Zum Inhalt springen

Glaubwürdigkeit von Buzzfeed «Buzzfeed steckt viel Arbeit und Ressourcen in die Recherche»

Buzzfeed hat Einzelheiten zu den mutmasslich von Russland gesammelten Informationen über Donald Trump veröffentlicht – und sich damit in den Fokus der Weltöffentlichkeit katapultiert. Wie sich Buzzfeed finanziert und was das Konzept der Plattform ist, erklärt der Digitalstratege Thom Nagy.

Legende: Audio «Buzzfeed hat bei den neuen Medien eine Pionierrolle» abspielen. Laufzeit 04:35 Minuten.
04:35 min, aus SRF 4 News aktuell vom 12.01.2017.

SRF News: Wie glaubwürdig sind die Inhalte, die Buzzfeed jeweils publiziert?

Thom Nagy: Grundsätzlich legt Buzzfeed Wert darauf, seine Investigativ-Artikel sehr gut zu untermauern. Das Online-Medium hat dafür ein grosses Team zusammengestellt. Dieses steckt viel Arbeit und Ressourcen in Recherche. Deshalb können wir von einer hohen Glaubwürdigkeit ausgehen.

Grundsätzlich legt Buzzfeed Wert darauf, seine Investigativ-Artikel sehr gut zu untermauern.
Autor: Thom NagyDigitalstratege beim Onlinemedium «Tageswoche»

Doch Buzzfeed ist ein Entertainment- und Nachrichtenportal. Wie funktioniert das Online-Medium?

Buzzfeed sagt von sich selbst, dass es Nachrichten für das Internet erarbeitet. Es schmückt sich damit, dass das Medium das Internet nicht als Problem erachtet, sondern mit dem World Wide Web wächst.

Wie zeigt sich das?

Buzzfeed hat in den letzten Jahren sehr stark auf Inhalte auf Social-Media-Kanälen gesetzt. Die Redaktion hat sich davon verabschiedet, alle Inhalte auf ihrer eigenen Website zu veröffentlichen. Vielmehr stellt Buzzfeed beispielsweise Artikel auf Facebook. So können die Leser den Content dort konsumieren, auf dem sie sich tatsächlich aufhalten.

Funktioniert dieses Konzept?

Durchaus. Buzzfeed legt grossen Wert darauf, seine Inhalte so aufzuarbeiten, dass diese letztlich bei einem möglichst grossen Publikum ankommen. Das kann beispielsweise bedeuten, dass ein komplexes Thema auf Listicle, also ein Listen-Artikel, heruntergebrochen wird. Auf diesem Gebiet habt Buzzfeed eine Pionierarbeit eingenommen, welche andere Medienhäuser mittlerweile nachahmen. Darüber hinaus setzt Buzzfeed voll auf Technologie – es wird datengetrieben gearbeitet. So wird gemessen, wie gut funkioniert die Arbeit, die Buzzfeed leistet. Anhand der Daten kann Buzzfeed erkennen, in welchen Bereichen sich das Portal verbessern kann, um Inhalte besser an die Konsumenten zu bringen.

Und wie finanziert sich Buzzfeed?

Grösstenteils über Investoren. Diese wetten darauf, dass Buzzfeed die Medienmarke der Zukunft wird. Gleichzeitig hat das Online-Medium sogenannte Publireportagen – also bezahlte Inhalte von Unternehmen oder politischen Parteien – salonfähig gemacht.

Buzzfeed hat sogenannte Publireportagen – also bezahlte Inhalte von Unternehmen oder politischen Parteien – salonfähig gemacht.
Autor: Thom NagyDigitalstratege beim Onlinemedium Tageswoche

Unter dem Strich verzeichnet Buzzfeed laut eigenen Angaben seit zehn Jahren ein zweistelliges Gewinnwachstum. Ob diese Angaben zutreffen, können wir nicht überprüfen.

Warum?

Weil das Unternehmen nicht börsenkotiert ist.

Ist Buzzfeed denn eine ernstzunehmende Konkurrenz für die traditionellen Medienhäuser wie die Washington Post oder die New York Times?

Ja. Anfangs wurde Buzzfeed von den traditionellen Medien noch belächelt – als Lieferant von einfältigen Inhalten. Mittlerweile schauen die New York Times und die Washington Post bei Buzzfeed genauer hin und lernen vom Online-Portal das eine oder andere.

Das Gespräch führte Daniel Eisner.

Zur Person

Zur Person

Thom Nagy arbeitet seit 2014 für die Basler «Tageswoche» als Digitalstratege. Seine Aufgabe in dieser Funktion besteht darin, die Online-Plattform zu einem sozialen Medium mit dialogischer Ausprägung zu transformieren. Zuvor arbeitete Nagy bei der digitalen Entwicklung der «Neuen Zürcher Zeitung».

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Wenn das die Zukunft der Journalisten und des Journalismus sein soll, sieht es sehr düster aus. Letztlich ist es und wird es zu einer reinen Fake-News-Verteilungsistitution. Das kann's ja wohl auch nicht sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Buzzfeed hat ganze Arbeit geleistet: durch Publikation der 35-Seiten konnten sich etliche Personen wie unabhängige Journalisten oder US-Militäanalysten (z.B. Glen Greenwald, Thesaker, turningpointnews) ein Bild von dem Dokument machen und diesen als erfundene Geschichte ohne Glaubwürdigkeit entlarven. Sogar nachprüfbare falsche Aussagen wurden gefunden. Letztlich eine veritable Blamage für die Geheimdienste und die Presse, welche sich auf solcher Grundlage berufen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Die ersten vier Zeilen dieses Berichts gehen vage auf die Glaubwürdigkeit dieser Plattform ein, der Rest ist eine Beschreibung des offenbar erfolgversprechenden Geschäftsmodells, was leider mit Glaubwürdigkeit nichts zu tun hat. Wenn da angeblich viel Aufwand für seriöse Recherche betrieben wird, heisst das nicht zwingend, dass da auch etwas Seriöses herauskommt. Offensichtlich scheint Geld vorhanden zu sein, da man sonst nicht viele Leute beschäftigen könnte... woher stammt es??
    Ablehnen den Kommentar ablehnen