- Nigel Farage legt sein Parlamentsmandat nieder – und will in einer Nachwahl erneut antreten. Dies teilte der Chef der britischen Partei Reform UK vor Medien mit.
- Der einstige Brexit-Vorkämpfer Farage geriet zuvor wegen umstrittener Spenden und Zuwendungen in die Schlagzeilen.
- Seine Partei Reform UK führt derzeit in Grossbritannien die Umfragen an.
«Ich war in meinem Leben noch nie wütender», sagte Farage in einer emotionalen Ansprache, in der er den Medien eine Kampagne gegen sich und seine Familie vorwarf. Die Bürgerinnen und Bürger des Wahlkreises Clacton in der Grafschaft Essex sollten nun über sein Handeln urteilen, sagte er. «Ich werde kämpfen, um zu gewinnen.»
Ein Datum für die Nachwahl steht noch nicht fest. Kurz nach seinem Rücktritt schrieb Farage in einem X-Beitrag, seine Partei habe angeboten, die Kosten für die Nachwahl zu tragen. «Da wir diese Nachwahl selbst ausgelöst haben, ist es nur richtig, dass wir dafür aufkommen.»
Abgeordnete in Grossbritannien müssen ihre Nebeneinkünfte und Spenden offenlegen – auch für den Zeitraum von bis zu einem Jahr vor ihrer Wahl. Das hatte Farage in den vergangenen Wochen immer wieder lästige Nachfragen durch Journalisten eingebracht.
Möglichem Ausschluss aus Unterhaus zuvorgekommen
Am Wochenende berichtete die «Sunday Times», Nigel Farage habe Unterstützungsleistungen seines langjährigen Verbündeten George Cottrell nicht ordnungsgemäss offengelegt. Nach Angaben der Zeitung soll der wegen Betrugs verurteilte Cottrell Farage im Jahr vor dessen Wahl ins Unterhaus unter anderem Sicherheitsdienste und Personal finanziert oder organisiert haben. Farage weist die Vorwürfe zurück und betont, er habe alle geltenden Vorschriften eingehalten.
Wie der «Guardian» zuletzt zudem enthüllte, erhielt der 62-Jährige kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (umgerechnet 5.4 Millionen Schweizer Franken), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben zufolge handelte es sich um ein rein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wird inzwischen vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Im schlimmsten Fall drohte Farage ein vorübergehender Ausschluss aus dem Unterhaus – und eine Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Dem kam er nun zuvor.
Ich werde kämpfen, um zu gewinnen.
Gute Chancen auf Comeback
Farage dürfte gute Chancen auf ein Comeback haben. Seine Partei Reform UK dominiert seit mehr als einem Jahr die Umfragen vor der Regierungspartei Labour und den oppositionellen Konservativen. Der Erfolg seiner Partei wird vor allem Farage persönlich zugeschrieben. Bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai gewann die Partei Hunderte Mandate in weiten Teilen des Landes und stürzte so die Labour-Partei und Noch-Premierminister Keir Starmer in die Krise.
Der Vorsprung auf die anderen Parteien lässt sogar einen Einzug Farages in den Regierungssitz 10 Downing Street nach der nächsten Parlamentswahl als durchaus möglich erscheinen.