Brisante Aussagen eines Finanz-Insiders

Im März trat der französische Budgetminister Jérôme Cahuzac zurück. Nach wochenlangem Leugnen musste er schliesslich zugeben, ein Schwarzgeldkonto in der Schweiz besessen zu haben. Der Fall sei nur die Spitze des Eisbergs, sagt nun ein Banken-Insider.

Screenshot von Pierre-Condamin Gerbier aus einem TV-Beitrag von Radio Television Suisse Romande. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Pierre-Condamin Gerbier will Beweise für seine Behauptungen haben. rts

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Hauptzeuge gegen Cahuzac

Pierre-Condamin Gerbier ist Hauptzeuge im Fall Cahuzac. Laut der Zeitung «Libération» hat er die französischen Steuerbehörden auf die Schwarzgeld-Spur des früheren Budgetministers geführt. Gerbier hat im Fall Cahuzac bereits mehrmals vor den französischen Justizbehörden ausgesagt.

Pierre-Condamin Gerbier ist Franzose und lebt seit 2004 in der Schweiz. Bis 2010 betreute er das Family Office der Banque Reyl in Genf, die damals noch keine Banklizenz hatte. Gerbier war also Vermögensverwalter von reichen Kunden, von reichen Familien. Zugleich war er Chef der Genfer Sektion der UMP, der damaligen Regierungspartei von Nicolas Sarkozy.

Am Mittwoch nun sagte Gerbier vor einer französischen Senatskommission in Paris aus, welche die Rolle der Banken bei der Steuerhinterziehung untersucht. Im Nadelstreifenanzug sprach er mit ruhiger, sehr bestimmter Stimme zu den Senatoren. Diese trauten ihren Ohren kaum: Der im März zurückgetretene Budgetminister Jérôme Cahuzac sei keineswegs der einzige französische Politiker, der ein geheimes Konto in der Schweiz habe, sagte der Banken-Insider.

Aktuelle und Ex-Minister

Nach der Anhörung bestätigte Gerbier seine Aussagen gegenüber Radio SRF: Er selbst kenne 12 bis 15 Fälle, in denen Politiker ihr Vermögen in der Schweiz versteckten. «Von anderen Fällen habe ich gehört», sagt Gerbier. Unter den schwarzen Schafen gebe es auch Minister früherer Regierungen, aber auch der jetzigen Regierung.» Mit Cahuzac habe man einen Fall dokumentiert, aber der sei nicht der einzige.

Der Vermögensverwalter aus der Schweiz ist empört über die Heuchelei, die er täglich erlebt. Er wisse, dass viele Politiker, die den zurückgetretenen Minister Cahuzac heute mit scharfen Worten verurteilten, selber Steuerflüchtlinge seien.

Illegale Parteienfinanzierung

Doch damit nicht genug: Über die gleichen Konten und Kanäle seien auch französische Parteien illegal finanziert worden. Als Verantwortlicher der UMP in Genf habe er haarsträubende Dinge gesehen: «Heimliche Geldflüsse, Koffer voller Banknoten», sagt Gerbier. Er betont, für seine Behauptungen habe er auch Beweise. Diese will er erst später vorlegen, denn zurzeit herrsche bei diesem Thema eine zu grosse Nervosität: Er und seine Familie seien wiederholt bedroht worden.