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lllegale Migration über Ärmelkanal stoppen: Bloss wie?
Aus Rendez-vous vom 18.08.2020.
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«Brexit» und Flüchtlinge Migrationspolitik: Grossbritannien könnte die Kontrolle verlieren

Auf dem Ärmelkanal zwischen Frankreich und Grossbritannien spielen sich seit einigen Wochen dramatische Szenen ab. Hunderte von Migranten versuchen in Gummibooten vom europäischen Festland auf die britische Insel zu kommen. Die britische Regierung will durchgreifen und die illegale Einwanderung von Bootsflüchtlingen stoppen. Doch dies könnte mit dem «Brexit» erst recht ein Problem werden.

Kontrolle droht zu entgleiten

«Take back control» – die Wiedererlangung der Kontrolle über Geld, Gesetze und Grenzen war die Kernbotschaft der Brexit-Befürworter. Doch seit einigen Wochen scheint die britische Regierung die Kontrolle verloren zu haben. Jeden Tag landen an der südenglischen Küste verzweifelte Menschen in überfüllten Schlauchbooten. 4000 allein in diesem Jahr. Bilder welche die Erwartungen der konservativen Wählerschaft enttäuschen.

Deshalb machte Premierminister Boris Johnson letzte Woche klar, dass er dieses Drama beenden werde. Für illegale Migranten gebe es im britischen Recht immer noch zu viele Schlupflöcher. Es brauche dringend strengere Einwanderungsgesetze.

Hoffnung auf Franzosen

Vielen konservativen Abgeordneten geht das zu wenig weit. Sie forderten vergangene Woche die Mobilisierung der Kriegsmarine zur Abwehr der Flüchtlingsboote. Ein Abgeordneter erinnerte gar daran, dass Calais bis 1558 im Besitz der Briten war und eine Rückeroberung der französischen Hafenstadt vielleicht ebenso zielführend sein könnte. Die Regierung sandte aber weder Truppen noch Schiffe, lediglich ein Spähflugzeug in die Luft und den Migrationsminister nach Paris. Dort sicherte man sich gegenseitig Unterstützung zu.

Offenbar nicht ganz gratis. 30 Millionen Euro hätten die Franzosen gefordert, um die 300 Kilometer Küstenlinie entlang des Ärmelkanals noch intensiver zu kontrollieren, berichten Insider. Bringen werde es wenig, warnt der frühere britische Aussenminister David Miliband.

Brexit macht Rückschaffungen schwieriger

Das aktuelle Drama zeige exemplarisch, dass der Slogan «Take back control» in der politischen Debatte zwar gut töne, aber die Realität leider anders aussehe. «In einer globalisierten Welt könnten Herausforderungen wie die Migration nicht mehr von einzelnen Nationen gelöst werden», sagt der frühere Aussenminister.

Es braucht internationale Kooperation und Regeln, wie das Dubliner-Abkommen der EU, das klärt, welches Land für die Aufnahme eines Flüchtlings zuständig ist. Wenn ein Flüchtling z.B. bereits in Paris oder Calais einen Asylantrag gestellt hat, kann er von Grossbritannien nach Frankreich zurückgeschoben werden. Der Brexit und das Ende des Dubliner-Abkommens bedeuten dagegen, dass künftig alle Flüchtlinge aus europäischen Ländern, egal ob sie bereits in der EU registriert sind, nach Grossbritannien weiterreisen können und nicht mehr zurückgeschafft werden können.

Die Kontrolle über die eigenen Grenzen könnte für Grossbritannien mit dem Brexit also künftig nicht leichter, sondern eher schwieriger werden.

Patrik Wülser

Patrik Wülser

Grossbritannien-Korrespondent, SRF

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Patrik Wülser arbeitet seit Ende 2019 in London als Grossbritannien-Korrespondent für SRF. Wülser war von 2011 bis 2017 Afrikakorrespondent und lebte mit seiner Familie in Nairobi. Danach war er Leiter der Auslandredaktion von Radio SRF in Bern.

Rendez-vous, 18.08.2020, 12:30 Uhr

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    Ins eigene Knie geschossen. Bravo Boris, aber Tatsachen haben Dich ja selten interessiert.
    1. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      Wenn die sogenannte Europäsche Union ihre selbst auferlegten Gesetze befolgen würde, gäbe es gar keine durch ganz Europa ziehenden Flüchtlingsströme. Auch die Schweiz müsste keinen einzigen Flüchtling aufnehmen, da ein Flüchtling sich in dem Land registrieren muss, das er zuerst betritt (Schengen/Dublin). Aber unsere Bundesrätinnen machen halt ihre Hausaufgaben auch nicht korrekt.
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Eigentlich stellt sich die Frage: Warum wollen die überhaupt auf die Insel?: Nicht mehr in der EU, total überbevölkert (67 Mio Einwohner), geografisch begrenzt, politisch instabil, gefährlich Überfahrt durch den Ärmelkanal. Wer hat diesen eingetrichtert, dass es dort ein schönes Leben gibt? Die Franzosen, wie oder was?
    1. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      Da können Sie sehen, dass es nicht die EU ist, die dieses Land so attraktiv macht. Wie Sie wissen ist die Schweiz ja auch kein EU-Mitglied und ist bei Flüchtlingen und Migranten trotzdem sehr beliebt.
      Und bezüglich Überbevölkerung ist das Vereinigte Königreich bei weitem nicht so zersiedelt wie die Schweiz.
  • Kommentar von Marc Grut  (Pandas)
    Eines der Hauptprobleme ist doch das man die illegalen Einwanderer viel zu lasch angeht. Wenn man zimperlich mit den Asylanten umspringt wenn diese sich nicht an die Regeln halten, fördert man dieses Verhalten.
    Es ist ein schwieriges Thema weil es immer um Menschenleben geht.
    Wir sollten als Verantwortliches Europa einer gewissen Anzahl Afrikaner und Araber die legale Einreise ermöglichen, und alle anderen dies illegal versuchen, konsequent ausweisen sobald sie entdeckt werden.
    1. Antwort von Robert Frei  (RFrei)
      Konsequent ausweisen? Meist ist aber die Rückschaffung aus praktischen (Ursprungsland kooperiert nicht) oder humanitären (Folter, Krieg etc) Gründen nicht möglich.
    2. Antwort von Delmar Lose  (DeLo)
      Am wichtigsten wäre es eigentlich eine Welt zu schafen in der niemand Flüchten will!
      Utopisch ... na ja ein wenig fileicht auf kurtze Sicht gesehen aber wir könnten viel, viel näher an dieser "utopishchen" Wirklichkeit leben als wir es tuen.
      Geld regiert die Welt und wir alle sind teil dieses Problems, sehr oft sind es (immernoch) wir die jetzt auf umwegen profit aus armen regionen schlagen welche dort dazu führen das Menschen gehen wollen...
    3. Antwort von Delmar Lose  (DeLo)
      ... dazu kommt auch das wir unser hohen Standart durch Filme auf der welt verbreiten. Auch wollen unsere Firmen Geld aus allen Ecken holen und werben Global für all den Unsinn die die Menscheit nicht braucht eben auch in armen Ländern ... dan werden da Gelüste und Verlangen erzeugt welche von dortigen Verhältnissen meist nicht gedekt werden können. Mehr Geld muss her ... den rest können sie sich nun selber denken. Fackt ist wir sind teil des Problems!