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Brückeneinsturz in Genua Nach der Trauer kam der Ärger

Plötzlich stand Franco Ravera vor dem Nichts. Mit 8000 Euro Notgeld müssen er und seine Familie über die Runden kommen.

Als die Brücke am 14. August einstürzte, war Franco Ravera bei der Arbeit. Es war heiss, er hatte darum weder Pullover noch Jacke dabei. Ihm blieb, was er gerade auf dem Leib trug. Denn sein Haus und die ganze Strasse, wo er wohnte, wurde mit einem Schlag zu einer Sperrzone – Einsturzgefahr.

«Es war traumatisch», sagt er. Wegen der Toten, aber auch, weil er und seine Familie das Zuhause verloren hatten. Zur Trauer kam bald der Ärger: denn der private Betreiber der eingestürzten Brücke, der von der Familie Benetton kontrollierte Konzern Autostrade per l'Italia, habe geknausert. «Gerade mal 8000 Euro Notgeld pro Familie haben wir erhalten.»

Franco Rivera
Legende: Nachdem Franco Ravera und seine Familie ihr Zuhause verloren hatten, waren sie auf Spenden angewiesen. SRF / Franco Battel

Die Puppe der Tochter gerettet

Nur wegen der vielen Spenden seien sie über die Runden gekommen. Er und seine Familie hätten ja alles neu kaufen müssen. Kleider vor allem. Als sie dann nach einigen Wochen von einem Hotel in eine provisorische Mietwohnung umziehen konnten, mussten sie Möbel anschaffen. Die 8000 Euro hätten nirgends hingereicht.

Weil der Rest der Brücke einzustürzen drohte, durfte zuerst niemand in die eigene Wohnung zurück. Schliesslich erstritten er und die anderen sich das Recht, begleitet für einige Stunden zurückzukehren. Franco Ravera rettete Fotos, die Puppe seiner Tochter oder den Computer aus seiner alten Wohnung.

Brücke über Wohnquartiert
Legende: Die Brücke führte auch über Wohnhäuser. Mehrere hundert Menschen verloren ihr Zuhause. Reuters

Häuser werden abgerissen

Von dieser Wohnung wird bald nichts mehr übrig sein. Zusammen mit dem Rest der Brücke werden alle angrenzenden Häuser abgerissen – wahrscheinlich gesprengt.

Für diesen Verlust wird Franco Ravera entschädigt. Mit dem Geld will er schon bald eine neue Wohnung kaufen. In die Welt hinausschreien will er es aber noch nicht: «Ich bin ein bisschen wie der heilige Thomas», scherzt er. «Erst wenn ich das Geld in Händen halte, glaube ich es.»

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