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Legende: Video Henriette Engbersen: «Die Wähler sind frustriert über das Brexit-Gerangel» abspielen. Laufzeit 01:08 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.05.2019.
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Britische Kommunalwahlen Ohrfeige für die beiden grossen Parteien

Die Resultate der Lokalwahlen in Grossbritannien sind eine klare Abstrafung für das Brexit-Gerangel der beiden grossen Parteien: Für die konservative Partei, also die Tories und auch für die Oppositionspartei Labour. Profitiert haben die Liberaldemokraten und die Grünen.

Frustrierte und gespaltene Wähler

Auf den ersten Blick ist das Bild klar: Brexit ist der Grund für die Abstrafung. Nur die Frage ist, welche Lehre können die Parteien daraus ziehen? Und da ist das Bild nicht mehr so klar. Denn die Wähler sind so gespalten wie es die Parteien sind.

Innerhalb der Tory-Partei gibt es Wähler, die sich frustriert abgewendet haben, weil Brexit nicht schon lange vollzogen wurde. Zur Not hätten sie lieber einen ungeregelten Austritt hingenommen, als die jetzige Verschiebung des Austritts.

Genau umgekehrt viele EU-freundliche Tory-Wähler. Sie haben sich frustriert abgewendet, weil sich die Partei nicht für eine zweite Volksabstimmung einsetzt. Viele von ihnen haben die Liberaldemokraten gewählt, die sich im Brexit-Prozess immer klar für eine zweite Volksabstimmung eingesetzt haben und sich klar als EU-freundlich positionieren.

Allen «äs bitzeli Rächt» machen

Innerhalb der Labour-Partei ergibt sich in etwa dasselbe Bild. Es haben sich sowohl Labour-Wähler abgewendet, die sich einen raschen – zur Not auch ungeregelten Austritt wünschen – als auch solche Wähler, die eine zweite Volksabstimmung fordern.

Es ist mehr als fraglich, ob Tory-Chefin Theresa May oder Labour-Chef Jeremy Corbyn es schaffen, daraus eine Lehre zu ziehen. Beide Parteispitzen wirken seit Monaten paralysiert durch die Forderungen von den verschiedenen Seiten. Und statt sich klar zu positionieren, versuchen sie es noch immer allen «äs bitzeli Rächt» zu machen. Die Resultate heute zeigen: Diese Strategie geht nicht auf.

Vorgeschmack auf die Europawahlen

Und das dicke Ende kommt erst noch: Die Europawahlen in drei Wochen, an denen die Briten vermutlich teilnehmen müssen. Denn dann treten noch viel stärkere Gegner an, wie Nigel Farage mit seiner neuen Brexit-Partei und die Partei CHUK, die sich klar für eine zweite Volksabstimmung einsetzt. Tory und Labour müssen sich also warm anziehen.

Die heutigen Resultate nennen einige Politbeobachter eine Ohrfeige für die beiden grossen Parteien. Die Resultate der Europawahlen könnten sich dann schon fast wie eine Tracht Prügel anfühlen.

Jubeln werden vermutlich auch dann wieder die Grünen. Sie haben heute ein Glanzresultat erreicht und für die Europawahlen sind die Prognosen ebenfalls sehr optimistisch.

Henriette Engbersen

Henriette Engbersen

Grossbritannien-Korrespondentin, SRF

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Engbersen ist seit Frühling 2017 Grossbritannien-Korrespondentin von SRF. Sie ist seit 2008 für das Schweizer Fernsehen tätig, zuerst als Ostschweiz-Korrespondentin und später als Redaktorin der «Tagesschau».

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Fürer  (Hans F.)
    Früher galt "Man soll auch verlieren können". Heute wollen die Verlierer einfach nochmals abstimmen lassen, wenn ihnen ein Resultat nicht passt. Und gewisse Medien unterstützen dieses undemokratische Verhalten leider noch. Ist es denn überhaupt so sicher, dass unterdessen eine Mehrheit der Briten plötzlich bereit ist, sich dem Joch einer EU weiterhin zu unterwerfen, welche sich nicht im geringsten reformieren will, so nötig es auch wäre?
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    1. Antwort von A. Gasser  (Alga)
      Wenn es 1948 nicht eine 2. Abstimmung über die AHV gegeben hätte, gäbe es wahrscheinlich die AHV heute nicht. Die erste Abstimmung war 1931 und die AHV wurde abgelehnt.

      Sie sollten den Menschen zugestehen dass sie ihre Meinung mit der Erfahrung ändern können und dies auch ausdrücken dürfen.
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Die Stimmzettel sind noch nicht einmal alle ausgezählt und bereits wird über die (man weis es bereits jetzt!) ziemlich sicher desaströsen Europawahlen spekuliert...
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  • Kommentar von Max Wyss  (Pdfguru)
    Die britischen Social Media sind sehr aktiv heute…

    Eine Theorie, welche aufgebracht worden ist, befürchtet, dass aufgrund der Niederlagen von Tories und Labour, Frau May und Herr Corbyn sich auf Frau May's Brexit Deal einigen könnten, und diesen dann durchboxen würden… wie gesagt, eine Theorie auf Social Media…
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