generalstaatsanwältin mit.
Sie betonte weiter, dass sie keinem möglichen Druck der italienischen Behörden nachgeben werde und habe dem italienischen Botschafter daher geraten, seine Bedenken über den Entscheid an die nationalen Behörden zu richten.