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Erneute Krawallnacht in Nordirland
Aus Tagesschau vom 08.04.2021.
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Bus geht in Flammen auf Neue Krawalle in Nordirland

  • Bei Krawallen in der nordirischen Hauptstadt Belfast ist am Mittwochabend ein Linienbus angegriffen und in Brand gesetzt worden.
  • Die Polizei rief die Bevölkerung auf, mehrere Gegenden im Stadtgebiet zu meiden, in denen sich Menschen zusammengerottet hatten.

Auf im Internet kursierenden Videos war zu sehen, wie ein Doppeldeckerbus zunächst mit Brandsätzen beworfen wurde und später komplett ausbrannte.

Berichten zufolge wurde auch ein Pressefotograf attackiert. Der Vorfall ereignete sich an einer Kreuzung zwischen einem protestantischen und einem katholischen Wohnviertel.

Regierung trifft sich zur Sondersitzung

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Nach einer weiteren Nacht mit heftigen Ausschreitungen wollte die Regierung in dem britischen Landesteil am Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Das teilte Co-Regierungschefin Michelle O'Neill von der Sinn-Fein-Partei mit.

Nordirland wird von einer Einheitsregierung aus den beiden jeweils grössten Parteien von protestantisch-unionistischer und katholisch-republikanischer Seite regiert. Auch das Regionalparlament wird über die Vorfälle beraten.

Alleine letzte Nacht sieben Polizisten verletzt

Nach Angaben der Polizei waren bei Krawallen in der Nacht mindestens sieben Polizisten verletzt worden. Ein Linienbus ging in Flammen auf. Der britische Premierminister Boris Johnson zeigte sich zutiefst besorgt von den Ausschreitungen.

In einer Twitter-Nachricht verurteilte er insbesondere die Angriffe auf Beamte, den Fahrer des ausgebrannten Busses und einen Journalisten am Mittwochabend. «Diejenigen, die in Gewalt, Sachbeschädigung, Aufwiegelung der Jugend und Angriffen auf die Polizei verwickelt sind, müssen aufhören» schrieb er.

Belfast kommt seit Tagen nicht zur Ruhe

In der britischen Provinz Nordirland kommt es seit Tagen zu nächtlichen Krawallen, bei denen inzwischen Dutzende Sicherheitskräfte verletzt wurden. Sie wurden mit Steinen, Brandsätzen und Feuerwerkskörpern beworfen. Nach Ansicht der Sicherheitsbehörden stecken dahinter teils militante protestantisch-loyalistische Gruppierungen, die auch im Drogenhandel tätig sind.

Vorgeblicher Anlass für die Ausschreitungen ist die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, hochrangige Politiker der katholisch-republikanischen Sinn-Fein-Partei nach der Teilnahme an der grossen Beerdigung eines ehemaligen IRA-Terroristen nicht wegen Verstössen gegen die Coronaregeln zu belangen.

Auch der Sonderstatus Nordirlands, wie er im Brexit-Abkommen festgelegt wurde, stösst auf Widerstand in Teilen des protestantischen Lagers. Der britische Landesteil ist de facto Teil des EU-Handelsraums geblieben, um Warenkontrollen an der Grenze zum EU-Mitgliedsstaat Republik Irland zu verhindern. Stattdessen müssen nun Kontrollen an den Häfen stattfinden, wenn Waren aus den anderen Teilen des Vereinigten Königreichs nach Nordirland kommen.

Der Nordirland-Konflikt

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Im Nordirland-Konflikt, der erst 1998 mit dem Karfreitagsabkommen endete, standen sich jahrzehntelang mehrheitlich protestantische Befürworter der Union mit Grossbritannien und überwiegend katholische Anhänger einer Vereinigung der beiden Teile Irlands gegenüber. Auch die Polizei und das britische Militär wurden in den Konflikt hineingezogen. Mehr als 3600 Menschen starben, fast 50'000 wurden verletzt. Noch immer ist die Gesellschaft tief gespalten.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Udo Gerschler  (UG)
    Drogenhändler sind nicht nur dort sondern in ganz Europa immer gewaltbereiter und brutal beim Kampf um ihre Märkte.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Hier geht es nicht um Drogenhandel sondern um einen jahrzehntelangen Konflikt aus der Zeit des Empire.
  • Kommentar von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
    Die politische Aufteilung der Insel ist falsch. Natürlich wäre, wenn die Insel Irland auch nur eine Nation Irland wäre. Aber die Engländer halten am kümmerlichen Rest des Empires aus längst vergangenen Zeiten fest, wie der Hund, der seinen letzten Knochen bis aufs Blut verteidigt. Solange die Insel Irland nicht wieder zu einer Nation Irland wird, wird es auf der Insel keine Ruhe geben.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Bruno Bär: Wenn es so einfach wäre, hätte Grossbritannien längst aufgegeben und Nordirland den Iren verschenkt. Das Problem ist, dass sich, im Gegensatz zu Irland, die Bevölkerung Nordirlands etwa in zwei gleich grosse Bevölkerungsgruppen aufteilt. Die eine Hälfte sind Katholiken und fühlen sich als Iren; die andere Hälfte sind Anglikaner und fühlen sich als Briten. Eine Hälfte wird also immer unglücklich sein und deshalb sucht man für Nordirland einen anderen Weg als für den Rest von Irland.
    2. Antwort von Hans Vetsch  (Psan)
      @Thomas Leu: Grundsätzlich gebe ich ihnen recht, in einem Punkt muss ich jedoch etwas präzisieren: Es ist nicht so dass sich Katholiken als Iren fühlen, sondern diejenigen die von Iren abstammen und sich demzufolge als Iren fühlen sind grösstenteils Katholiken. Gleiches gilt bei den Anglikanern/Briten. Ursache und Wirkung sind verdreht.
      Genauso wird der Nordirlandkonflikt bei uns fast immer fälschlicherweise als Religionskonflikt dargestellt, dabei ist es ein Konflikt der Nationalitäten.
    3. Antwort von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
      1. Lesen Sie die Geschichte der irischen Insel, ab 1900,insbesondere über den Oster-Aufstand 1916 und den Bürgerkrieg 1919 - 1921, dessen Auswirkungen eben bis heute Einfluss haben.

      2. Da gibt es weltweit einige Inseln und Halbinseln, die nicht nur eine Nation sind. Ausserdem, ab welcher Grösse ist denn eine Insel oder Halbinsel gross genug, aus mehreren Nationen zu bestehen? Wie ist es denn mit der zweiten UK- Insel, bestehend aus den Nationen England, Wales und Schottland?
    4. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Hans Vetsch: Danke für die Präzisierung. Sie stellen die Frage nach dem Huhn oder dem Ei. Da die Korrelation zwischen Religion und Herkunft fast 100% ist, stellt sich meines Erachtens diese Frage nicht. Es ist einfach so, dass Nordirland nicht einfach mit dem Rest der irischen Insel gleichgestellt werden kann. Sonst hätten die Briten das Gebiet längst freiwillig an Irland abgetreten.
  • Kommentar von Matthias Sommer  (abcdef)
    Schrecklich, schade, kam der Brexit, aber ich akzeptiere das Votum. Was für mich offensichtlich ist: So wie die EU nicht dulden kann, das ein Staat ihrer Gemeinschaft anders behandelt werden kann (etwa, wenn die Schweiz die PFZ nicht auf Kroatien ausdehnen will), genauso problematisch ist es, wenn ein Landesteil von UK (in diesem Fall NI) anders behandelt wird. Ich habe auch keine Lösung, aber dieser Punkt bez. unterschiedlicher Behandlung finde ich wichtig (Gewalt ist immer schlecht!)
    1. Antwort von Heinz Michel  (Joshuatree)
      Leider geht es auch hier zu einem grossen Teil wieder um Glaube, reformiert und katholisch dazu auch noch Extremismus dabei ist die grüne Insel ein Traum, wieso können wir Menschen nicht endlich in Frieden zusammen leben?!
    2. Antwort von Hans Vetsch  (Psan)
      @Heinz Michel: Bei dem Konflikt geht es weniger um Glaube, sondern mehr um Nationalität. UK ist in Irland eingefallen, hat es besetzt und die Iren sehr schlecht behandelt, wie es UK auf der ganzen Welt getan hat. Wie auch anderswo auf der Welt hat Irland im 20. Jahrhundert seine Unabhängigkeit wiedererlangt, aber nicht die ganze Insel. Die irisch-stämmigen im Konflikt (meist Katholiken) wollen ihre Unabhängigkeit zurück, die britisch-stämmigen (meist Protestanten) wollen in UK bleiben.
    3. Antwort von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
      Die Frage der Zollgrenze in Irland war einer der grossen Streitpunkte in der Brexitverhandlung. Dass diese Zollgrenze in die irische See verlegt wird, war schlussendlich ein Vorschlag Johnsons um eben diese , den dieser mittlerweile nicht mehr so haben möchte. Das führt zwangsläufig zu einer Andersbehandlung.

      Übrigens haben wir zB mit Samnaun ein Zollfreigebiet, das dadurch auch einen anderen Status hat, wie der Rest der Schweiz. Die Zollgrenze befindet sich damit auch innerhalb der Schweiz.