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Bundesbehörden in der Kritik Minneapolis: «Lasst unsere Stadt in Ruhe!», rufen Demonstranten

In Minneapolis, im US-Bundesstaat Minnesota, haben Bundesbeamte am Samstag einen Mann getötet – nachdem schon am 7. Januar eine Frau in ihrem Auto erschossen worden war. Ein Eindruck vor Ort.

«Lasst unsere Stadt in Ruhe! Lasst unsere Nachbarn in Ruhe», ruft ein Mann durch die Metallzäune, die das Gebäude umgeben. Agenten der US-Einwanderungsbehörde ICE (US Immigration and Customs Enforcement) brechen hier zu ihren Einsätzen auf. Die Protestierenden trotzen der extremen Kälte – Schals vor den Gesichtern, Eis in den Augenbrauen. Er komme jeweils vor der Arbeit hierher, sagt ein Mann, der anonym bleiben will.

Menschen stehen vor einem Zaun, winterliche Kleidung, Gebäude im Hintergrund.
Legende: Dort, wo die Einwanderungsbehörde jeweils zu ihren Einsätzen aufbricht, versammeln sich regelmässig Protestierende. SRF

Minneapolis und die Nachbarstadt St. Paul sind im Visier der Trump-Regierung – wie zuvor schon Los Angeles oder Chicago. Seit Wochen läuft eine aggressive ICE-Operation der Migrationspolizei – um papierlose Migranten festzunehmen.

Hierherzukommen ist das Mindeste, was ich tun kann.
Autor: Protestierender

«Die Menschen scheinen nervös, solche mit dunkler Hautfarbe trauen sich nicht aus dem Haus. Als Weisser im mittleren Alter muss ich keine Angst vor ICE haben. Hierherzukommen ist das Mindeste, was ich tun kann», sagt der Protestierende.

Doch der Bundesbehörde weht nicht nur klimatisch bedingt ein kalter Wind entgegen. Immer wieder kommt es zwischen den ICE-Beamten und Zivilisten zu teils heftigen Auseinandersetzungen – am 7. Januar wurde die 37-jährige Renée Good in ihrem Auto erschossen. Und auch am Samstag ist es zu einem ungeklärten Fall gekommen – wieder fielen Schüsse, wieder ist eine Person gestorben.

Der Fall Renée Good und der Fall Alex Pretti

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Bei dem am Samstag Erschossenen handelt es sich um den 37-jährigen Alex Pretti aus Minneapolis. Auf Videoaufnahmen scheint sich Pretti zwischen Agenten von Bundesbehörden und zwei Frauen zu stellen. In der Hand hält er ein Handy, wohl um zu filmen. Die Agenten ringen ihn zu Boden – und nehmen ihm anscheinend eine Pistole ab, die er legal auf sich trägt. Dann töten sie ihn mit vielen Schüssen.

Heimatschutzministerin Kristi Noem, die schon Renée Good eine Terroristin nannte, erklärte, auch dieser Mann sei ein Terrorist, er habe, Zitat, «maximalen Schaden» anrichten wollen. Eine verfrühte Aussage – und angesichts der Handyvideos eine sehr zweifelhafte. 

Seine Eltern werfen den Einsatzkräften in einer Stellungnahme vor, ihren Sohn ohne legitimen Grund getötet zu haben. Er soll laut US-Medienberichten als Krankenpfleger gearbeitet haben.

Bereits am 7. Dezember wurde die 37-jährige Renée Good in ihrem fahrenden Auto erschossen. Nach Angaben der Polizei blockierte sie eine Strasse in Minneapolis.

In Minnesota leben viele Menschen somalischer Herkunft. Der Bundesstaat hat einen ausgebauten, grosszügigen Sozialstaat, der in den letzten Jahren vermutlich um Milliarden Dollar betrogen wurde: Viele dieser des Betrugs überführten Personen haben somalische Wurzeln. Ein Anlass für die Trump-Regierung, Minnesota ins Visier zu nehmen – und Gouverneur Tim Walz, einen prominenten Trump-Gegner.

Gedenkstätte mit Schildern und Blumen an einer Strasse im Winter.
Legende: Am Wegrand liegen Flaggen, Plakate, Blumen. Ein stiller Protest gegen die Einwanderungsbehörde. SRF

Tatsächlich leben in Minnesota relativ wenige papierlose Migranten – Minneapolis ist klein im Vergleich zu Los Angeles oder Chicago. Trotzdem ist hier, wie es von der Regierung heisst, die bislang grösste ICE-Operation im Gang – mit Tausenden Agenten. Sie durchkämmen die Stadt. Aggressiv, vermummt und schwer bewaffnet.

Aber Minneapolis wehrt sich. Leute organisieren sich, etwa Eltern an Schulen, um Familien zu schützen, die Angst haben, die Wohnung zu verlassen – und Unterstützung mit der Miete brauchen. Kirchen engagieren sich. «Diese Organisation, komplett im Hintergrund, ist überwältigend. Darauf kann man sehr stolz sein», sagt ein Bewohner.

Regierungssicht gegen Meinung vor Ort

Die Trump-Regierung hingegen ist überzeugt: Schuld an den Spannungen hätten Krawallmacher, örtliche Politiker, die zur Gewalt aufriefen, und lokale Behörden, die nicht mit der Migrationspolizei kooperierten. Dabei gehe es doch darum, Schwerverbrecher dingfest zu machen – tausende Schwerkriminelle seien schon festgenommen worden.

Bei dieser Besatzung durch die Bundesregierung geht es schon lange nicht mehr um Einwanderung. Es ist eine Kampagne der organisierten Brutalität gegen die Menschen unseres Bundesstaates.
Autor: Tim Walz Gouverneur von Minnesota

Die Zahl ist nicht zu überprüfen – und sehr zweifelhaft. Bewohner berichten, sie würden nur aufgrund ihrer Hautfarbe angehalten, auch US-Bürger wurden festgenommen, sogar im eigenen zu Hause. Gouverneur Tim Walz sagt: «Bei dieser Besatzung durch die Bundesregierung geht es schon lange nicht mehr um Einwanderung. Es ist eine Kampagne der organisierten Brutalität gegen die Menschen unseres Bundesstaates.»

Menschenmenge bei einer Demonstration in der Stadt.
Legende: An einem Protest haben Tausende Bewohner teilgenommen, SRF

Die Bundesbehörden scheinen Minneapolis an den Rand einer grösseren Eskalation zu führen. Aber vielleicht ist das ja das Ziel von Präsident Trump – der gewillt scheint, in US-Städten auch das Militär einzusetzen.

SRF 4 News, 25.01.2026, 9:00 Uhr

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