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Um exakt 23.00 Uhr traten die Briten aus dem EU-Binnenmarkt aus
Aus News-Clip vom 01.01.2021.
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«Brexit ist done» Grossbritannien vollzieht Austritt aus EU-Binnenmarkt

Ab sofort gelten neue Regeln beim Handel zwischen der Insel und dem Kontinent. Welche Folgen das haben wird, wird sich noch zeigen.

Grossbritannien hat den endgültigen Bruch mit der Europäischen Union vollzogen. Bereits seit Ende Januar 2020 war Grossbritannien nicht mehr Mitglied der Staatengemeinschaft, seit Mitternacht MEZ gehört das Land auch nicht mehr dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion an.

«Dies ist ein grossartiger Moment für dieses Land. Wir haben die Freiheit in unseren Händen, und es liegt nun an uns, das Beste daraus zu machen», sagte Premierminister Boris Johnson in seiner Neujahrsansprache ans britische Volk. Grossbritannien könne Dinge nun anders machen – «und wenn nötig besser als unsere Freunde in der EU», so Johnson.

Auf eine grosse Brexit-Jubelfeier musste der Premier coronabedingt jedoch verzichten: Johnson hatte ankündigt, die historische Stunde mit seiner Familie in seinem Amtssitz in der Londoner Downing Street zu verbringen.

Jetzt auch wirtschaftlich geschieden

Mit dem Jahreswechsel endete die elfmonatigen Übergangsphase seit dem EU-Austritt, in der noch weitgehend die gleichen Regeln galten. Jetzt ist also auch die wirtschaftliche Scheidung vollzogen.

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Brexit-Deal und die Folgen für beide Seiten
Aus 10 vor 10 vom 30.12.2020.
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Das britische Parlament hatte das von Johnson vorgelegte Ratifizierungsgesetz zum Wirtschaftsvertrag mit der EU kurz vor dem Jahreswechsel binnen weniger Stunden durchgewunken. Staatsoberhaupt Königin Elizabeth II. stimmte dem Gesetz mit ihrem «Royal Assent» zu.

An Silvester wurde das Vertragswerk dann auch offiziell im Gesetzblatt der EU veröffentlicht. Damit könne es wie geplant vorläufig ab 1. Januar 2021 angewendet werden, teilte ein Sprecher der deutschen EU-Ratspräsidentschaft mit. «Ein No Deal wurde abgewendet, gerade noch rechtzeitig», twitterte er. Auf EU-Seite reichte die Zeit zur Ratifizierung im Europaparlament nicht. Sie soll im Frühjahr folgen.

Keine Zölle – aber Kontrollen

Grossbritannien war nach 47 Jahren Mitgliedschaft bereits Ende Januar 2020 aus der EU ausgetreten. Das in letzter Minute mit der EU ausgehandelte Handels- und Partnerschaftsabkommen soll nun einen harten Bruch vermeiden.

Frankreich will gründlich kontrollieren

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Frankreich will gründlich kontrollieren
Legende:Reuters

Zwar gelten auf beiden Seiten des Ärmelkanals etwa bei der Produkte- und Lebensmittelsicherheit auch künftig die gleichen Regeln. Doch britische Unternehmen werden die Einhaltung europäischer Standards nachweisen müssen. Deshalb kündigte Frankreich an, direkt ab dem Jahreswechsel auf gründlichen Kontrollen zu bestehen. «Wir müssen britische Produkte kontrollieren, die zu uns kommen», sagte Europa-Staatssekretär Clément Beaune im Sender Europe 1. Bei Nahrungsmitteln oder Industrieprodukten müssten allen geltenden Normen eingehalten werden. Der französische Staat habe rund 1300 Personen angeworben, um diese Kontrollen zu gewährleisten. Beobachter befürchten, dass es wegen der Kontrollen zu Wartezeiten für LKWs und Staus kommen könnte. Auch Lieferketten dürften zumindest zunächst nicht mehr so reibungslos funktionieren wie bisher.

Wichtigster Punkt ist, dass im Warenhandel auch künftig keine Zölle und Mengenbeschränkungen gelten. Jedoch wird es Warenkontrollen an der Grenze geben.

Zudem regelt der knapp 1250 Seiten starke Vertrag viele weitere Themen, darunter Fischfang und Zusammenarbeit bei Energie, Transport, Justiz, Polizei. In mehreren Bereichen bleibt Grossbritannien weiterhin an europäische Standards gebunden.

SRF 4 News, Nachrichten im 1.1.2021, 02.00 Uhr;

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Wagner  (päule)
    Eine Scheidung ist (fast) immer schmerzhaft, für beide Seiten. Die Briten haben sich aus vielen guten Gründen dafür entschieden TROTZ der drohenden Folgen.
    UK ist die sechstgrösste Volkswirtschaft der Welt, hat über den Commonwealth ein globales Netzwerk mit 54 Staaten, einen starken DL-Sektor, führende Forschungseinrichtungen und mit London das Welt-Finanz-Zentrum. Dazu jetzt ein rudimentäres Abkommen mit den Nachbarn aus der EU. Die Briten haben mittelfristig eine gute Zukunft. Good luck!
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    1. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      Sie sprechen von einer sich im Sinkflug befindenden Wirtschaftsordnung. Es scheint mir sinnvoller zu sein, wenn die jungen Leute chinesisch lernen und ihr Auslandsstudien eher in Shanghai als in London planen.
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    2. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      Wenn man die Geschichte verfolgt hat, kommt man zu einem anderen Schluss… Die Briten wurden in Sachen Brexit nur belogen und betrogen… durch eine Gruppe von Leuten mit Partikulärinteressen, welche sehr stark vom Landesinteresse abweichen.
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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Ich bin überzeugt, nach Anfangsschwierigkeiten der Umstellungen wird es GB schaffen wieder ein eigenständiges Land werden, dass seine Geschicke und Souveränität ihres Landes zu lenken weiss. Auch die Stimmen die jetzt GB verspotten werden verstummen. GB kann auch wieder selber bestimmen wer als Arbeitskraft ins Land kommen kann. Keine PFZ mehr. Würde ich mir auch für die Schweiz wünschen.
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    1. Antwort von willi mosimann  (willi mosimann)
      Eigenständiges Land, bei einem Vertrag von mehr als 1200 Seiten?
      Verträge bestehen in der Regel immer mit Rechten und Pflichten. Die hochgepriesene Freiheit liegt deshalb ausserhalb der Pflichten der Verträge, und dies ist ja erst der Anfang, es werden weitere Verträge abgeschlossen werden müssen, ergo noch weniger Freiheit. Lassen wir doch die Träumer weiter träumen...
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    2. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      Bedingt durch den Commonwealth gibt es nach wie vor eine Personenfreizügigkeit.

      Ein Vorteil hat das ganze allerdings. Die Briten können all die hausgemachten Probleme (soziale Ungleichheiten, lausige Infrastruktur, geringe Produktivität, regionale Ungleicheiten etc. nicht mehr der EU anhängen, sondern müssen halt nun für diese geradestehen.
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    3. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Das Duale Ausbildungssystem gibt es nur im deutschsprachigen Raum, alle anderen Länder kennen das nicht. Von daher kommt die lausige Infrastruktur in GB, Italien, Frankreich, usw. In Italien sind innerhalb von zwei Jahren drei Grossbrücken eingestürzt. Leider gibt es mittlerweile auch in Deutschland eine richtige Pannen und Pleiten Welle, der Neat-Anschluss ist noch lange nicht in Sicht.
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    4. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      @Gegner der PFZ. Bin ich froh, dass in D der Notstand an Pflegekräften durch Menschen aus Osteuropa gemildert wird und dass ich wieder polnische Handwerker für mein Bauprojekt finden kann, weil sie nicht mehr in GB beschäftigt sind.
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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Ob der Austritt aus der EU sich gelohnt hat wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Wenn er sich gelohnt hat wird Grossbritannien nicht der letzte Austritt sein. Wenn es sich nicht gelohnt hat wird es für die Mitglieder ein Mahnmahl sein.
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    1. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      Ich dürfte fast wetten, dass es nicht der letzte Austritt aus der EU war. Wie sie sagen, die nächsten 10 Jahre werden das zeigen.

      Warten wir mal das grosse Aufräumen nach der Coronakrise ab (wenn dann die Geldflüsse etwas knapper werden für jedes Land) und die Zuwanderungsströme aus Nahost ab.
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    2. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      Na ja, das Land muss nun zuerst einmal über 200 Milliarden Pfund wieder hereinholen, welche bis jetzt für "Brexit" ausgegeben wurden. Beim gegenwärtigen Regime sind da grosse Zweifel angebracht…
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    3. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      @Wyss. Brexit-Vorbereitungen kosten Briten über vier Milliarden Pfund. Gemäss Rechnungshof umfassen die Ausgaben 1,9 Milliarden Pfund an Personalkosten, 1,5 Milliarden Pfund für die Einführung neuer Systeme und Infrastruktur sowie 288 Millionen Pfund für externe Berater. Allerdings muss GB keine Zahlungen an den EU-Haushalt leisten, 2018 waren es netto 6,9 Milliarden €.
      Warum bezeichnen Sie die Regierung von GB abwertend als Regime?
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    4. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      @pdfguru: War doch eine einfache Frage, die Margot Helmers gestellt hat: (Wieso Sie die (legitime) britische Regierung als "Regime" titulieren.) (Oder eher eigentlich: Verunglimpfen).

      Wieso beantworten Sie sie nicht?
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